Rechnerische Freiräume

Editorial

Um zu untermauern, dass eine Entscheidung richtig oder falsch ist, werden gerne Zahlen bemüht – und die sind ja bekanntlich geduldig. So ist dies auch beim Thema Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken.

09. April 2010

Die Vereinigung von acht großen Stadtwerken 8KU bewertet die Kosteneffekte für die Kunden mit maximal 24 Euro pro Jahr für einen Durchschnittshaushalt mit vernachlässigenswert. Zu anderen Ergebnissen kommt der Bundesverband der Deutschen Industrie. Der BDI rechnet vor, dass bei einer Laufzeitverlängerung um acht Jahre die Strompreise um 15 Prozent niedriger sein könnten als bei einem Ausstieg. Dies passt zu den Interessen des BDI, der eine Renaissance der Kernenergie sieht.

Beim CO2-Ausstoß sprechen die Zahlen klar für Erdgas gegenüber Kohle. Kohlemeiler sind gegen die Widerstände der Bevölkerung immer schwerer durchsetzbar. Doch das heißt nicht, dass dies für Erdgas nicht gilt. In Haiming protestieren Bürger gegen ein neues Gaskraftwerk, und zwar nicht wegen des CO2-Ausstoßes, in der Kritik steht eine neue Oberleitung. Da diese jedoch die Regierung von Niederbayern festlegt, nahmen die Bürger vorsorglich das Gesamtprojekt ins Visier. Die Vielschichtigkeit der Debatte zeigt unsere Umfrage auf Seite 74.

Auch bei der Einspeisevergütung für Solarstrom werden gerne Zahlen strapaziert. So hat der Energieabnehmerverband errechnet, dass eine Verschiebung der Einspeisekürzung die Verbraucher pro weiteren Monat zusätzlich 1 Milliarde Euro kostet. Laut Verband der Erneuerbaren Energien sind aber rund zwei Drittel der Steigerung der EEG-Umlage dem niedrigen Strombörsenpreis (neue Vermarktung von Ökostrom) sowie der Umlageerhöhung der Netzdienstleistung geschuldet. Was ist Ihre Meinung zur Solarförderung? Stimmen Sie ab unter www.energiespektrum.de.

Erschienen in Ausgabe: 2-3/2010