Preisspannen auf einen Blick

Management

Netzentgelte - Regionale Unterschiede mit einer Preisspreizung um den Faktor15 erfordern genaue Analysen und deren Darstellung für Vertriebsaktivitäten.

02. September 2010

In Fremdnetzen tätige Energieanbieter sind zum Zwecke der eigenen wettbewerbsbezogenen Tarifkalkulation auf größtmögliche Preistransparenz bei den Transportkosten angewiesen. Die starken regionalen Preis-Unterschiede bei den Stromnetzentgelten erfordern dabei zwingend differenzierte Wirtschaftlichkeitsberechnungen im Hinblick auf laufende oder geplante Vertriebsaktivitäten: Auf der Mittelspannungsebene finden wir in Deutschland aktuell eine Preisspreizung um den Faktor15 vor.

Vor diesem Hintergrund erweist sich Geoinformationssoftware als nützlich, weil sie Preisentwicklungen auf einen Blick veranschaulicht und die Basis für erste Einschätzungen der aktuellen Kostenverhältnisse liefern kann. Ergebnisse von Analysen lassen sich in digitale Bild-Formate umwandeln und werden leicht kommunizierbar. Neben der Darstellung von ortsbezogenen Netzentgelten, Energiepreisen oder regionalen Deckungsbeiträgen ist auch grundsätzlich die Visualisierung von chronologischen Zeitreihen möglich.

Ein Beispiel: Eine für die Belieferung eines Betriebes mit 3.000.000kWh Jahresverbrauch (Mittelspannung) durchgeführte Veränderungsanalyse (Karte re.) verdeutlicht, dass im Jahr 2010 recht gegenläufige Entwicklungen bei den Netzbetreibern zu verzeichnen sind. So verbilligten sich Tarife in 375 Netzen, darunter in 95 um mehr als 10%. Besonders stark fielen die Abschläge in Leipzig mit –40,5% und im Gebiet der NRM Netzdienste Rhein-Main mit –20,6% aus.

Dem stehen Tarifanhebungen in 457 Netzen gegenüber. In 112 Leitungsverbünden stiegen die Durchleitungsgebühren um mehr als 10%, darunter unter anderem in den großen Regionalnetzen von E.on Hanse mit +11,9% oder envia Mitteldeutschland mit +12,8%.

In Summe heben sich Auf- und Abschläge fast gänzlich gegeneinander auf: Im Mittel über alle preisveränderten Netze stellen wir einen Kostenanstieg von einem Prozentpunkt gegenüber dem Jahr 2009 fest. In den übrigen 126 deutschen Mittelspannungsnetzen sind die Tarife seit über einem Jahr dagegen unverändert.

Aktuelles Gesamtbild wichtig

Ein aussagekräftiges Gesamtbild ergibt sich allerdings erst, wenn man die prozentualen Veränderungen in Beziehung zum aktuellen Status quo setzt. Denn nicht immer bringen massive Preisanpassungen auf Seiten eines Netzbetreibers es mit sich, dass sich dieser danach an einer der Extrempositionen des bundesweiten Transportkostenrankings befindet.

Ergänzen wir unsere chronologische Betrachtung also um einen aktuellen Preisvergleich mit Stichtag zum 1. September 2010, so stellen wir etwa fest, dass das Netz der Dresdener Drewag zwar um über 28% gegenüber dem Vorjahr teurer geworden ist, es im bundesweiten Vergleich dennoch im Mittelfeld rangiert.

Preisanalysen in der beschriebenen Art und Weise lassen sich mit den ene’t-Datenbanken für Endkundentarife und Netzentgelte vornehmen. Relativ komfortabel erfolgt dies unter Zuhilfenahme der ergänzenden Kalkulationsprogramme ›Net Preis‹ für die Datenbanken ›Endkundentarife Strom‹ und ›Endkundentarife Gas‹ sowie ›NetKalk‹ (Netznutzung Strom) oder ›NetGas‹ (Netznutzung Gas).

Für die im Fall der beiden Karten durchgeführte Analyse wurde die Software ›NetKalk‹ herangezogen. Deren neue Version 8.5 umfasst erstmals die Zuordnung von Netzen auch auf Ortsteile, Straßen und Hausnummern, sodass für jede Adresse eindeutig ein Netzbetreiber identifiziert werden kann.

Zudem werden bei Einzel- und Bündelkalkulationen die Messkosten getrennt nach Messstelle, Messung und Abrechnung angezeigt. Erweitert wurden auch die Differenzierungsoptionen bei Preisvergleichen und Veränderungsanalysen: Neben der laut Unternehmen effektiveren Eingrenzung von Postleitzahl-Bereichen ist nun die individuelle Anwahl und der Vergleich einzelner Netzbetreiber sowie eine Selektion nach Kreisen, Bundesländern und Regelzonen durchführbar. <

Peter Martin Schroer (ene´t)

VDE-Studie

Kosten anerkennen

Der Ausbau der Erneuerbaren zwingt zur Modernisierung des Stromnetzes. Eine Studie des Verbands der Elektrotechnik (VDE) kommt zu dem Ergebnis, dass zur schnellen Markteinführung von Innovationen neue Finanzierungsmodelle nötig sind. Die Autoren empfehlen, Kosten für innovative Technologien und Pilotinstallationen als Bestandteil des Netznutzungsentgeltes anzuerkennen. Die Beteiligung der Netzbetreiber an Forschungsprojekten beschleunige den Übergang zur kommerziellen Nutzung.

Erschienen in Ausgabe: 07/2010