Pensionen und Rückbau: Können die Stromkonzerne beides leisten?

1 Antwort bitte > Thomas Jorberg

Die großen Stromkonzerne sind in den letzten Jahren mit Volldampf in eine Sackgasse geraten. Sie sitzen auf zentralen Strukturen mit Großkraftwerken und haben sich nicht genügend auf regenerative Energieerzeugungsanlagen, intelligente Steuerung und Speicherungstechnologien ausgerichtet.

27. Oktober 2015

Außerdem zeigt eine Analyse der Jahresabschlüsse extrem hohe Belastungen durch den Rückbau von Kraftwerken sowie durch Pensionszahlungen. Diese Lasten sind nur unzureichend in den Rückstellungen berücksichtigt. Die zukünftigen Kosten dürften zu niedrig und die Abzinsungssätze, mit denen die Belastungen heruntergerechnet wurden, viel zu hoch angesetzt sein. Die Pensionszusagen sowie die Rückstellungen für Atomkraftwerke und andere Kraftwerke betragen rund 100 Mrd. €. Verschiedene Gutachten beschäftigen sich damit, ob diese Rückstellungen überhaupt ausreichen. Selbst wenn diese ausreichen sollten, stellt sich die Frage, ob die zukünftigen Erlöse aus den Geldanlagen und insbesondere aus den Investitionen, die die Stromkonzerne getätigt haben, den Verpflichtungen zum Rückbau und für die Pensionszahlungen genügen.

Im Nachhinein wird sich vermutlich herausstellen, dass die in den vergangenen Jahrzehnten betriebenen Kraftwerke auf lange Sicht erheblich teurer waren als im Strompreis kalkuliert. Ganz abgesehen von den nach wie vor nicht berücksichtigten Umwelteffekten könnte sich herausstellen, dass der Strom der Vergangenheit faktisch deutlich teurer war als der PV- und Windstrom der Zukunft.

Die zu hohen und von den Konzernen nicht tragbaren Lasten vergangener Jahre müssen voraussichtlich vom Steuerzahler getragen werden. Dies sollten die Konzerne offen und ehrlich kommunizieren. Die Schäden werden den Steuerzahler direkt und indirekt treffen.

Viele Kommunen, Stadtwerke und Bundesländer halten Aktien der Stromkonzerne. Deren Werthaltigkeit wird fraglich, die Gewinnausschüttung voraussichtlich unmöglich werden. Eine Analyse der Belastungen und Leistungsfähigkeit ist notwendig. Aus dieser Analyse wird eine sicherlich schmerzhafte Lösung für den Steuerzahler zu finden sein. Wichtig ist dabei, nicht zu verwechseln, dass die Energiewende und die regenerativen Energien die Lösung für die Zukunft sind und nicht die Ursache.

Erschienen in Ausgabe: 09/2015