Prozess des Umdenkens

Management/Netze

Workforce - Die Anreizregulierung zwingt Netzbetreiber zur Effizienz und dazu, Prozesse zu optimieren. Die Stadtwerke Troisdorf starteten daher das Projekt ›Software Unterstützung Netze‹.

08. September 2009

Die Stadtwerke Troisdorf sind ein typisches Querverbundsunternehmen, das in allen vier Energiesparten aktiv ist – also Strom, Gas, Wasser und Wärme. Mit rund 850km Länge und 43.000 Zählern steht dabei das Leitungsnetz für Strom an erster Stelle, gefolgt vom Wasser- und vom Gasnetz. Diese steuern über ein 280 beziehungsweise ein 270km langes Leitungsnetz jeweils 17.000 Zähler an.

Dazu kommen 30 Nahwärmezentralen, rund 110 Heizungsanlagen in Ein- und Zweifamilienhäusern sowie ein Blockheizkraftwerk mit einer Gesamtfeuerleistung von 1,6MW. Auch Hallenbad, Straßenbeleuchtung, Kanalnetz, vier öffentliche Parkhäuser und das zwölf Kilometer lange Glasfasernetz fallen in den Zuständigkeitsbereich der Stadtwerke.

Für die Anreizregulierung war es notwendig, sich neu aufzustellen und die Effizienz zu steigern. Daher entwickelten die Stadtwerk zusammen mit ihrem Softwarepartner Schleupen das Projekt ›Software Unterstützung Netze‹ (SUN). Ziel war es, die Prozesse so zu unterstützen, dass die Betriebskosten spürbar gesenkt werden können. Und zwar im gesamten Bereich der Wartung und Instandhaltung von Anlagen und Netzen, aber auch bei der Beschaffung von Material und Dienstleistungen sowie bei der Personaleinsatzplanung und -steuerung.

Durch eine Standardisierung der Prozesse sollte aber nicht nur die Effizienz, sondern auch die Qualität gesteigert werden. Denn die Stadtwerke Troisdorf verfolgen eine offensive Strategie am Markt: Das Versorgungsgebiet soll künftig ausgeweitet, die Vertriebsaktivitäten neu ausgerichtet und das Dienstleistungsangebot deutlich erweitert werden.

Konsequente Integration

Vor Beginn des Projektes waren die Prozesse aufgrund der bestehenden Infrastruktur nur sehr schwer optimierbar. Das Unternehmen war geprägt durch eine heterogene Software-Landschaft im technischen Bereich. Die Soll-Prozesse waren nur lückenhaft oder zum Teil auch gar nicht ausgeprägt. Zwischen der technischen und der kaufmännischen Welt fehlten weitgehend die Verbindungen.

Dadurch entstand ein sehr hoher Zeitaufwand bei der Erfassung der Daten, viele Schnittstellen und Systembrüche behinderten den Informationsfluss zusätzlich. Das führte auch dazu, dass das Regulierungsmanagement – sprich: die Erfüllung der Informationspflichten gegenüber der Bundesnetzagentur – nur mit Klimmzügen umzusetzen war.

Diese Probleme sollten mit SUN durch die konsequente Integration aller Prozesse behoben werden. Grundlage dafür war die Einführung einer einheitlichen IT-Lösung für alle Prozesse und eine direkte Verknüpfung zwischen kaufmännischem und technischem Bereich.

Die Prozesse selbst sollten soweit wie möglich standardisiert, vereinfacht und optimiert werden. Gleichzeitig galt es aber auch, den Detaillierungsgrad bei den Daten zu erhöhen, um so eine transparente Informationsbasis einerseits für das Regulierungsmanagement zu schaffen, andererseits auch für eine strategische Unternehmensführung.

Die Wahl von Schleupen als Softwarepartner für das Projekt fiel nicht zuletzt, weil die Programmfamilie Schleupen.CS in der Lage war, einen Großteil der Anforderungen an eine integrierte Prozessgestaltung im Standard abzudecken.

Darüber hinaus hatten sich die Stadtwerke eine ganze Reihe von Zielen gesetzt, die noch nicht enthalten waren. Dazu gehörte etwa auch eine integrierte Projektverwaltung. »Wir wollten deswegen die Softwareentwicklung gemeinsam mit unserem Lieferanten aktiv vorantreiben und als Pilotanwender unsere praktischen Erfahrungen und Bedürfnisse direkt mit einbringen«, beschreibt Peter Blatzheim, Geschäftsführer bei den Stadtwerken Troisdorf, das Ziel.

Entsprechend detailliert waren die Vorarbeiten. Bereits 2006 begann das Unternehmen ein erstes Soll-Konzept zu erarbeiten. Parallel erfolgten eine Systemanalyse und die Klärung der kaufmännischen Details, bevor die Projektgruppe 2008 die Implementierung vorbereitete. Dazu gehörten auch umfangreiche System- und Funktionstests, denn auch die neu entwickelten Module mussten reibungslos mit den bestehenden zusammenspielen.

Am 1. Januar 2009 wurde es schließlich ernst: Mit dem Echtbetrieb in der Instandhaltung schaltete Troisdorf den ersten Kernprozess ›scharf‹. »Damit hatten wir den Prozess erfolgreich in Betrieb genommen, der die klassischen Kernaufgaben eines Netzbetreibers unterstützt«, sagt Blatzheim.

Erste Früchte spürbar

Schrittweise folgen nun die weiteren Prozesse. Als Nächstes sind die Kalkulation der Hausanschlüsse sowie der Neubau von Netzen und Anlagen geplant. Danach folgt mit dem pauschalisierten Hausanschluss das Standardgeschäft, bevor mit dem Störungs- und dem Dokumentenmanagement den Anforderungen an die Organisationssicherheit Rechnung getragen wird. »Auf diese Weise werden wir bis Herbst 2010 das gesamte Projekt abgeschlossen haben – ein gewaltiger Schritt«, so Blatzheim, »Denn das bedeutet nichts anderes, als dass wir unsere komplette Ablauforganisation auf die Herausforderungen ausgerichtet haben, die uns in den kommenden Jahren durch die Regulierung bevorstehen.«

Schon jetzt werden die ersten Früchte des Projektes spürbar. So sind bereits 65.000 Objekte in der Instandhaltung angelegt, 400 Tätigkeiten definiert und über 1.000 Aufträge erfasst. Heute arbeiten schon 20 Meister, Techniker und Ingenieure mit den Modulen für Instandhaltung, Arbeitsvorbereitung, Auftragsmanagement und Materialwirtschaft. 33 Monteure sind zudem über PDAs angebunden, sodass alle relevanten Informationen zeitnah im System zur Verfügung stehen. Zahlreiche weitere Ziele sind ebenfalls erreicht, wie etwa eine mandantenübergreifende Auftragsabrechnung, eine objektbezogene Kosten- und Tätigkeitsdokumentation oder eine abteilungsübergreifende Ressourcenplanung. Die Kosten und Sachdaten aller Betriebsaufträge stehen transparent zur Verfügung und auch die Personalkosten im Bereich der Arbeitsvorbereitung konnten bereits deutlich gesenkt werden. »Durch dieses Projekt hat aber auch auf allen Ebenen ein Prozess des Umdenkens eingesetzt, der dabei hilft, alte Zöpfe abzuschneiden. Denn die Mitarbeiter erkennen, dass die Neuorganisation auch ihr Leben leichter macht«, so das Fazit von Peter Blatzheim. <

Uwe Pagel

Erschienen in Ausgabe: 09/2009