Power to Gas in Haßfurt

In Haßfurt testen die Stadtwerke gemeinsam mit Greenpeace Energy eine Power-to-Gas-Anlage. Der reaktionsschnelle 1,25-MW-Elektrolyseur gehört zur neuesten Generation, teilt Greenpeace Energy mit. Neben dem Einsatz im Rahmen von Regelleistung testen die Partner zusammen mit einer Mälzerei auch, wie viel Wasserstoff das Erdgas-Netz verträgt.

08. September 2016

„Der klimafreundliche Umbau unserer Energieversorgung ist nicht nur eine zentrale Aufgabe für die Bundesregierung, auch die Kommunen können dazu einen wichtigen Beitrag leisten“, sagt Norbert Zösch, Geschäftsführer der Städtischen Betriebe Haßfurt.

„Wir erproben hier schon heute Elemente einer klimafreundlichen Zukunft: ein System aus erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarkraft sowie einem leistungsstarken Speicher. Beides zusammen garantiert die nötige Versorgungssicherheit für Privathaushalte ebenso wie für die Wirtschaft.“

10% Wasserstoff fürs BHKW

Den neuen Elektrolyseur betreiben der Kommunalversorger und der bundesweit aktive Ökoenergieanbieter Greenpeace Energy über die gemeinsame Windgas Haßfurt GmbH & Co. KG. Dabei testen die Partner unter anderem, wie hoch der Wasserstoffanteil im Gasnetz sein kann.

Technische Regeln beschränken ihn bislang auf 5%. Die nahe Mälzerei Weyermann erprobt in ihrem firmeneigenen Blockheizkraftwerk nun ein Gasgemisch mit 10% Wasserstoff und erzeugt daraus Strom und Wärme, heißt es in der Mitteilung weiter.

PEM-Elektrolyseur nutzt Windenergie

Der Testbetrieb des PEM-Elektrolyseurs (PEM = polymer electrolyte membrane) startete am 8. September. Die Anlage am Mainhafen wandelt überschüssigen Strom aus dem nahen Bürgerwindpark Sailershäuser Wald sowie aus weiteren Windenergie- und Solaranlagen in erneuerbaren Wasserstoff um.

Pro Jahr wird der containergroße Elektrolyseur 1 Mio.kWh des Gases für die 14.000 Pro-Windgas-Kunden von Greenpeace Energy ins Gasnetz einspeisen.

„Die Windgas-Technologie ist ein zentraler Baustein für das Gelingen der Energiewende“, sagt Greenpeace-Energy-Vorstand Nils Müller, „deshalb wollen wir mit den Erkenntnissen aus dem Betrieb unserer Anlage dazu beitragen, dieses Verfahren noch wirtschaftlicher zu machen und ihm so im großen Stil zum Durchbruch zu verhelfen.“ Mit Windgas bezeichnet das Unternehmen Power to Gas.

Funktionsprinzip

Wenn mehr erneuerbarer Strom produziert als verbraucht wird, kann er dazu verwendet werden, um per Elektrolyse Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufzuspalten.

Statt erneuerbare Kraftwerke wie bisher abzuschalten, wenn das Netz deren Energie nicht aufnehmen kann, können die Überschüsse künftig als erneuerbare Gase gespeichert werden – in Form von Wasserstoff oder Methan. Die Technologie nutzt das normale Gasnetz samt seinen unterirdischen Lagern als Speicher.