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Kommune – Barcelona nutzt eine Automatisierungslösung, um datenbasiert kommunale Services zu verbessern wie das Straßenlicht und die U-Bahn. Deutsche Kommunen ahmen nach.

25. März 2019
Aerial panoramic cityscape view of Paris, France with La Defense

Straßenlaternen müssen nur brennen, wenn Fußgänger oder Radfahrer unterwegs sind. Deshalb wurden in Barcelona vor einigen Jahren mehr als 1.100 Straßenlaternen auf energiesparende LED-Leuchten umgerüstet und mit Sensoren ausgestattet. Diese melden der Lichtsteuerung in den Laternenmasten, wenn Fußgänger in der Nähe sind, daraufhin wird die Helligkeit der Leuchten erhöht. Sobald niemand unterwegs ist, wird die Beleuchtung wieder heruntergedimmt. Dank dieser Maßnahmen ist es der spanischen Stadt gelungen, ihren Stromverbrauch um rund 30 Prozent, also fast ein Drittel, zu reduzieren.

Auch in der Verkehrsplanung setzt Barcelona auf innovative Konzepte: Intelligente Parkleitsysteme ermitteln über im Asphalt angebrachte Sensoren die Auslastung von Parkplätzen und weisen die Autofahrer auf freie Parkplätze hin. Die Vernetzung von Ampeln und Fahrzeugen sorgt für einen optimierten Verkehrsfluss und vermeidet Staus. Und in den städtischen Parks messen Sensoren die Feuchtigkeit des Bodens.

Auf Basis der auf diese Weise gesammelten Daten sowie anhand der Wetterlage wird auch die städtische Bewässerung gesteuert. Sogar die Mülltonnen sind mit Sensoren ausgestattet. Diese erfassen Füllstand und Geruchsentwicklung und melden bei einer Überschreitung der Grenzwerte dem zentralen Leitsystem, dass die Tonnen geleert werden müssen.

Optimierung auf Basis von Nutzerdaten

Barcelona ist Vorreiter in Sachen Smart City, einem Konzept, bei dem wichtige Funktionen einer Stadt, wie die Energieversorgung oder die Verkehrsplanung, intelligent vernetzt werden. Dadurch lassen sich Nutzungsdaten erfassen und analysieren und Prozesse auf Basis der Ergebnisse optimieren. Eine intelligente Methode, um die Stadt effizienter, umweltfreundlicher und sicherer zu gestalten.

Der Bedarf an solchen Lösungen ist enorm. Im Jahr 2050 werden zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Daraus ergeben sich völlig neue Herausforderungen. Mehr Menschen in der Stadt benötigen mehr Energie und mehr Ressourcen. Sie brauchen ein öffentliches Nahverkehrsnetz, das dem massiven Bevölkerungszuwachs standhält. Gleichzeitig müssen die Großstädte vor dem Verkehrskollaps bewahrt und die Emissionen begrenzt werden.

Bereits heute entfallen drei Viertel des weltweiten Energiebedarfs und der CO2-Emissionen auf Städte. Aber nicht nur im Sinne des Klimaschutzes braucht es effiziente Lösungen. Es ist zudem sehr wichtig, dass die Städte für ihre Bewohner auch bezahlbar und lebenswert bleiben.

Bislang nur wenig smarte Ansätze in Deutschland

Hierzulande gibt es ebenfalls erste Projekte für den Einsatz intelligenter Technologien. Ein Beispiel ist das Labor für Smart-City-Visionen in Berlin. Rund 100 Unternehmen und Institutionen entwickeln hier Lösungen für nachhaltige Energieversorgung, autonome Mobilität und digitale Vernetzung. In Frankfurt soll der Energieverbrauch bis 2050 um 50 Prozent reduziert und die Energieversorgung zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Auch in Sachen Mobilität sind intelligente Lösungen auf dem Vormarsch.

So arbeiten die hessischen Kommunen Rüsselsheim, Raunheim und Kelsterbach an einer Smart-Parking-Lösung, bei der in den Asphalt integrierte Sensoren freie Plätze an eine App senden. In Aachen läuft ein ähnliches Projekt. Umgesetzt werden diese mit der Software Zenon von Copa-Data.

Beim wichtigen Zukunftsthema autonomes Fahren haben Berlin und München bereits ausgewählte Teststrecken für fahrerlose Robotertaxis freigegeben. Allerdings wird es noch dauern, bis solche Fahrzeuge als Alternativen zum privaten Pkw in der Stadt dienen können. Viele technische sowie sicherheitsrelevante und ethische Fragen sind noch ungelöst. Wegen fehlender Lademöglichkeiten kommt die E-Mobilität schwer in die Gänge. Hier gibt es zwar Vorzeigeprojekte wie das »Frankfurter Modell«, das Stromtanken im öffentlichen Raum ohne vorherige Zulassung durch den Stromanbieter ermöglicht. Wie bei den smarten Technologien beschränkt sich das Engagement jedoch auf punktuelle Projekte. Es fehlen flächendeckende und konsequente Ansätze für einen wirklichen Paradigmenwechsel.

Andreas Zerlett, Copa-Data

Erschienen in Ausgabe: 02/2019
Seite: 60 bis 61