»Rahmen reicht nicht für eine richtig verstandene Energiewende«

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Klimaschutz sollte im Zentrum der Energiewende stehen, so Wingas-Geschäftsführer Ludwig Möhring. Erdgas könne hier eine wichtige Rolle spielen. Außerdem müsse die Politik entsprechend reagieren, um das KWK-Ausbauziel bis 2020 zu erreichen.

19. März 2014

Die Energiewende ist meiner Meinung nach gerade an einem sehr kritischen Punkt und stellt die Politik vor große Herausforderungen. Der eigentliche Kern der Energiewende, der Klimaschutz, ist bislang deutlich zu kurz gekommen beziehungsweise nicht wirklich berücksichtigt worden. Leider wird Klimaschutz auch jetzt nicht ins Zentrum der Energiewende gestellt, sondern es wird an den Symptomen gearbeitet. Das ist nicht genug.

Und auf den Gasmarkt bezogen?

Für Erdgas kann eine richtig verstandene Energiewende, die bezahlbaren Klimaschutz in den Mittelpunkt stellt, positive Auswirkungen haben: eine richtig verstandene Klimapolitik, die CO2-Verminderung zu möglichst geringen Kosten zum Maßstabe macht. Diesem Anspruch werden die derzeitigen Rahmenbedingungen leider nicht hinreichend gerecht. Die Bundesregierung will im Wärmemarkt 50 Prozent der angestrebten Verringerung der CO2-Emissionen erzielen. Auch die Verbesserungspotenziale in den Heizkellern sind erheblich: Nur ein Viertel der gut 20 Millionen privaten Heizkessel in Deutschland entsprechen dem neuesten Stand der Technik. Auch hier kann mit relativ geringen staatlichen Anreizen eine hohe CO2-Reduktion zu minimalen Kosten erreicht werden. Aktuell werden übrigens 75 Prozent aller neu installierten Heizungen mit Erdgas betrieben. Das ist ein eindeutiges Zeichen und zeigt, dass die Bürger und Verbraucher sich für die besten Lösungen entscheiden.

Wie sehen Sie die Zukunft der KWK, gerade unter den derzeitigen Voraussetzungen?

Die große Koalition steht zu dem Ziel ›25 Prozent KWK bis 2020‹, das ist im Koalitionsvertrag eindeutig zu lesen. Dazu gehört auch, dass man die entsprechenden Maßnahmen ergreift, um dieses Ziel zu erreichen. Derzeit sehen wir, bezogen auf das EEG-Eckpunktepapier, dass die Politik jedoch in einem ersten Schritt der Umsetzung die Eigenverbrauchsregelung der Kraft-Wärme-Kopplung beschneiden will. Wenn es bei diesem Schritt bliebe und ich sage bewusst ›bliebe‹, weil nachgearbeitet werden muss, wären viele existierende Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, aber insbesondere zukünftige Anlagen nicht mehr wirtschaftlich. Ich kann also von einer konsequenten Energiepolitik an dieser Stelle nur erwarten, dass auch entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, um das Ziel von 25 Prozent KWK-Anteil bis 2020 zu erreichen. Die Politik steht hier im Wort.

Mit welchen Strategien geht der Gashandel, gehen Sie in die Zukunft?

Wir sehen die Ergebnisse einer sehr erfolgreich verlaufenden Liberalisierung in Nordwest-Europa: Wir haben eine Vielzahl von Lieferanten, und wir haben eine Vielzahl von Kunden. Darüber hinaus ist zu erkennen, dass die Handelsplätze in Deutschland von den Marktteilnehmern zunehmend genutzt werden – auch wenn die Größenordnung nicht mit der Nutzung in Großbritannien oder den USA zu vergleichen ist. Und auch die Kunden haben ihr Einkaufsverhalten durchaus verändert gegenüber früher; Langfristverträge gehören meist der Vergangenheit an. Diesen neuen Rahmenbedingungen muss man sich stellen – und denen stellen wir uns auch gerne. Gleichzeitig sind wir ein langfristig orientiertes Unternehmen geblieben, das – und da sind wir mit Freude konservativ – das Gas physisch zum Kunden bringen will. Wir stehen nicht dafür, Gas als Commodity hin und her zu ›traden‹ um des reinen Tradings willen. Für uns steht die verlässliche Versorgung der Kunden im Mittelpunkt. Partnerschaften, die in der Vergangenheit Langfristverträge zur Basis hatten, haben sich weiterentwickelt: Jetzt sind es gewachsene, intensive Kundenbeziehungen, die sich immer wieder neu beweisen müssen.

Wie schätzen Sie die Bedeutung von LNG für den Markt in Deutschland ein?

LNG ist und das ist sehr positiv zu sehen eine neue Versorgungsoption für Nordwest-Europa. Nordwest-Europa ist in meinen Augen schon jetzt die am besten diversifizierte Region der Welt, was die Möglichkeiten betrifft, Gas aus allen Teilen der Welt zu beziehen. Dass im Moment relativ wenig LNG hier angelandet wird, ist zum einen das Ergebnis eines wirklich globalen LNG-Marktes, in dem die LNG-Carrier dorthin gehen, wo sie den höchsten Preis erzielen. Zum anderen ist es der Tatsache geschuldet, dass in unserem Markt selbst bereits genügend Erdgas zum Marktpreis vorhanden ist. (mwi)

Erschienen in Ausgabe: 03/2014