Pulsmessung am Energieverbrauch

EINSPARUNG - Zwar entfallen nur 2 % der Gesamtkosten einer Klinik auf Energie. Doch bei den derzeitigen Preissteigerungen lohnt es sich, die Ausgaben für Strom oder Gas genau zu betrachten.

19. April 2006

Der Energiehandel, für Industrieunternehmen schon lange Alltag, sei auch für große Kliniken eine Option, die Energiekosten zu senken, ist Dr. Ditmar Flothmann, Geschäftsführer der Freudenberg Service KG, überzeugt. Ab einer Verbrauchsmenge von 50 GWh lohne sich der strukturierte Einkauf von Teilmengen.

Die Klinik kauft eine Grundversorgung als Basis sowie zusätzlich wochenweise eine bestimmte Menge Energie ein. Überschüssige Mengen lassen sich wieder verkaufen, etwa aus den Nächten, wenn der Stromverbrauch absinkt. Voraussetzung dafür ist, dass man seine Lastgänge kennt. Flothmann rät, da der tägliche Energiehandel aufwändig sei, für diese Aufgaben „einen externen Dienstleister einzuschalten“.

Legt man die Energiekosten auf die Anzahl der Betten um, ergebe sich im Benchmark, dass bei den kleinen Krankenhäusern im Vergleich zu den großen höhere Energiekosten anfallen. „Ein Grund dafür ist, dass die Preise beim Einkauf geringerer Mengen höher sind“, erklärt Flothmann. Kleineren Kliniken empfiehlt er deshalb, Einkaufsgemeinschaften zu bilden. Eine andere Möglichkeit sei die indexierte Beschaffung: Die Klinik kauft ihre Energie nicht auf einmal, sondern verteilt den Einkauf über das ganze Jahr. Das minimiere das Risiko, zu einem Zeitpunkt zu teuer zu kaufen. „Für das Lieferjahr 2005 hat es innerhalb weniger Monate Unterschiede in den Kosten von mehreren zehntausend Euro für einen Lastfall von 10 Mio. kWh gegeben“, hat Flothmann ausgemacht.

Auch lohne es sich, einmal die Aufteilung der Energiekosten auf die einzelnen Energiearten zu analysieren. Im konkreten Fall einer Klinik mit 355 Betten macht der Bezug von Strom, Fernwärme und Kälte 81 % des gesamten Energiebezugs aus. Dagegen sind Abwasser mit 4,3 %, Sanitärwasser mit 6,2 % und Gas mit 8,5 % zu vernachlässigen. „Manchmal bringt es schon etwas, Bezugsverträge nachzuverhandeln“, so Flothmann.

Ebenso empfiehlt er, ein Energiekonzept zu erstellen: Lohnt es sich, auf dem Klinikgelände ein Kraftwerk zu bauen und Energie selbst zu produzieren? Oder besteht die Möglichkeit, verschiedene Produkte miteinander zu koppeln? Außerdem empfiehlt der Energieexperte, den Bezug zu vermeiden, etwa indem die Klinik Wärmerückgewinnung betreibt oder Abwärme nutzt.

„Bei großen Krankenhäusern schlagen nicht nur die Kosten für Energie, sondern auch für Lastspitzen zu Buche. Hier lohnt es sich, über die Struktur des Energiebezugs nachzudenken“, weiß Flothmann. Er klassifiziert beispielhaft Bereiche einer Klinik mit Reha-Station nach der Menge ihres Stromverbrauchs sowie ihrer Ausfallsicherheit. Stromausfall im Schwimmbad sei weit weniger kritisch als etwa auf der Intensivstation. Um Lastspitzen zu vermeiden, könne man etwa für kurze Zeiträume die Heizung im Schwimmbad drosseln.

Messwerte per Internet

Er nennt als typische Verursacher von Lastspitzen elektrisch beheizte Prozesse, Pumpen oder Ventilatoren. Lastspitzen lassen sich über ein Monitoring-System herausfiltern: Es analysiert den Energieverbrauch jedes einzelnen Gerätes. Mittlerweile sei es technisch problemlos möglich, Messwerte in eine Internetplattform zu übertragen, weiß Geschäftsführer Flothmann. Die Kosten amortisierten sich in kurzer Zeit.

Gerade für Kliniken sehr interessant sei die rechtssichere Dokumentation. Diese bietet automatisch einen Nachweis, welche Geräte und Anlagen betrieben wurden und können beispielsweise auch einen Filterwechsel in der Zuluftanlage festhalten. Zudem empfehle es sich, die Gebäudesubstanz zu überprüfen. Wo sind Kältebrücken, wo lässt sich die Wärmedämmung verbessern? „Das lässt sich einfach und schnell mittels eines Thermografie-Wärmechecks feststellen“, weiß Energieexperte Flothmann.

Erschienen in Ausgabe: 04/2006