Optimiert beschafft

Titelstory

Services - Auch für Gasversorger wird es seit der Liberalisierung immer wichtiger, sich mit entsprechenden Angeboten von anderen abzuheben. Um erfolgreich agieren zu können, gilt es unter anderem, die Beschaffungskosten zu senken. Dienstleister wie die GVS können unterstützen, um die Beschaffung zu optimieren und zugleich das Risiko zu steuern.

05. Mai 2014

Steigender Wettbewerb, Bilanzkreisanforderungen und die wachsende Bedeutung der Handelsmärkte machen eine professionelle Gasbeschaffung für Gasversorger immer wichtiger. Der stärkere Wettbewerb lässt sich auch an den Zahlen des Monitoringberichts 2013 der Bundesnetzagentur (BNetzA) ablesen. Im Berichtsjahr 2012 habe sich der Trend zu einer größeren Lieferantenvielfalt verfestigt, stellen die Autoren fest.

»In knapp 86 Prozent der Netzgebiete beliefern 31 oder mehr Gaslieferanten Letztverbraucher. Im Jahr 2010 beispielsweise traf dies nur für rund 38 Prozent der Netze zu«, heißt es im Bericht. Mittlerweile stünden in fast 60% der Netze sogar mehr als 50 Gaslieferanten zur Verfügung. Ein Angebot von fünf oder weniger Gasversorgern sei dagegen nur noch in weniger als 1% der Netzgebiete zu finden.

Ein weiterer Punkt ist die Wechselwilligkeit der Kunden. Während bei den Haushaltskunden weniger Wechsel stattfanden als 2011, stieg die Zahl bei den Gewerbe- und Industriekunden. Insgesamt wechselten 677.839 Haushaltskunden ihren Gaslieferanten, etwa 260.000 Haushaltskunden weniger als im Jahr 2011. Um gut 27.000 Kunden auf 191.694 stieg dagegen die Anzahl der Gewerbe- und Industriekunden, welche einen Lieferantenwechsel durchführten.

Partner bei der Bewirtschaftung

Um sich im zunehmendem Wettbewerb behaupten zu können und entsprechende Produkte und Preise bieten zu können, ist unter anderem eine Absenkung der Beschaffungskosten wichtig.

»Um komplexe Produkte verkaufen zu können, ist es auch für den Kunden sinnvoll, einen Partner mit Know-how an der Seite zu haben, der ihn mit der Bewirtschaftung der Produkte nicht alleine lässt«, ist sich Felix Zimmermann, Leiter Portfolio- und Risikomanagement bei der Gasversorgung Süddeutschland (GVS) sicher.

Und hier tut das Unternehmen einiges, wie er ausführt. »Für uns sind die marktgerechte Produktentwicklung und umfassende Dienstleistungen gleich wichtig für den Erfolg. Gute Beispiele sind das Portfolio- und Bilanzkreismanagement sowie Unterstützung in den Bereichen Bilanzkreis-Pooling, Smart Storage und virtuelle Speicher. Diese Services unterstützen den Kunden unter anderem dabei, komplexe Produkte sinnvoll und effizient einzusetzen sowie zu kombinieren, die Beschaffung zu optimieren und gleichzeitig das Risiko zu steuern. Nicht unerheblich sind dabei auch die Ressourcen- und Kostenersparnisse.«

Herausforderungen beim BKM

Sein Kollege Bernhard Beck, Leiter Operations, zeigt dies am Beispiel des Bilanzkreismanagements (BKM) auf. »Die zwei größten Herausforderungen, die sich beim BKM für Unternehmen ergeben, sind zum einen die stundengenauen und täglichen Prognosen der Industriekunden und die damit verbundene Herausforderung der Reduzierung von Ausgleichsenergiekosten und Strukturierungsbeiträgen.« Zum anderen sei die zweite Herausforderung der Austausch von Fahrplänen mit den Handelspartnern sowie die form- und fristgerechte Versendung der Nominierungen.

