Portfolio-Management

SOFTWAREÜBERBLICK - Die Tipps von Bernd Adolph, Leiter Energieeinkauf bei der Ulmer Energie Plus GmbH, zum Portfolio-Management (PM) klingen einfach: „Man braucht ein gutes Prognose-Tool, Prozesswissen und eine Strategie.“ Doch warnt er: „So hoppla-hopp geht das nicht.“ Da ist es gut, wenn es Software-Helfer gibt. Unser Überblick zeigt, welche Tools auf dem Markt sind.

21. Februar 2006

Energie Plus stellt die Handels- und Servicegesellschaft der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm dar. Sie unterhält Kontakte zu rund 20 Energielieferanten und muss etwa zehn bis 15 Verträge über unterschiedliche Produkte verhandeln. Während etwa Händler und Banken stets ihre Verträge im Blick haben müssen, um günstig einkaufen und teuer verkaufen zu können, liege der Schwerpunkt des Portfolio-Managements (PM) bei Lieferanten auf der Optimierung der Absatzseite, erläutert Adolph.

Die Schwierigkeit bestehe darin, möglichst so viel Energie einzukaufen, wie tatsächlich verbraucht werde. So gehe es darum, die Absatzstruktur zu kennen, die Kundschaft zu segmentieren beziehungsweise Lastprofile auf einer Viertelstundenbasis zu erstellen, Fahrpläne zu erzeugen und auszutauschen, Bedarfsszenarien zu simulieren und die Prognosen mit dem tatsächlichen Verbrauch abzugleichen, um Einkaufsstrategien entwickeln und anpassen zu können, kurz: um Disposition und Optimierung. „Deregulierung verlangt einen strukturierten Einkauf, um sich vom Markt unabhängig zu machen. Doch wenn einer sagt, mit PM lasse sich eine zehnprozentige Verbesserung erreichen, ist das Quatsch“, so Adolph.

Trotz der ernüchternden Einschätzung von PM-Lösungen, lässt Chefeinkäufer Adolph keinen Zweifel an der Notwendigkeit eines solchen Systems aufkommen. Der Umfang alleine der historischen Daten oder der Zeitreihenverwaltung betrage rund drei Terabyte. Zudem flössen in die Bedarfsrechnung etwa Wetterdaten ein, in die Analyse Marktzahlen und Risikobetrachtungen, und die Beschaffung muss Spotmarktpreise, Regelenergie und Abweichungen berücksichtigen. Das lässt sich kaum mit Excel-Sheets bewältigen.

Dennoch sind laut Uwe Pagel von der EDNA-Initiative Excel und Access vielfach die alleinigen Mittel, wenn es um Energieeinkauf und -absatz gehe. Energie Plus bastelt derweil noch an einer besseren Integration in das Vertriebsmodul. Adolph möchte noch früher wissen, welche Produkte der Vertrieb verkauft. Umgekehrt sollten die Vermarkter ihre Aktivitäten auf die Beschaffungssituation ausrichten können.

Zudem wünscht sich der Prokurist nahtlose Anbindung ans Risiko-Management, so dass sich Limits und Event-Regeln definieren und nutzen lassen. Energie Plus gehört zu einer vergleichsweise jungen Klientel von dezidierten PM-Systemen. Das liege laut Pagel auch daran, dass die Softwarelösungen vor allem Händler adressierten, nicht jedoch Unternehmen, die an Endkunden lieferten.

Tatsächlich zeichnet sich jedoch ein differenziertes Bild bei der Befragung von neun Anbietern (siehe Tabelle). Der Markteintritt von Schleupen im Bereich PM indes signalisiert das rege Interesse der Kundschaft am Markt. Dafür spricht auch das Angebot der Kisters AG aus Aachen. Das Produkt ‚Belvis PFM’ gibt es erst seit Februar 2005, wurde aber bereits an zehn Kunden geliefert.

Fast alle Anbieter unterstützen mit ihrer Software eine Client-Server-Architektur, so auch die SIV AG, die das PM-System ‚Iopt’ der IRM AG aus Wien vermarktet. Die modulare Lösung unterstützt darüber hinaus eine mittels Citrix-Software Server-basierte Architektur. ‚Bofit’ bezeichnet das Portfolio-Optimierungsprodukt der Aachener Systemhaus und Ingenieursunternehmen GmbH, läuft auf Terminal-Servern unter Windows 2000/2003 und der X-Terminal-Software ‚Exeed 6.1’ unter SunOS auf dem Server und Windows 2000/XP sowie Solaris auf dem Client. Das Aktif-System ist nur unter Solaris 8 und 9 lauffähig, die Kisters-Datenbank- und Serverprozesse dagegen nicht nur auf Windows- und Unix-Servern sondern auch unter dem Open-Source-Betriebssystem Linux.

