Preussen Elektra ist wieder da

Die Atomanlagen des E.on-Konzerns werden nicht in die neue Gesellschaft Uniper ausgegliedert. Das beschloss der Aufsichtsrat nach Unternehmensangaben auf Vorschlag des Vorstands. Die AKW des Unternehmens sollen unter dem Namen Preussen Elektra geführt werden. Medienberichten zufolge reagiert das Unternehmen auf Druck aus der Politik. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel wollte notfalls per Gesetz sicherstellen, dass die AKW-Betreiber sich an den Kosten für Rückbau und Mülllagerung beteiligen.

10. September 2015

Proaktiv gehandelt

„Mit dieser Entscheidung beugen wir Risiken für die Umsetzung unserer Konzernstrategie vor. Denn wir können und wollen nicht auf etwaige politische Entscheidungen warten, die die Abspaltung von Uniper verzögern könnten“, sagte E.on-Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen laut einer Mitteilung.

Deshalb sei aktives Handeln geboten. Teyssen verwies auf die aktuelle Diskussion um die Gesetzesinitiative für ein Haftungsgesetz. Insbesondere das Risiko einer gesetzlich verankerten Entkopplung zwischen Haftung und unternehmerischem Einfluss sei nicht tragbar.

Haftung für Dritte ist Risiko

Ein verantwortungsvoller Vorstand könne seinen Eigentümern nicht vorschlagen, unbegrenzt für völlig unabhängiges Handeln einer anderen Gesellschaft zu haften. „In der globalen Wirtschaftswelt gibt es bei der Auftrennung von Eigentum kein vergleichbares Vorgehen für eine Haftungsregelung ohne Beschränkung von Dauer und Umfang. Dennoch will Deutschland diesen Sonderweg offenbar einschlagen“, betonte Teyssen.

Ein solches Gesetz wäre zwar voraussichtlich verfassungswidrig, aber einen jahrelangen Rechtsstreit könne das Unternehmen bei der geplanten Neuausrichtung nicht abwarten.

"Unsere Entscheidung ermöglicht den nötigen Freiraum, die Konzernstrategie und den laufenden Abspaltungsprozess im vorgesehenen Zeitrahmen umzusetzen. Damit schaffen wir gute Perspektiven für unsere Mitarbeiter und eine wertorientierte Neuaufstellung für unsere Eigentümer“, sagte Teyssen.

Gleichzeitig begegne das Unternehmen damit der in jüngster Zeit zunehmend zum Ausdruck gebrachten Sorge, das Unternehmen wolle sich der Verantwortung für die Kernenergie entledigen.

Preussen Elektra ist wieder da

Das Geschäft mit der Kernenergie wird künftig von einer gesonderten operativen Einheit mit dem Namen Preussen Elektra in Hannover gesteuert. Damit lebt ein früherer Unternehmensname wieder auf: Unter der Marke Preussen Elektra hatte VEBA Kernkraftwerke gebaut und betrieben. Preussen Elektra wird weitgehend nicht in die funktionalen Führungsstrukturen des Konzerns eingebunden, so das Unternehmen.

Auch wird E.on keine Produkte von Preussen Elektra den eigenen Kunden anbieten. „Der Verbleib der deutschen Kernenergie wird sich nicht auf die grundlegende strategische Neuausrichtung auswirken. Wir konzentrieren uns auf die neue Energiewelt."

Mehr als 2.000 Mitarbeiter betroffen

Rund 2.300 E.on-Mitarbeiter werden in Folge der Entscheidung nicht zu Uniper wechseln, so E.on.