Für Aufbau und Betrieb eines eigenen Bilanzkreismanagements setzen sich die durchschnittlichen Kosten aus verschiedenen Faktoren zusammen, rechnet Beck vor: Durchschnittlich liegen die Systemkosten bei mindestens 150 bis 250T€. Zudem sind schätzungsweise mindestens sechs Mitarbeiter für das BKM erforderlich. »Prognoseunschärfen und Prozessfehler lassen sich nicht pauschal beziffern.«

Einsparpotenziale durch Service

Bei einer Entscheidung für oder gegen solch eine Dienstleistung sind verschiedene Aspekte gegeneinander abzuwägen. Zum einen die Kosten des Einstiegs in ein eigenes BKM: anfängliche Prognoseunschärfen, Prozessfehler, Systemanschaffung und -einführung, Personalausbau mit Schichtbetrieb. Dem gegenüber stehen die jährlichen Kosten für den Service sowie die pauschale Übernahme von gewissen Risiken durch den Dienstleister. Durch die Pooling- und Portfolioeffekte eines externen Dienstleisters reduzieren sich die Kosten weiter, so Beck. Die Einsparungen lägen bei mindestens 100T€.

Flexibilität in der Abwicklung

Das BKM von einem externen Dienstleister wie der GVS übernehmen zu lassen, kann also sinnvoll sein, wenn die Größe des eigenen Portfolios kein eigenes BKM erfordert. »Nämlich dann, wenn kein eigener Personalstamm und keine eigenen Systeme vorhanden sind, da die Investitionskosten und jährlichen Aufwendungen sehr hoch sind und so geteilt werden können.«

Das BKM-Angebot der GVS nutzen derzeit hauptsächlich Stadtwerke und regionale Energieversorger. »Wir sind zudem mit diversen Industrieunternehmen aus unterschiedlichen Branchen im Gespräch – das Thema gewinnt dort zunehmend an Bedeutung.« Dabei stellen die Kunden verschiedenste Anforderungen, die ihnen wichtig sind, an die Dienstleistung.

Dazu zählen direkter Kontakt, Reporting aller Kennzahlen, Verfügbarkeit von BK-Daten sowie die Sicherheit der Belieferung. Auch die Flexibilität bei der Aufnahme von Speichern oder Ähnlichem in den Abwicklungsservice, die Verlässlichkeit sowie die Kosten und Transparenz sind wesentlich.

Im Rahmen des Services übernehmen die dafür verantwortlichen Mitarbeiter der GVS die Abwicklung inklusive Nominierungen, Bilanzkreisausgleich, Verbindung von Bilanzkreisen und Prognosen. Unter anderem ist auch ein regelmäßiges Reporting im Paket enthalten. Dieses bietet den Kunden Informationen über alle BK-Rohdaten, Mengenreports, Long-Short-Analysen, Temperaturdaten, Langfristprognosen der GVS, Kurzfristprognosen, Ausgleichsenergiedaten, Regelenergiedaten, Spotmengen und -preise.

Enthalten im BKM ist auch eine weitere Dienstleistung: wenn gewünscht, kann man kostenlos am Bilanzkreis-Pool der GVS teilnehmen. Kosten für Ausgleichsenergie und Strukturierungsbeiträge werden auf die Teilnehmer des BIK-Pools verteilt. Prognostizierte und tatsächliche Gasabsätze saldieren sich und heben sich teilweise gegenseitig auf.

Individuell angepasstes Portfolio

Neben dem Bilanzkreis-Pooling können das Portfoliomanagement sowie die Produkte Smart Pricing und Smart Storage der GVS den BKM-Service sinnvoll ergänzen und mit diesem zusammenspielen.

Das Dienstleistungspaket Portfoliomanagement der GVS ist modular aufgebaut. Je nach Anforderungen können zum Beispiel Risikomanagement, Tradingpaket, Reporting und Pricingpaket hinzugebucht werden.

