Preisrallye am Kohlendioxid-Markt?

Am Emissionsrechtemarkt der EEX hat sich das Volumen im August mit 252,1 Mio. Tonnen CO2 nahezu verdreifacht. Insbesondere am Terminmarkt verzeichnete die EEX nach eigenen Angaben deutliche Zuwächse. Greift bereits die Reform des ETS-Handels in der EU, die im Mai beschlossen wurde?

04. September 2018

Bis Oktober 2019 muss die ETS-Neuregelung von allen EU-Ländern in nationales Recht umgesetzt werden.

Erstmals entfiel im August mehr als die Hälfte des Handelsvolumens auf den Handel mit EUA-Optionen (129,9 Mio. Tonnen CO2), so die EEX in einer Mitteilung. Das Volumen in EUA-Futures verdoppelte sich auf 72,3 Mio. Tonnen CO2 (August 2017: 36,8 Mio. Tonnen CO2).

Die Primärmarktauktionen trugen laut EEX 39,7 Mio. Tonnen CO2 zum Gesamtvolumen bei.

Preisrallye am CO2-Markt?

 

Laut dem Beratungsunternehmen Enervis hat sich seit Jahresbeginn der Preis für CO2-Zertifikate für den Lieferzeitpunkt Dezember 2018 nahezu verdreifacht (+180%). Er notierte Ende August bei knapp 22 €/t.

Auch die Frontjahresnotierungen nahmen die Hürde von 20 €/t. Der EU ETS scheint, infolge einer grundlegenden Reform Mitte des Jahres, als effizientes Klimaschutzinstrument wiederbelebt. Dies weckt Marktfantasien und befeuert Diskussionen um die Auswirkungen auf den Strommarkt und CO2-Minderungseffekte in Deutschland.

Laut Enervis hat die britische Denkfabrik Carbon Tracker im August eine Studie veröffentlicht, die über den Zeitraum 2019 bis 2023 einen CO2-Preis zwischen 35 und 40 €/t für möglich hält.

Enervis untersuchte daraufhin die Effekte einer solchen Preisentwicklung mit energiewirtschaftlichen Modellen.

Fuel Switch

»Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein Zertifikatepreis jenseits 35 €/t CO2 bereits kurzfristig zu einer grundlegenden Verschiebung der Stromerzeugungsstrukturen und zu spürbar geringeren CO2-Emissionen im Kraftwerkspark führen kann«, so Mirko Schlossarczyk von Enervis.

Bereits ab 35 €/t CO2 kommt es, bei gleichzeitig unterstellten aktuellen Gas- und Kohlenotierungen, zu einem Fuel Switch zwischen GuD und Steinkohlekraftwerken, heißt es.

GuD mit einem Wirkungsgrad größer 55% würden in der Merit-Order Steinkohlekraftwerke mit Wirkungsgraden kleiner 39% (bei 35 €/t CO2) bzw. kleiner 42% (bei 40 €/t CO2) verdrängen.

»Gegenüber einem Referenzszenario mit angenommenen aktuellen CO2-Futures reduziert sich infolgedessen die jährliche Stromerzeugung aus Stein- und Braunkohlekraftwerken zusammen um mehr als 30%.«

Allerdings erscheint eine kurz- und mittelfristige CO2-Preisentwicklung auf 40 €/t aus heutiger Sicht fundamental kaum nachvollziehbar, so die Enervis-Experten.

Zertifikateüberschuss

»Aktuelle Prognosen und Markteinschätzungen gehen davon aus, dass - trotz der angestoßenen ETS-Reformen - bis Ende der 2020er Jahre ein Zertifikateüberschuss existiert. In Verbindung mit dem weiteren EE-Ausbau und einem möglichen politisch indizierten Kohleausstiegspfad in Deutschland, deutet derzeit aus fundamentaler Sicht nichts auf massiv steigende CO2-Preise in Regionen um 40 €/t bis 2030 hin«, so Mirko Schlossarczyk.