Paketzustellung mal anders

Es geht um saubere, leise und effektive Logistikkonzepte: Hannover hat gemeinsam mit Partnern das Projekt ›Urbane Logistik‹ gestartet und will Modellregion für den Lieferverkehr der Zukunft werden. Mit im Projekt sind neben der Landeshauptstadt Niedersachsens unter anderem Enercity, DHL und VW.

22. September 2017

Das von der Bundesregierung (BMBF) mit rund 2 Millionen Euro geförderte Forschungsprojekt ›Useful‹ soll Liefer- und andere Wirtschaftsverkehre analysieren und am Beispiel hannoverscher Stadtviertel in neue Lieferkonzepte münden lassen. Das Kürzel  steht für Untersuchung, Simulation und Evaluation für Urbane Logistik.

App-Entwicklung für Kommunen

Ziel ist eine auch für andere Kommunen nutzbare Web-Applikation als Entscheidungshilfe für zukunftssichere Logistikkonzepte in den Städten. Diese wollen die Partner innerhalb von drei Jahren entwickeln.

Sie liefert Daten für alternative Logistikkonzepte im Modellquartier. Am Beginn steht eine Analyse des Wirtschaftsverkehrs, verknüpft mit Daten zu Bevölkerungsstruktur, Verkehr und Umwelt. Unter anderem soll ein neues System für Verkehrsmanagement entstehen, das die Daten zusammenführt.

Lastenräder und E-Fahrzeuge

Außerdem sollen E-Mobil-Flotten im kommunalen und gewerblichen Bereich stärker und sichtbar eingesetzt werden. So will der Logistikkonzern Deutsche Post DHL in Kürze seine Lieferflotte in Teilen von Hannover auf eigens entwickelte Elektro-Fahrzeuge umstellen.

„Bereits heute stellen wir im Großraum Hannover Postsendungen mit 185 E-Bikes und 85 E-Trikes ohne lokale Emissionen zu. Mit unseren Streetscootern gestalten wir die Paketzustellung im Interesse unserer Kunden und der Einwohner klimafreundlicher und leiser“, so Uwe Völker, Leiter des Regionalen Geschäftsbereichs Betrieb Nord der Deutsche Post DHL Group.

Hannovers Stadtwerke Enercity schaffen für DHL die Ladeinfrastruktur. „Die Initiative Urbane Logistik ist für uns besonders wichtig, denn insbesondere für das Kundensegment der Logistikunternehmen wie DHL, aber auch anderer Unternehmen mit gewerblichen Flotten, wollen wir die richtigen Lösungen rund um das Thema Mobilität anbieten", sagt Enercity-Vorstandsvorsitzende Dr. Susanna Zapreva.

"Darüber hinaus werden wir auch beginnen, unseren eigenen Fuhrpark auf elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge umzustellen.“ 

Pilotquartiere

Zur Jahreswende 2017/18 will die Landeshauptstadt Pilotquartiere für das Modellprojekt benennen. Hier sollen die Bevölkerungsstruktur und ihre Bedürfnisse, Verkehrsströme und ihre Auswirkungen auf die Umwelt exemplarisch untersucht werden.

Die Partner wollen neue Konzepte zum Wirtschaftsverkehr  simulieren und in einem Realversuch im sogenannten Living Lab erproben, insbesondere im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit, Verlässlichkeit, Umweltfreundlichkeit und Akzeptanz. „In der Simulation können wir innovative Konzepte prüfen, bevor sie auf die Straße kommen. Wenn Amazon in Hannover Express liefert, möchten wir die Auswirkungen durchrechnen“, erläutert Prof. Dr. Christoph von Viebahn Projektleiter Urbane Logistik von der Hochschule Hannover.

Im Frühsommer 2018 ist eine Bürgerbefragung geplant. Einstellungen und Meinungen der Bevölkerung zur aktuellen Situation und zu möglichen Veränderungen sollen bereits in der Konzeptphase einfließen.

Es gehe auch darum, neue Produkte zu entwickeln und so den Marktanteil schadstofffreier Fahrzeuge in Hannover zu steigern, teilt Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover weiter mit.

Partner der Projektinitiative

Ins Leben gerufen haben die Projektinitiative aus Stadt, Wirtschaft und Wissenschaft Oberbürgermeister Stefan Schostok und Dr. Eckhard Scholz, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN).

Als Partner im Lenkungskreis vertreten sind neben der Landeshauptstadt und VWN bislang Deutsche Post DHL, Enercity, die Leibniz Universität Hannover, die Hochschule Hannover, das Niedersächsische Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF) an der Technischen Universität Braunschweig und das Land Niedersachsen.

Das NFF ist im Projekt an der Entwicklung von innovativen Logistikkonzepten und der Untersuchung ihrer Wirkungen beteiligt. Hierfür wollen die Forscher eine Verkehrssimulation mit Open Source-Software aufbauen. Sie wollen ein Modell der Stadt Hannover generieren, um die entwickelten Logistikkonzepte zu untersuchen und damit die verkehrs- und umweltrelevanten Auswirkungen abschätzen zu können.

Die Simulationsergebnisse fließen abschließend in ein webbasiertes Informationssystem ein, das Entscheidungsträger in Kommunen und Gemeinden sowie bei Gewerbetreibenden oder Unternehmen bei der Auswahl und Bewertung urbaner Logistikkonzepte unterstützen soll.

„Wir müssen uns in den Städten heute neuen Herausforderungen stellen: Eine wachsende Bevölkerung, Digitalisierung, Online-Handel und Luftreinehalte-Gebote erfordern neue innovative Lösungen, damit unsere Städte lebenswert bleiben“, sagt Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok.

 Hannover gehe hier voran. „Wir haben am Standort Hannover mit unseren starken und innovativen Partnern alle Voraussetzungen. Für die Zukunft der Mobilität in unserer Stadt spielt der Lieferverkehr eine zentrale Rolle.“

 

Im Internet ist die Projektinitiative unter www.urbane-logistik-hannover.de präsent.