»Mit dem Kunden klären wir unter anderem ab, wie das Erdgas beschafft wird, welche Produkte vorteilhaft sind«, sagt Beck. »Oder, bei den Stadtwerken, wie die Kundenstruktur aussieht und wie zukünftige Entwicklungen berücksichtigt werden können«, ergänzt Zimmermann. Wichtig seien in einem weiteren Schritt außerdem die gemeinsame Definition von Kennzahlen und das Reporting, um jederzeit einen Überblick über die Portfoliosituation und die vielfältigen Beschaffungsmöglichkeiten zu haben.

Das Beschaffungsprofil lässt sich durch Speichermöglichkeiten ergänzen, mit denen sich Flexibilitäten abbilden und Spotrisiken vermeiden lassen. Hier bietet die Gasversorgung Süddeutschland neben dem virtuellem Speicher auch das Produkt Smart Storage an. Diese Produkte sind frei kombinierbar mit diversen anderen aus dem Bereich Standardhandelsprodukte. »Die Entscheidung für solche Dienstleistungen erfolgt aus Risikohedging- und Strategie-Überlegungen heraus.«

Frei dimensionierbare Speicher

GVS bedient die Mengen für die Speicherprodukte aus dem eigenen Portfolio oder über die Spotmärkte, ›atmet‹ die Flexibilitäten für den Kunden mit und sichert somit gegen die Risiken ab. »Da dies alles virtuelle Speicher sind, sind sie frei dimensionierbar. Wir helfen bei der analytischen Bestimmung der Parameter.« Das Unternehmen muss hierfür »hochflexible Verträge in Bezug und Abgabe sowie physische Speicher vorhalten, um diese Sicherung permanent gewährleisten zu können«.

Der virtuelle Speicher sei besser geeignet für Kunden mit Tradingstrategien und Optimierungsabsichten oder ausgeprägten Tradingaktivitäten. Smart Storage andererseits sei etwas für die meisten Stadtwerke, die keine Tradingabteilung haben und vorwiegend Flexibilitäten der Abgabe decken möchten.

Die virtuellen Speicher sind frei nominierbar und optimierbar. Sie beinhalten aber einen hohen täglichen Aufwand beim Bewirtschaften. »Zudem sind langfristige Speicherstrategien notwendig sowie eine regemäßige Anpassung der Strategien«, führt Zimmermann aus. »Zur Abbildung von Lastflexibilitäten sind sie relativ schwer dimensionierbar und relativ teuer, da Optionalitäten nicht genutzt werden.« Sie haben keine unbegrenzten Ein- und Ausspeicherleistungen und müssen typischerweise erst befüllt werden, bevor Gas entnommen werden kann.

Temperaturgeführt Smart

Der Smart Storage dagegen speichert vollautomatisiert bei hohen Temperaturen ein und bei niedrigen Temperaturen aus. »Die Bewirtschaftung geschieht bequem durch GVS.« Er ist nicht optimierbar, es ist weder eine Speicherstrategie noch eine Anpassung der Speicherfahrweisen nötig. »Sie können aufgrund der ausschließlichen Temperatursteuerung Flexibilitäten unbegrenzt nutzen. Der Speicher kann bereits zu Beginn ausspeichern ohne vorher Gas eingespeichert zu haben und ist so ideal für temperaturgeführte Flexibilitätsbedarfe.« Zudem sei er relativ günstig bis zu einem Drittel günstiger als ein virtueller Speicher da er am Markt nicht optimierbar ist.

Wie das Produkt funktioniert, erläutert Zimmermann an einem Beispiel: Geht man von einem Gasversorger mit 200GWh Abgabelast an Standard-Lastprofil-Kunden aus, stehen davon bei strukturierter Beschaffung 20% der Mengen im Spotrisiko. Unter der Annahme eines Risikos des Spotausgleichs zwischen 40 und 120T€ pro Jahr lassen sich durch Abschluss des Smart Storage »diese Risiken um circa 98 Prozent reduzieren, beziehungsweise die resultierenden Kosten auf nahe null senken«.

