PPA: Mehr Kraft für Ökostrom

Europaweit wächst das Volumen von Strombezugsverträgen, so genannten PPA (Power Purchase Agreement). Dieses eröffnet Wind- oder Solarparkbetreibern durch direkt abgeschlossene Verträge neue Möglichkeiten. Jüngstes Beispiel dafür ist die Einigung zwischen Statkraft und Baywa re beim spanischen Solarpark Don Rodrigo. In einer Studie beleuchtet die HSH Nordbank das Potenzial.

13. April 2018

Immer mehr Unternehmen verfolgen Nachhaltigkeitsstrategien und wollen Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen beziehen, wie die Bank weiter mitteilt.

"Die Erneuerbare-Energien-Branche muss sich wegen deutlicher Kostensenkungen perspektivisch auf ein Auslaufen von staatlich garantierten Einspeisevergütungen einstellen. Direktabnahmeverträge mit Großkunden können eine langfristige Erlössicherheit sicher stellen", heißt es weiter.

Förderunabhängig durch PPA

Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit von Statkraft und Baywa re.

Mit dem Abschluss eines langjährigen Stromabnahmevertrags zwischen dem Projektierer und dem norwegischen Energiekonzern, steht der zügigen Realisierung des spanischen Solarparks Don Rodrigo nichts mehr im Wege, wie beide Unternehmen mitteilen. Man werde die Anlage voraussichtlich Ende des Jahres in Betrieb nehmen.

Das Projekt mit einer Gesamtleistung von über 170 MWp liegt südlich von Sevilla und sei europaweit eines der ersten Solarprojekte dieser Größe, das vollständig ohne staatliche Förderung auskommt. Möglich werde dies durch das mit einer Laufzeit von 15 Jahren in Spanien bisher einmalige Power Purchase Agreement (PPA). Zugleich markiert es den Eintritt von Statkraft als Anbieter von PPA in den spanischen Markt.

„Die Realisierung eines der ersten förderunabhängigen Solarprojekte dieser Größenordnung in Europa ist ein wegweisender Meilenstein – sowohl für uns als internationales Erneuerbare-Energien-Unternehmen als auch für die Zukunft des europäischen PV-Markts “, so Benedikt Ortmann, Geschäftsführer der Baywa re Solar Projects. „Dass wir solch ein Projekt komplett ohne staatliche Förderung umsetzen können, ist insbesondere der stetigen Optimierung der Systemkosten zu verdanken.“

Neue Finanzierungsmodelle

„Unser Projekt zeigt zugleich das große Potenzial von neuen Finanzierungsmodellen in einem sich wandelnden Marktumfeld“, so Matthias Taft, Energievorstand von Baywa.

„Mit Stromabnahmeverträgen sichern wir – wie bei Don Rodrigo – die langfristige Finanzierung von neuen Anlagen und ermöglichen damit den weiteren Ausbau von erneuerbaren Energien in Europa“, sagt Hallvard Granheim, Vorstandsmitglied für den Bereich Market Operations & IT von Statkraft.

„Statkraft bringt europaweit Stromerzeuger und Unternehmen aus Gewerbe und Industrie zusammen und entwickelt neue Konzepte, die einen Mehrwert für beide Seiten bieten.“

Hohe Wachstumsraten

„PPA gewinnen immer stärker an Bedeutung. Wir sind startklar, um unsere Kunden optimal zu begleiten, sobald dies auch die Rahmenbedingungen erlauben“, so Inka Klinger, Leiterin Energie & Logistik Vertrieb Deutschland der HSH Nordbank.

PPA werden aktuell vorwiegend von Großunternehmen genutzt, weil ihre Vertragsgestaltungen recht aufwendig sind, so die Bank weiter. „Ab 2021 werden PPA in Europa bei neuen EE-Projekten deutlich häufiger verwendet werden. Und auch aus Bestandsanlagen, die nach Ablauf ihrer Förderung weiter betrieben werden, erwächst in den nächsten Jahren zusätzliches Potenzial für den Abschluss von PPA mit kurzen Vertragslaufzeiten“, so Klinger

In ihrer Studie „Corporate PPA – Going Green“ untersucht die HSH Nordbank das Potenzial für PPA in Europa auch aus der Sicht des Finanzierers von EE-Projekten und stellt dar, wie die Strombezugsverträge zwischen EE-Produzent und endverbrauchendem Unternehmen funktionieren.

Die Wachstumsraten in dem noch jungen Marktsegment der PPA seien beeindruckend, teilt die Bank weiter mit: Demnach wurden 2017 in Europa Corporate PPA mit einem Volumen von 1,44 Gigawatt abgeschlossen – das sind knapp 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Verband Windpower Europe spreche von einer PPA-Revolution.

Deutschland noch benachteiligt

Die Ökostromvermarktung im Wege eines PPA ist in Deutschland aktuell gesetzlich noch benachteiligt, so die Bank. Denn hier müsse sämtlicher Strom über die Strombörse verkauft werden, um eine EEG-Förderung zu erhalten.

Bislang würden PPA-Verträge vor allem in Schweden, Norwegen, den Niederlanden und Großbritannien abgeschlossen. Doch die anstehende Neuregelung der EU-Richtlinie zur Förderung der erneuerbaren Energien solle die bestehenden Hemmnisse zur Direktvermarktung von Ökostrom mittels PPA in allen Mitgliedsstaaten ab 2021 beseitigen.