Pools leben auf

Renaissance regionaler Stromeinkaufsringe

Der Anstieg der Energiepreise führt zu einer spürbaren Verunsicherung vieler Unternehmen beim Abschluss neuer Stromlieferkonditionen. Gerade heute haben Mittelständler häufig Probleme, im verkäufergeprägten Strommarkt ausreichend Angebote zu bekommen. Ein Gegenmittel sind Einkaufsringe.

11. Oktober 2004

Bereits im Jahr 1998 hat der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) gemeinsam mit der Energie Consulting GmbH (Kehl am Rhein) den so genannten Frankfurter Stromeinkaufsring ins Leben gerufen. Nach und nach entstanden bundesweit zahlreiche Gemeinschaften, die den teilnehmenden Betrieben eine schnellere und meist auch umfangreichere Partizipation an den - damals kundenseitig positiven - Marktentwicklungen erlaubte. Trotz aller individuellen Erfolge profitierten diese Pools damals auch von der Markttendenz.

Die vorteilhafte Entwicklung dieser Gemeinschaften ließ zeitweise den Eindruck entstehen, dass um so bessere Einkaufskonditionen erzielt werden könnten, je größer das summierte Abnahmevolumen ist. So schossen Rahmenvertragsabkommen in den Jahren 1999 und 2000, oft mit bundesweitem Charakter, wie Pilze aus dem Boden. Viel hilft viel, könnte man meinen.

Die Halbwertszeit dieser Idee war tatsächlich jedoch sehr kurz. So wendete sich bereits im Verlaufe des Jahres 2001 das Blatt: aus A-Kunden wurden beispielsweise bei Filialisten plötzlich C-Kunden: viel Aufwand und kein Gewinn, also kein nachhaltiges Modell aus Sicht der Energiewirtschaft.

Jedoch daraus den Schluss abzuleiten, dass die Zeiten der Poolbildung passé seien, ist zugleich falsch. Vielmehr fand ähnlich wie in der Lieferantenlandschaft eine Bereinigung zwischen erfolgreichen und nicht zukunftsfähigen Konzepten statt.

So betreut heute beispielsweise alleine die Energie Consulting (ECG) erfolgreich über 30 regionale Stromeinkaufsringe mit in Summe über 800 teilnehmenden Unternehmen. Diese Gemeinschaften wachsen trotz (oder wegen?) einer Entwicklung zum eher oligopolistisch geprägten Verkäufermarkt stetig weiter. Worin liegt das Erfolgsrezept dieser Stromeinkaufsringe?

Kleine und mittelständische Unternehmen haben im heute verkäufergeprägten Strommarkt zunehmend Probleme in ausreichender Anzahl Wettbewerbsangebote zur Strombelieferung zu erhalten. Dazu kommt der Umstand, dass vorgelegte Lieferangebote oft Standardkalkulationsmodellen der Versorger entspringen und unterhalb bestimmter Mengen- oder Strukturgrenzen individuell ausgehandelte Preise meist verwehrt bleiben. In diesem schwierigen Umfeld helfen Stromeinkaufsringe, bei möglichen Lieferanten Interesse zu wecken, Angebote zu erstellen und diese attraktiv zu gestalten.

Ein wichtiger Aspekt, welcher regionalen Einkaufsringen vorbehalten ist, besteht im Bestreben regionaler und insbesondere lokaler Energieversorgungsunternehmen, Bestandskunden zu sichern. In Strompreisverhandlungen droht solchen Lieferanten aufgrund der Anzahl der am Ring teilnehmenden Betriebe natürlich ein ungleich größerer potenzieller Kunden- und Umsatzverlust.

Umgekehrt reizt externe bzw. neue Stromlieferanten die Möglichkeit, mit relativ wenig Vertriebsaufwand eine größere Gruppe von Unternehmen auf einen Schlag als Neukunden gewinnen zu können. Hierbei steigert der Umstand, dass die Wechselhäufigkeit innerhalb von Stromeinkaufsringen erfahrungsgemäß deutlich höher ausfällt als im Gesamtmarkt, sicherlich zusätzlich die Motivation der Anbieter.

Für kleinere Stromlieferanten besteht darüber hinaus die Möglichkeit, durch zeitgleiche Addition der Einzelabnahmeprofile vorhandene oder neue Bilanzkreise strukturell zu verbessern - was im Ergebnis für belieferte Kunden bessere Preise ermöglicht.

Regelmäßiges Controlling der Abrechnungen

Für Industriebetriebe zählt neben diesen wirtschaftlichen Belangen auch die fachliche Unterstützung seitens eines unabhängigen Energieberaters.

Konkret äußert sich dies in einem reduzierten betriebsinternen Aufwand, einem verbesserten Marktüberblick und einem Know-how-Transfer zu aktuellen bzw. neuen Marktentwicklungen und bei Veränderungen administrativer Art - hier sei nur an Sonderregelungen bei Umlagen und Energiesteuern erinnert.

Als weiteren Pluspunkt umfasst die Dienstleistung des Beraters ein regelmäßiges Controlling der entsprechenden Energieabrechnungen. Dadurch werden unkorrekte Abrechnungen vermieden und eine Basis für ggf. mögliche Lastoptimierungen geschaffen.

Die seitens ECG betreuten Stromeinkaufsringe bieten sich in erster Linie für alle Sondervertragskunden mit einem jährlichen Strombedarf von 0,1 bis 20 Mio. kWh an. Diese Gemeinschaften bestehen aus je fünf bis zu über 100 einzelnen Stromabnehmern mit einem Gesamtenergiebedarf zwischen 10 und rund 150 Mio. kWh p.a. Interessierte Betriebe können im Internet unter www.energie-consulting.com eine Übersichtskarte mit den bestehenden Stromeinkaufsringen abrufen.

Erschienen in Ausgabe: 10/2004