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Quartierversorgung per Nachbarschaftshilfe

Das Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und 20 Partner haben den Zuschlag zur Realisierung eines energetischen Nachbarschaftsquartiers in Oldenburg erhalten. Das Vorhaben ist eines von sechs Pilotprojekten für solares Bauen und energieeffiziente Städte.

14. Dezember 2017

Ziel des Projektes auf einem ehemaligen Flughafen ist es, auf dem innenstadtnahen Areal unter Einbindung der Öffentlichkeit ein klimaneutrales Quartier mit zirka 110 Wohneinheiten aus Bestandsgebäuden und Neubauten zu konzipieren und umzusetzen, so das DLR.

 

Rund 18 Millionen Euro fließen in das Fliegerhorst-Projekt, weitere rund 8,4 Millionen Euro werden von den größtenteils im Nordwesten angesiedelten Industriepartnern beigesteuert, heißt es in einer Mitteilung.

 

Energietausch unter Nachbarn

 

„Zu den Kernthemen des ENaQ-Projekts gehört die Frage, wie die lokale Energiegemeinschaft eines Nachbarschaftsquartiers sozial und wirtschaftlich konzipiert sein muss, um für Anwohner, Energieerzeuger und Dienstleister langfristig attraktiv und betriebswirtschaftlich tragbar zu sein“, so das DLR.

 

Den Angaben zufolge soll das Areal als auf Teilhabe ausgelegtes Labor für Smart-City-Technologien genutzt werden.

 

Über das Projektgebiet hinaus sollen auf dem ehemaligen Fliegerhorst ca. 950 Wohneinheiten und Gewerbeflächen entstehen.

 

Damit stellt das Areal für die kommenden Jahre die wichtigste Entwicklungsfläche der Stadt Oldenburg dar, heißt es.

 

Der Energiebedarf des ENaQ-Quartiers soll im Wesentlichen aus lokal erzeugter Energie gedeckt werden.

 

Entwickelt wird ein öffentliches Versorgungsnetz, welches eine Kopplung von Strom, Wärme/Kälte und Mobilität unterstützt und den Energietausch im Quartier unter den Nachbarn fördert.

 

Für die Bildung lokaler Energiegenossenschaften werden die Anwohner als Energieproduzenten und Verbraucher über ein Community-Portal in die Konzeption von Anreizmodellen einbezogen.

 

Digitale Simulation kann komplexes Smart Grid abbilden

 

Dem Institut für Vernetzte Energiesysteme des DLR kommt innerhalb des ENaQ-Projektes die Aufgabe zu, das Gesamtenergiekonzept zu entwickeln und zu erforschen.

 

"Hier werden wir im ersten Schritt das Quartier und seine Wechselwirkung mit dem übergeordneten Versorgungsnetz in der digitalen Simulation nachbilden. Anschließend wird dieses Modell in unser Energielabor transferiert, das die gesamte vernetzte Energie-Infrastruktur digital abbildet und Parameter wie Wetterdaten, Benutzerverhalten, Stromnetzauslastung oder Verkehrszustände berücksichtigt", erklärt Frank Schuldt, Gruppenleiter Flexibilitätsoptionen und Systemdienstleistungen am Institut.

 

Nachdem diese Managementkonzepte auf Funktionalität und Wirksamkeit getestet wurden, fließen die Erkenntnisse in die Umsetzung des Energetischen Nachbarschaftsquartiers ein, so das DLR.

 

Dabei wird ein besonderer Fokus auf Lösungskonzepten für kritische Netzsituationen liegen, um die Versorgungssicherheit im realen Quartier sicherzustellen, heißt es.

 

Die daraus entstehenden Geschäftsmodelle könnten später auch dazu genutzt werden, um Dienstleistern das erforderliche Wissen zum Aufbau und Betrieb von weiteren Energetischen Nachbarschaftsquartieren bereitzustellen.