Portfoliomanagement in Light-Version

Erdgas Die klassische Vollversorgung lässt sich heute in Commodity, Transport und Struktur zerlegen. RWE Key Account bietet hier für die Industrie Speziallösungen an, inklusive eines webbasierten Energiemanagement-Tools.

09. September 2008

Gerade in den letzten Monaten haben sich erste Veränderungen am Gasmarkt abgezeichnet, die eine Portfoliobeschaffung erleichtern und besonders für Größtabnehmer im Industriekunden-Segment attraktiv machen. Dafür ist die detaillierte Erfassung der jeweiligen Bedarfssituation und deren Spiegelung an den gegebenen Möglichkeiten des Marktes erforderlich. Der Gasbedarf eines Unternehmens ist in drei Komponenten zu zerlegen: die Commodity in Form einer Erdgasmenge, den Transport vom Einkaufs- zum Verbrauchspunkt sowie die zeitliche Strukturierung, also im Wesentlichen die Gasspeicherung. Unternehmen, die intensiv Portfoliomanagement betreiben, müssen alle drei Komponenten organisieren, wobei sie es mit jeweils unterschiedlichen Marktstrukturen zu tun haben: Die Commodity-Produkte werden an unterschiedlichen Handelsplätzen umgesetzt, wobei der Entwicklungsstand der einzelnen Marktgebiete sehr unterschiedlich ist. Besonders der TTF (Title Transfer Facility) hat sich als Benchmark etabliert. Der Erdgastransport hat sich mit Einführung des 2-Vertrags-Modells drastisch vereinfacht und wird sich durch die Marktgebietereduzierung weiter vereinfachen. In allen modernen Gaslieferverträgen werden die Transportkosten ausgewiesen und back-to-back vom Netzbetreiber über den Gaslieferanten an den Endverbraucher weitergereicht. Auch der Antransport durch unterschiedliche Netzgebiete ist inzwischen nachvollziehbar und die Chancen auf Antransportkapazitäten sind nicht zuletzt dank der konsequenten Verfechtung des Rucksackprinzips durch die Bundesnetzagentur gestiegen. Eine eigenständige Antransportbuchung für einen Endverbraucher bleibt aber nur bei reinem Bandbezug sinnvoll, da nur so die gebuchte Kapazität voll ausgelastet wird. Sobald der Bandcharakter durch verbrauchsschwankungen reduziert wird, lohnt sich eine gemeinsame Buchung mit weiteren Transportkunden. Durch Gleichzeitigkeitseffekte reduziert sich dann die benötigte Entry-Leistung. Zudem vermindern sich die Prognoserisiken nach dem ab Oktober 2008 geltenden Regel- und Ausgleichsenergie-System.

Echte Mengenflexibilität

Meistens wird neben einem untertägigen Bilanzausgleich auch eine echte Mengenflexibilität benötigt. Diese wird nur sehr begrenzt durch den Netzbetreiber ausgeglichen und bedarf zusätzlich der Nutzung von Speichern oder flexiblen Beschaffungsverträgen. Eine zentrale Rolle für die finanzielle Bewertung des Strukturbedarfs ist die benötigte Leistung. Für einen Individual-Verbraucher entspricht diese Leistung der maximalen Gasmenge, die er innerhalb einer einzelnen Stunde des Jahres verbraucht.

Wird jedoch für ein Portfolio von Verbrauchern gebündelt Leistung eingekauft, richtet sich der Bedarf nach der Stunde, in der das Portfolio den höchsten Bedarf hat. Da die einzelnen Verbraucher zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihr Leistungsmaximum haben, ist die benötigte Leistung geringer, als die Summe der individuellen Leistungsbedürfnisse. Damit reduzieren sich für den Einzelnen die Strukturierungskosten.

Dieser Effekt wird durch zwei weitere Effekte verstärkt: Gemeinsam können Gasverbraucher stärker am Markt auftreten und daher zu günstigeren Konditionen Speicherscheiben einkaufen.

Die einfachste und effizienteste Art, von Portfolio-Effekten im Transport- und Strukturbereich zu profitieren, ist die Beschaffung der Abnahmeflexibilität bei einem etablierten Gasversorger. Diese können die Portfolio-Effekte ihres Kundenstammes heben und sind durch den auf Großkunden-Ebene bereits intensiven Wettbewerb dazu gezwungen, diese Vorteile an ihre Kunden weiterzugeben.

Der Gasbedarf der meisten Industrieunternehmen ist noch weit von einer Bandlieferung entfernt. Für diese Kunden hat RWE Key Account als Alternative zur Vollversorgung ein Portfoliomanagement light entwickelt, das dem Kunden die benötigte Abnahmeflexibilität verschafft. Grundlage ist eine Grundlastmenge, die zu beliebigen Zeitpunkten und zu transparenten Marktpreisen flexibel an Großhandelsmärkten beschafft wird. Die benötigte Flexibilität wird aus dem Portfolio von RWE bereitgestellt und lasse so »den Kunden über eine Ölpreisindexierung an der starken Einkaufsposition eines führenden deutschen Energieversorgers partizipieren«, betont der Essener Energiekonzern.

Unterstützend dafür hat RWE Key Account das internetbasierte Energiemanagement Tool ›View‹ entwickelt. Dies dient der Bedarfsanalyse und Visualisierung und unterstützt so beim Energieeinkauf. Alle relevanten Informationen werden dabei auf einer einzigen Oberfläche via Internet aufbereitet. So lässt sich ›View‹ jederzeit für die strukturierte Energiebeschaffung nutzen. Im Stromsektor hat sich das System seit Jahren bewährt. Im Bereich Gas ist ›View‹ nun auch auf moderne Vollversorgungsverträge und das Gasportfoliomanagement ausgelegt, betont das Unternehmen.

Erschienen in Ausgabe: 09/2008