Bei Preisen zugeknöpft

Das könnte Auswirkungen auf den Preis haben. Doch bei Nennung eines Preisrahmens, selbst bezogen auf Mindestkonfigurationen, zeigen sich fast alle Anbieter zugeknöpft. Alleine EUS und Delta Energy legen sich fest. 100.000 bis 250.000 € kostet es, die Software aus Basel einzuführen inklusive Lizenzgebühren für eigene und fremde Software, Implementierungs-, Beratungs- und Schulungskosten.

Der Aufwand für Wartung und Pflege liegt bei 18 % des Lizenzpreises pro Jahr. EUS legt den unteren Rahmen der Lizenzgebühren für die eigene Software VMO bei einem Einführungsprojekt auf 30.000 € fest. 10 bis 15 % müssen Anwender für einen Wartungsvertrag bezahlen und der Support schlägt jährlich mit rund 1.500 € zu Buche. Soptim beziffert die Wartungskosten mit 15 % des Lizenzpreises. Installation, Schulung und Aufbau des Erstdatenbestands dauert ein bis zwei Wochen. Neben Implementierung, Schulung und Support bestimmt auch die Release-Politik eines Herstellers den Aufwand, den ein Portfolio-System verursacht. Procom, SIV/IRM und Delta Energy erstellen ein bis zwei Releases pro Jahr, EUS bietet Updates und Upgrades optional an, Endanet viermal pro Jahr, Soptim-Kunden dürfen mindestens ein bis zweimal jährlich mit neuen Releases rechnen, Aktif-Kunden zweimal, Kisters-Kunden mit zwei Upgrades und mehreren Updates.

Die zumeist vagen Preisangaben unterstreichen den Projektcharakter, den Portfolio-Software noch hat. So tun sich die Anbieter etwa schwer mit Standardschnittstellen zu Fremdprodukten. Vielmehr betonen sie den integrierten Charakter wie SIV/IRM und Kisters oder die Integration mit den Produkten eines Partnerunternehmens wie Soptim (PMS) und Procom (Bofit). Die Ausnahme bilden Aktif und Endanet GmbH, Erfurt.

Der erste Hersteller wirbt mit Interfaces zu SAP IS-U, Schleupen, SIV, Zfa (Görlitz Fröschl), OCR-Lösungen und CRM-Systemen, und die Erfurter mit einer Integration „in Sonderfällen“ in Data-Warehouse-Lösungen, sowie mit Interfaces zum Billing in SAP R/3 und GAS-X, EDM von Kisters und SAT Prophet, zum Fahrplan-Management von Aktif und zum Transportsystem der PSI AG. Bei Schleupen heißt es: „Die Schnittstellen sind so gebaut, dass nach Bedarf auch Fremdsysteme angekoppelt werden können.“

Den Wert einer Lösung bestimmen zudem auch die Informationen, die sich mittels Reports und Ad-hoc-Auswertungen gewinnen lassen. So gehören etwa zur Mindestkonfiguration der Aktif-Lösung ein Reporting- und ein Statistik-Modul. Damit soll man Standardberichte individuell anpassen können.

Auch das Schleupen-Produkt verfügt über ein eigenes Reporting-Werkzeug für die strukturierte Erstellung von Ad-hoc-Auswertungen, Standardberichten und Web-Reports. Soptim hält einige Standard-Berichte auf Basis von Chrystal-Reports auf Lager. Endanet wartet mit Standardreports, Dashboards und einer energiehandelsspezifischen Semantik für das Ad-hoc-Reporting für ‚BusinessIntelligence XI’ von Business Objects auf.

Schließlich entscheidet bei der Auswahl einer Software gerade bei mittleren und kleineren Unternehmen der Kontakt zum Anbieter oder dessen Partner. Bei dem 41-Mitarbeiter-Unternehmen Delta Energy Solution kommen „Consulting, Implementierung, Training und Wartung aus einer Hand“. Auch Soptim, mit 120 Mitarbeitern, arbeitet ohne Partner. Schleupen hingegen sind Visos AG, die Visos GmbH und Process Vison als Partnerunternehmen lieb und teuer.

Die IVU Informationssysteme GmbH Norderstedt und die Tebo GmbH, Duisburg, sind die Partner von Kisters. Bofit bekommen Interessenten etwa von ABB und VMO von der IDS GmbH und die Endanet-Software von der Dachs GmbH, Carl Kliem Energy GmbH und VA Tech SAT GmbH.

Ulrike Ostler

Erschienen in Ausgabe: 01/2006