Organische Stoffe gehören nicht auf die Deponie

Biomasse-Heizkraftwerk Großaitingen nahm den Betrieb auf

Das erste von insgesamt fünf Biomasse-Heizkraftwerken nahm die SFW GmbH im November vergangenen Jahres in Großaitingen in Betrieb. Aus Althölzern der Klassen B1 und B2 erzeugt der Energiedienstleister in der Anlage Strom und Wärme.

09. April 2003

Ende vergangenen Jahres nahm der Energiedienstleister SFW GmbH, ein Tochterunternehmen der RAG Saarberg AG, das Biomasse-Heizkraftwerk Großaitingen in Betrieb. Großaitingen ist das erste von insgesamt fünf geplanten Heizkraftwerksprojekten der SFW, bei denen Altholz als Brennstoff zum Einsatz kommen soll. „Organische Stoffe gehören nicht auf die Deponie“, meint SFW-Geschäftsführer Uwe Louis. „Für uns ist dieses Altholz ein Wertstoff, der energetisch genutzt werden muss. Seine Verbrennung hilft zudem, Entsorgungsprobleme zu lösen.“

SFW errichtete die Anlage Großaitingen innerhalb eines Jahres und investierte 15 Mio. €. Kernstück der Kraftwerks ist ein Biomasse-Dampferzeuger und eine Dampfturbine. Der Dampferzeuger hat eine Frischdampfleistung von 21,5 t/h. Die Turbine hat eine elektrische Leistung von 5,1 MW und wird pro Jahr 40.800 MWh Strom erzeugen - eine Menge, die dem Jahresverbrauch von etwa 10.000 Haushalten entspricht. Den Strom speist die SFW ins Versorgungsnetz der LEW Augsburg, zudem kann Wärme ausgekoppelt werden.

Louis: „Die Anlage ist so etwas wie ein europäisches Gesamtprojekt. Wer die Baustelle besucht hat, und das Sprachengemisch dort vernommen hat, kann das bestätigen. So hat das Unternehmen Ekol aus Prün in Tschechien die Turbine geliefert und Bertsch aus Bludenz in Österreich den Kessel geliefert und montiert. Inbetriebnahme, Einstellarbeiten und Optimierungen an der Biomasseanlage wurden ebenfalls vom Personal der Zulieferer vorgenommen.“

Lastkraftwagen beliefern das Heizkraftwerk nun jährlich mit rund 40.000 t Altholz der Klassen B1 und B2. Der Brennstoff kommt von drei regionalen Händlern. Er wird in zwei Holzbunkern mit einem Fassungsvermögen von 1.500 m³ gelagert. Ein Zugboden im Bunker fördert das Holz auf eine nachgeschaltete Förderrinne. Diese transportiert den Brennstoff in den Brennraum des Dampfkessels. Das Altholz verbrennt hier bei bis zu 1.000 °C. Die heißen Rauchgase strömen in mehreren Stufen im Wasserrohrkessel nach oben und erhitzen das Speisewasser zu Dampf, der eine Turbine antreibt. Im anschließenden Luftkondensator kondensiert der Dampf zu Wasser und gelangt wieder in den Wasserkreislauf.

Die Rauchgasreinigungsanlage hält bereitet das Abgas auf. Das Gas durchläuft dazu eine Zyklonanlage, einen Trockeninjektor sowie einem Hochleistungsgewebefilter. Als Reststoff verbleibt Flugasche, die staubdicht gelagert und abtransportiert wird. Im Vergleich zu herkömmlich gewonnener Energie erspart das Heizkraftwerk Großaitingen der Umwelt rund 31.000 t Kohlendioxid pro Jahr, denn das bei der Verbrennung freigesetzte CO2 entspricht der Menge, die beim Wachstum der Pflanzen aufgenommen wurde.

Erschienen in Ausgabe: 01/2003