Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und den Rückgang der Großkraftwerke – insbesondere der Atomkraftwerke – haben Übertragungsnetzbetreiber immer weniger Handlungsspielraum, um Redispatch-Maßnahmen umzusetzen. Um dem entgegenzutreten hat der Bundestag am 4. April 2019 die Novelle des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes, Nabeg 2.0, verabschiedet. Das Gesetz beinhaltet neben planungsrechtlichen Vereinfachungen für den rascheren Ausbau der Übertragungsnetze auch Neuregelungen zur Bewirtschaftung von Netzengpässen, das sogenannte Redispatch 2.0.

Einheitliches redispatch-regime

Die Regelungen zum Einspeisemanagement von Erneuerbare- Energien-Anlagen und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen im Erneuerbare-Energien-Gesetz und Wärme-Kopplungs-Gesetz wurden zu diesem Zeitpunkt aufgehoben.

Stattdessen wird ein einheitliches Redispatch-Regime (Redispatch 2.0) nach §§ 13, 13a, 14 Energiewirtschaftsgesetz eingeführt. Was also bisher nur für konventionelle Erzeugungsanlagen galt, weitet sich aus auf Speicher und Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sowie KWK-Anlagen.

Die neuen Regelungen beruhen noch stärker auf Plandaten und Prognosen.

— Andreas Seiler IDS, Member of Vivavis

Außerdem werden künftig auch EE-Anlagen und KWK-Anlagen ab 100 kW sowie Anlagen, die jederzeit durch einen Netzbetreiber fernsteuerbar sind, in das Redispatch einbezogen werden. Diese Anlagen sind in der Regel in den Spannungsebenen der Verteilnetze angeschlossen.

Für alle Verteilnetzbetreiber

Nabeg 2.0 betrifft also alle Verteilnetzbetreiber in Deutschland und das im besonderen Maße. Erstmals müssen sich neben den vier Übertragungsnetzbetreibern auch die rund 800 deutschen Verteilnetzbetreiber mit dem Thema Redispatch befassen.

Sie kontrollieren und steuern ihre Netze sicher und zuverlässig; nicht abgestimmte Redispatch-Maßnahmen »von außen« können dies jedoch gefährden. Das Netzleitsystem High-Leit der Vivavis Unternehmensgruppe bietet hier beispielsweise eine Netzberechnungsvorschau, basierend auf den Fahrplänen der Anlageneinsatzverantwortlichen. Diese neuen Vorgaben für das Management von Netzengpässen (Redispatch 2.0) müssen von den Netzbetreibern bis zum 1. Oktober 2021 umgesetzt sein.

Was sich ändern muss

Die neuen Regelungen beruhen noch stärker auf Plandaten und Prognosen und bringen für Erzeuger und Direktvermarkter, aber vor allem für Netzbetreiber neue Aufgaben mit sich, die der intensiven Vorbereitung bedürfen. Erstens eine intensive Kooperation der Netzbetreiber, um Netzengpässe zu beheben. Unter der Maßgabe möglichst geringer Gesamtkosten über alle Netzebenen hinweg und unter Einhaltung der Netz- und Versorgungssicherheit.

Netzprognosen und Vorausschauen

Viertens das Versenden von korrigierten oder ergänzten Fahrplänen an eine zentrale Plattform.

Fünftens die Übernahme der Verantwortlichkeit für den bilanziellen und finanziellen Ausgleich sowie die Abwicklung der Abrechnungsprozesse durch den Netzbetreiber. Redispatch 2.0 zieht neue Anforderungen nach sich. Der Ist-Zustand soll angepasst werden. Die Folge: Verteilnetzbetreiber müssen mehr sehen, sicher prognostizieren, schneller reagieren. Netzprognosen und Vorausschauen bilden die Grundlage für ein erfolgreiches Redispatch 2.0.

Die Vivavis Unternehmensgruppe bietet dafür bereits heute im IDS-Netzleitsystem High-Leit Funktionalitäten wie zum Beispiel eine Netzberechnungsvorschau. Ohne geht es nicht, so viel ist sicher.

Andreas Seiler, IDS, Member of Vivavis