Preiserhöhung beim Klimaschutz

Eine Minderung der Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent bis 2050 ist grundsätzlich erreichbar. Das ergab eine Studie der Deutschen Energieagentur (Dena). Dies setzt aber deutlich weitergehende Maßnahmen als bisher voraus – und deutlich mehr Geld.

05. Juni 2018

Den Angaben zufolge vergleicht die ‚Leitstudie Integrierte Energiewende‘ für das Energiesystem in Deutschland Transformationspfade zur Erreichung der klimapolitischen Ziele bis 2050. Sie verfolgt einen sektorübergreifenden Szenarioansatz.

 

Erhöhte Anstrengungen in allen Sektoren

 

Eine Minderung der Treibhausgasemissionen um 80 Prozent und auch um 95 Prozent bis 2050 ist grundsätzlich erreichbar, heißt es. Dies setzt aber deutlich weiter gehende Maßnahmen als bisher geplant in allen Sektoren voraus.

 

„Selbst bei einer anspruchsvollen Fortschreibung aktueller Entwicklungen, beispielsweise beim Zubau der erneuerbaren Energien, würde nur eine Treibhausgasminderung von rund 62 Prozent im Jahr 2050 erreicht“, so die Dena in einer Mitteilung.

 

Da sich die möglichen Transformationspfade und damit verbundene Treibhausgasminderungen in den Sektoren bereits 2030 deutlich unterscheiden und der obere Rand des Korridors sehr weitreichende Strategien erfordert, muss in dieser Legislaturperiode eine Entscheidung zu den angestrebten Klimazielen fallen, heißt es.

 

„Nur so kann in den einzelnen Sektoren rechtzeitig die Entwicklung und breite Markteinführung der notwendigen neuen Technologien starten.“

 

 

Ein breiter Energieträgermix

 

Die in der Studie untersuchten Transformationspfade mit einem breiten Technologie- und Energieträgermix sind bis 2050 unter den getroffenen Annahmen um bis zu 600 Milliarden Euro kostengünstiger als solche, die verstärkt auf strombasierte Anwendungen setzen.

 

Laut Dena entstehen die geringsten Mehrkosten in dem Szenario, welches das 80-Prozent-Ziel in einem Energiesystem mit breitem Technologiemix erfüllt. Kumuliert bis zum Jahr 2050 belaufen sie sich auf etwa 1,2 Billionen Euro, heißt es.

 

„Am höchsten sind die Mehrkosten mit 2,2 Billionen Euro in dem Szenario, das das 95-Prozent-Ziel in einem Energiesystem mit einem hohen Grad an strombasierten Anwendungen in allen Sektoren erreicht“, so die Studienautoren.

Eine Nutzung der bestehenden Energieinfrastrukturen in ihrer Vielfalt ermöglicht bei diesen Pfaden flexiblere Lösungsansätze wie etwa das Aufgreifen von Technologieentwicklungen bis 2050, die heute noch nicht absehbar sind.

 

Ausbau und Integration Erneuerbarer forcieren

 

Den Angaben zufolge ist bis 2050 ein Nettozubau erneuerbarer Energien von durchschnittlich bis zu 8,5 Gigawatt jährlich (GW/a) erforderlich.

 

Dafür müssen der bestehende Ausbaukorridor erweitert und die benötigten Flächen in den Bundesländern auch wirklich zur Verfügung stehen.

 

Eine Weiterentwicklung von Marktdesign und Netzregulierung ist die Basis für eine optimierte Systemintegration erneuerbarer Energien regional und überregional.

 

Verkehrswende

 

„Die Elektrifizierung der Antriebe ist ein wesentlicher Treiber der Verkehrswende – aber nicht ihr einziger“, so die Studienautoren in der Executive Summary.

 

Ein entscheidender Hebel ist die Verringerung des spezifischen Energieverbrauchs der Verkehrsmittel, um den Energieverbrauch zu senken und den Anteil der erneuerbaren Energien im Verkehrssektor deutlich zu erhöhen.

 

Strom wie gasförmige und flüssige Kraftstoffe müssen perspektivisch zu 100 Prozent auf erneuerbaren Energieträgern basieren.

 

Parallel dazu sind neue Mobilitätsstrategien erforderlich, um den weiteren Anstieg der Verkehrsleistung zu bremsen und das Verkehrsaufkommen im besten Fall sogar absolut zu senken.

 

Verkehrs-, Energie- und IT-Infrastruktur müssen insgesamt deutlich intensiver über die Sektoren integriert geplant und die Abgaben- sowie Steuersystematik an den Energiewendezielen ausgerichtet werden.

 

An der Dena-Leitstudie Integrierte Energiewende hat unter anderem auch der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland (BID) mitgearbeitet.