Gasversorgern bieten sich also durchaus verschiedene Möglichkeiten, ihre Beschaffung zu optimieren und Kosten zu senken. Ein Weg kann sein, dies gemeinsam mit einem externen Dienstleister wie der GVS in Angriff zu nehmen.

Interview

Wie reagieren Sie auf die veränderten Marktbedingungen?

Zukunftsfähig sind heute nur noch Erdgasunternehmen, die aus einer Hand eine Vielfalt an Produkten und Dienstleistungen anbieten und diese im engen Kundendialog maßschneidern können.

Je vielfältiger die Beschaffungsmöglichkeiten für Erdgas und je komplexer die Produkte werden, desto wichtiger sind persönliche Beratung und ein umfassendes Dienstleistungsangebot. Wir sind immer ganz nah am Kunden, schauen uns dessen Produkte und Prozesse genau an und bieten dann – in enger und dialogorientierter Abstimmung – individuelle Lösungen an. Unseren Kunden steht jederzeit ein starkes, erfahrenes Beraterteam zur Seite.

Das heißt konkret?

Wir entwickelten zum Beispiel in den vergangenen zwölf Monaten bereits fünf neue Produkte, die ganz individuell auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen. Es gilt, einerseits die Kosten zu reduzieren und andererseits die Qualität zu erhöhen. Standardprozesse müssen fehlerfrei, schnell, zuverlässig und effizient laufen, um Kapazitäten für die qualitative Kundenberatung und Dienstleistungen frei zu haben..

Sie bieten Ihren Kunden auch Marktgespräche mit Experten zu verschiedenen Themen an, so wie ein Gasmarkt-Telegramm. Was brennt der Branche denn da derzeit am stärksten ›unter den Nägeln‹?

Vor allem die Themenbereiche Russland-Ukraine, Versorgungssicherheit, Speicher und Marktpreisentwicklungen. Die Nachfrage nach Marktgesprächen nimmt deutlich zu – auch für Kunden und potenzielle Kunden aus Österreich. Interessant sind vor allem fundierte Einschätzungen. Wir bieten dabei eine Plattform, die aktuellsten Entwicklungen kennenzulernen und im persönlichen Gespräch zu diskutieren.

Die Interessenten am Gasmarkt-Telegramm erhalten neben der Analyse von Speicherfüllständen, Einspeiseraten, Gasflüssen, LNG, Energiemärkten oder allgemeinen energiepolitischen Themen insbesondere auch die Analyse der Wechselwirkungen dieser Faktoren und deren Einflüsse auf die Preise. Dabei liegt der Fokus nicht ausschließlich auf dem deutschen Gasmarkt, sondern auch auf den anderen europäischen und globalen Märkten.

Für wen kann denn ein sogenanntes Bilanzkreis-Pooling in Deutschland sinnvoll sein? Das ist ja ebenfalls eine Dienstleistung aus Ihrem Portfolio.

Jeder Teilnehmer zahlt weniger als alleine und ohne Pool und bekommt eine mengenanteilige Vergütung an den Pooleinsparungen sowie der eingebrachten Toleranzen. Auch wer keine freien Toleranzen einbringt, profitiert von den Einsparungen. Da man sich nur besser stellen kann als allein – und das garantiert –, die Einsparungen bei durchschnittlich 60 Prozent vor Pooling liegen und die Teilnahme und das Reporting kostenfrei sind, macht der Beitritt grundsätzlich immer Sinn.

Was für Neuheiten werden Sie in diesem Jahr auf den Markt bringen, woran arbeiten Sie gerade?

Unsere Experten arbeiten intensiv an Neuheiten in den Bereichen Markttransparenz, Marktzugang sowie an praktischen Tools, die den Kunden die Arbeit erleichtern.

Erschienen in Ausgabe: 04/2014