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Quartierversorgung – was bringt es?

Markt

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen erfordern energieeffiziente Versorgungskonzepte in Neubauten und Bestandsquartieren. Bestehen Optionen für neue Geschäftsfelder?

22. Januar 2018

Um die Anforderungen und gesetzlichen Vorgaben zu analysieren, hat Rödl & Partner im Rahmen einer Studie mehrere Versorgungskonzepte untersucht und anhand von Effizienz- und Kostenkriterien bewertet. Dabei wurde, unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit, der Primärenergiebedarf von verschiedenen Energieversorgungskonzepten eines neuen Mehrfamilienhauses mit sechs 2-Personenhaushalten untersucht und diese anschließend nach den Anforderungen der EnEV und des EE-WärmeG bewertet.

Mehrfamilienhaus

Vier Versorgungslösungen wurden untersucht. Erstens: PV-Anlage mit Mieterstrombelieferung und Wärmeversorgung mittels Gas-Brennwertkessel; zweitens: PV-Anlage mit Mieterstrombelieferung und Wärmeversorgung mittels Wärmepumpe und Gas-Brennwertkessel; drittens: PV-Anlage mit Mieterstrombelieferung und Wärmeversorgung mittels Mini-BHKW und Gas-Brennwertkessel; viertens: PV-Anlage mit Mieterstrom-belieferung und Wärmeversorgung mittels Solarthermieanlage und Gas-Brennwertkessel.

Variante eins hat einen Primärenergiebedarf nach EnEV von 85,0 kWh/m²a, die IRR Gesamtkapital beträgt 7,3%. Variante zwei: 32,7 kWh/m²a, 0,5%; Variante drei: 80,2 kWh/m²a, 3,5%; Variante vier: 72,3kWh/m²a, 2,88%.

Die Ergebnisse sind jedoch immer stark einzelfall- und situationsabhängig. Je nach unterstellten Parametern kann es zu abweichenden Ergebnissen kommen. Im Kern ist jedoch feststellbar, dass sich die effizientesten Konzepte zeitgleich auch als die kostenintensiveren Optionen darstellen. Die mitunter strengen Vorgaben der EnEV könnten im vorliegenden Fall nur von Versorgungskonzepten mit einer Wärmepumpe eingehalten werden.

Weitere Geschäftsmodelle

Aber nicht nur die innovative und nachhaltige Energieversorgung eines Quartiers ist ein interessantes Geschäftsfeld für Stadtwerke und EVUs, auch diverse versorgernahe Dienstleistungen können das unternehmerische Tätigkeitsspektrum erweitern.

Stadtwerke, die bereits als wettbewerblicher Messstellenbetreiber tätig sind, könnten in Quartieren neben der Messung von weiteren Verbräuchen wie Wasser und Wärme und dem Betrieb der Messeinrichtungen auch Abrechnungstätigkeiten mit anbieten. Wenn Energieversorgungsunternehmen bereits eigene oder kommunale Immobilien verwalten, könnte diese Tätigkeit auch als ergänzende Dienstleistung in Quartieren angeboten werden. Gleiches gilt für technische Anlagen wie Lüftungen, Aufzüge und Anlagen der Wärmeerzeugung und -verteilung. Auch der Megatrend der Elektromobilität ist eng mit der Entwicklung von innovativen Quartierskonzepten verknüpft. Um neue Geschäftsmodelle zu identifizieren, darf das Dienstleistungsangebot von Stadtwerken nicht mehr am Strom- oder Gaszähler enden.

Stadtwerke, die für sich bereits erkannt haben, dass das reine Commodity-Geschäft (Strom-/Gas-Vertrieb) aktuell durch sinkende Margen, sinkende Mengen und steigende Wechslerquoten gekennzeichnet ist, sollten sich nach tragfähigen Alternativen umsehen. Ein interessantes Geschäftsfeld sind in Zeiten boomender Baubranchen alle versorgernahen Tätigkeiten rund um Immobilien. Die Versorgung von Quartieren mit Strom und Wärme ist dabei nahe am Kerngeschäft der Stadtwerke. Contracting-Lösungen, Mieterstrommodelle, aber auch Messdienstleistungen müssen daher mittelfristig in das Produkt- und Dienstleistungsportfolio aufgenommen werden. Die bestehende Komplexität sollte dabei kein nachhaltiges Hindernis darstellen – insbesondere, wenn Pilotprojekte und Produktentwicklungen von Spezialisten mit Branchenerfahrung begleitet werden.

Anton Berger und Benjamin Hufnagel, Rödl & Partner

Wissen kompakt

Gesetzliche Vorgaben für Quartiersversorgung

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) stellt gesetzliche Vorgaben an die Gesamteffizienz von Gebäuden, die bei wesentlichen Modernisierungen und Neubauten zu beachten sind.

Parallel müssen die Vorgaben des EEWärmeG berücksichtigt werden.

Um darüber hinaus noch Förderungen nach EEG, KWK-Gesetz oder Förderkredite in Anspruch nehmen zu können, sind die Effizienzvorgaben der Fördermittelgeber wie etwa der KfW zu erfüllen.

(Quelle: Rödl & Partner)

Erschienen in Ausgabe: Nr. 01 /2018