Produktion optimiert - Preise eingefroren

Kälteversorgung für die pharmazeutische Industrie

Contracting als innovatives Dienstleistungspaket bietet Vorteile für beide Vertragspartner. Auf zunehmendes Interesse an diesem Modell stößt daher Infraserv Höchst mit der Division Energien bei ihren Kunden. Der Energiedienstleister bietet unter anderem Kälte, Wärme, technische Gase und Kühlwasser im Contracting an. Drei Großprojekte in der Kälteversorgung pharmazeutischer Anlagen hat Infraserv bereits verwirklicht.

13. Januar 2003

Pharmazeutische Anlagen haben oft einen erheblichen Energiebedarf. Sie benötigen nicht nur Strom und Wärme, sondern auch Kälte, damit Prozesse optimal ablaufen. Die Kälteversorgung eines solchen Prozesses ist technisch anspruchsvoll. Definierte Temperaturniveaus sind exakt einzuhalten und die Kältelieferung darf auch für Revisions- oder Instandhaltungszwecke nicht unterbrochen werden.

Die Division Energien der Infraserv GmbH & Co. Höchst KG mit Sitz im Industriepark Höchst, Frankfurt, hat bereits mehrere Anlagen zur Kälteversorgung von pharmazeutischen Prozessen realisiert. Zentrale Forderungen der Auftraggeber in allen Projekten waren eine hohe Versorgungssicherheit, eng einzuhaltende Temperaturfenster sowie ein kurzer Zeitraum vom Auftrag bis zur Inbetriebnahme. Zudem mussten die besonderen Qualitätsanforderungen einer pharmazeutischen Produktion berücksichtigt werden.

Als erstes Projekt wurde eine klassische Kompressionskälteanlage für die Aventis Pharma Deutschland realisiert: Das Unternehmen benötigte 8 MW Kälte für seinen Prozess zur Formulierung und Abfüllung eines Insulinprodukts in Ampullen. Die Vorlauftemperatur sollte 6 °C, die Rücklauftemperatur 12 °C betragen. Die Anlage konnte etwas mehr als ein halbes Jahr nach Auftragsvergabe in Betrieb genommen werden. Von der Diabel GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen von Aventis und Pfizer, erhielt Infraserv den Auftrag, etwa 3 MW Kälte für die Herstellung eines Insulinwirkstoffs bereitzustellen. Vorlauftemperatur hier 3 °C, Rücklauftemperatur 9 °C. Auch hier wurden Kälteanlagen mit der erforderlichen Redundanz eingesetzt.

Besondere Anforderungen stellte ein weiteres Projekt, die Kälteversorgung einer Anlage des Novartis-Unternehmens BC Biochemie. Der Prozess zur Herstellung eines Antibiotikum-Zwischenprodukts weist eine stark schwankende Abnahmecharakteristik auf. Bei Spitzenlast muss dreimal so viel Wärme abgeführt werden wie im Schwachlastbetrieb, um die gewünschte Vorlauftemperatur von 1 °C und eine Rücklauftemperatur von 8 °C einzuhalten.

Um die Leistungsspitzen zu realisieren, ohne eine entsprechend hohe und teure elektrische Anschlussleistung vorhalten zu müssen, lag eine Speicherlösung nahe. Da ein Eisspeicher dieser Größenordnung und mit schneller Entladecharakteristik kurzfristig nicht zur Verfügung stand, entschieden sich die Planer für einen im Industriepark Höchst seit langem bewährten Kälteträger: eine Kochsalzlösung bei -12 °C. Die Grundlast deckt eine Maschine mit Kaltsole und einer Temperatur von +1°C im Vorlauf. In Schwachlastphasen, wenn weniger Kälte benötigt wird, wird der Speicher mittels eines Teilstroms einer Kaltsole von -15 °C aus dem vorhandenen Solenetz wieder herunter gekühlt.

Die Kälteenergie wird von zwei Kältemaschinen erzeugt. Diese beiden Aggregate, die unterschiedliche Temperaturbereiche abdecken (+1°C für die Grundlast, -15°C für das Backup- und Speichersystem), gewährleisten die erforderliche Versorgungssicherheit.

Das Diabel-Projekt sowie die BC Biochemie-Anlage waren Aufträge für Neuanlagen. Anders verhielt es sich bei dem Ausbau der Aventis-Anlage: Er musste parallel zum laufenden Produktionsbetrieb erfolgen. Eine anspruchsvolle Aufgabe für die Spezialisten von Infraserv, weil während der Ausbauarbeiten die Sterilität in Teilbereichen der Produktion unbedingt gewährleistet sein musste.

Alle beschriebenen Projekte wurden auf der Basis von Contracting-Vereinbarungen realisiert. Infraserv als Contracting-Geber übernimmt die komplette Planung und Finanzierung sowie den Bau und den Betrieb der Anlagen und somit auch das Betreiberrisiko. Die Anlagen werden fernüberwacht, gewartet und instand gehalten. Ein 24-Stunden-Bereitschaftsdienst gewährleistet eine hohe Verfügbarkeit der Versorgung. Im Gegenzug zahlen die Contracting-Nehmer über eine definierte Vertragslaufzeit einen monatlichen Preis für die bereitgestellte Kälteleistung.

Die bisherigen Erfahrungen mit den Contracting-Lösungen werden von beiden Seiten durchweg positiv bewertet. Der Contracting-Geber hat seinerseits Interesse daran, die Kapital- und Betriebskosten zuverlässig zu kalkulieren und sie zum Beispiel durch eine effiziente Betriebsweise und eine optimale Ersatzteilhaltung gering zu halten. Für den Kunden liegen die Vorteile darin, dass sich für ihn die Komplexität der Prozesse reduziert, sie binden kein Personal und die Kosten bleiben für ihn kalkulierbar. Vor allem aber müssen die Unternehmen keine Investitionen im mehrstelligen Millionenbereich für die Kälteversorgung aufwenden.

Infraserv liefert dem Kunden ein maßgeschneidertes Dienstleistungspaket, das ihm eine sichere Energieversorgung gewährleistet. Das spezifische Know-how, das für die anlagentechnische Integration in einen pharmazeutischen Prozess gefordert wird, ist in der Division Energien der Infraserv aus ihrer langjährigen Tradition im ehemaligen Hoechst-Konzern vorhanden.

Infraserv verzeichnet daher auch zunehmendes Interesse der Kunden an dem innovativen Vertragsmodell. Der nächste Auftrag zum Kälte-Contracting ist schon unterschrieben. Für einen weiteren Prozessschritt der Antibiotikum-Produktion der BC Biochemie ist bis Mai 2002 eine 10-MW-Anlage zu realisieren.

Doch nicht nur Kälte gehört zum Contracting-Angebot. Auch Strom und Wärme, Druckluft, technische Gase, Kühlwasser und vollentsalztes oder hochreines (purified) Wasser liefert die Division Energien von Infraserv mittlerweile im Contracting.

Erschienen in Ausgabe: 04/2002