Pipeline soll Schubschiffe ersetzen

Mittelplate-Konsortium will Ölförderung beschleunigen

Statt Tankern sollen nun zwei Pipelines das Öl vom Feld Mittelplate transportieren. So ließe sich die jährliche Produktionsmenge bei Deutschlands größtem Erdölvorkommen steigern und gleichzeitig die Umwelt schonen, so das Förderkonsortium RWE Dea/Wintershall.

16. Februar 2003

Die Ölförderung aus dem mit Abstand größten deutschen Erdölvorkommen Mittelplate vor der Westküste Schleswig-Holsteins will das Förderkonsortium RWE Dea AG/Wintershall AG optimieren und zeitlich verkürzen. Die Auswertungen der seismischen Untersuchungen aus dem Jahr 2001 und Erkenntnisse aus weiteren Bohrungen lassen erwarten, dass die förderbaren Reserven des Ölfeldes statt der bisher angenommenen rund 35 Mio. t über 60 Mio. t Öl betragen. Die Ausförderung dieses weit höheren Reservenpotenzials würde mit dem bestehenden Bohr-, Förder- und Transportkonzept noch etliche Jahrzehnte erfordern.

Vertreter der Betreiberunternehmen stellten ein Konzept vor, dessen Ziel es ist, die Förderkapazität nachhaltig weiter zu steigern und die höheren Reserven bei gleichzeitig verkürzter Förderdauer wirtschaftlich zu nutzen. Geplant ist eine Pipeline-Anbindung der Bohr- und Förderinsel Mittelplate an die Aufbereitungsanlagen der Landstation Dieksand in Friedrichskoog. Damit ließen sich die Transportkapazitäten des Offshore-Betriebs beträchtlich erweitern. Bisher begrenzt der tiden- und wetterabhängige Schiffsverkehr nach Brunsbüttel den Abtransport der geförderten Ölmengen auf 800.000 t/a.

Dem kurzfristigen Eingriff in die Natur während der geplanten Verlegung von zwei etwa 7,5 km langen Pipelines durchs Wattenmeer steht der ökologische Gesamtnutzen gegenüber: Jährlich könnten rund 1.000 Öltransporte mit den eingesetzten speziellen Schubverbänden entfallen. Die Umweltbilanz verbessert sich trotz höherer Produktion mit dem zusätzlichen Nutzen einer Verkürzung der Gesamtförderdauer um rund zehn Jahre mit entsprechend früherem Rückbau aus dem Wattenmeer.

Auf der Bohr- und Förderinsel Mittelplate verläuft der Betrieb seit Förderbeginn 1987 störungsfrei. Bis Juni 2002 wurden von der Anlage fast 7 Mio. t Öl gefördert und mit Öltransport-Leichtern ohne Zwischenfall zum Hafen Brunsbüttel verschifft. Der Offshore-Bohr- und Förderbetrieb erschließt den westlichen größeren Teil des Ölfeldes, der von Land aus nicht erreichbar ist. Das Konsortium möchte die derzeitige limitierte jährliche Fördermenge mit der Transportmöglichkeit durch eine Pipeline auf über 1,2 Mio. t anheben.

Auch die Arbeitsprozesse der Mitte 2000 aufgenommenen Ölförderung von Land aus verliefen reibungslos. Die Fördermenge der bisherigen Landerschließung summiert sich auf knapp 1,8 Mio. t Öl. Das Förderniveau der nächsten Jahre soll jährlich rund 1 Mio. t betragen. Eine raffineriefertige Aufbereitung der Gesamtfördermengen ist auf der Landstation Dieksand vorgesehen. Es besteht auch eine ausreichend dimensionierte Pipelineverbindung nach Brunsbüttel mit Anschlüssen zu den Abnehmern.

Die integrierte Offshore- und Onshore-Entwicklung hat sich bewährt und zu einer schnelleren Ausförderung des Ölvorkommens beigetragen. Von Land aus erreichbare östliche Lagerstättenteile entwickelt das Konsortium unverändert weiter mit weit abgelenkten High-Tech-Horizontalbohrungen; zur Ausförderung der weiteren Teile des Ölfeldes wird das Bohr- und Förderprogramm auf der Insel fortgesetzt. Durch den seit Mitte 2000 bestehenden Offshore- und Onshore-Verbund sind die Strukturen und Voraussetzungen für die Pipeline-Anbindung der Insel an die Aufbereitungsanlagen der Landstation Dieksand geschaffen.

Für die zügige Ausförderung des Ölfeldes in Verknüpfung mit einer Pipeline-Anbindung stellt das Mittelplate Konsortium Finanzmittel in Höhe von rund 100 Mio. € bereit. Das Land Schleswig-Holstein profitiert unter anderem bei gesteigerter Fördermenge von entsprechend höheren Förderabgaben; für Natureingriffe bei der Pipeline-Verlegung sind die bei derartigen Projekten üblichen Ausgleichsmaßnahmen vorzunehmen.

Erschienen in Ausgabe: 10/2002