Regelmäßige Soll-Ist-Vergleiche

Management/Regulierung

Geschäftsprozesse - Professionelles Regulierungsmanagement wird während der in diesem Jahr anlaufenden Anreizregulierung relevant sein. Stete Simulationen und Prognosen legen Unternehmensberater Versorgern nahe.

09. Februar 2009

Die Anforderungen, die aus den neuen Entwicklungen in der Energiewirtschaft hervorgehen, sind dauerhaft. Das zeigt sich in einer Studie zur Weiterentwicklung von Stadtwerke-Kooperationen, die die Berliner Beratungsgesellschaft LBD gemeinsam mit der SynergieKomm, der Kölner Agentur für Nachhaltigkeit und Innovation, im vergangenen Jahr veröffentlicht hat. Das Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen EVU-Assist aus Henstedt-Ulzburg in Schleswig-Holstein ist ebenfalls überzeugt: Professionelles Regulierungsmanagement wird auch noch während der 2009 in Kraft tretenden Anreizregulierung wichtig für Energieversorgungsunternehmen (EVU) sein.

»Es gibt EVU, die glauben, mit der Vorbereitung auf den Erlöspfad, der ihnen ab Januar von den Regulierungsbehörden vorgegebenen ist, sei es jetzt getan. Das ist aber ein Trugschluss«, sagt der Geschäftsführer der EVU-Assist, Michael Ehlers. Er ist sich sicher, dass sich EVU strategisch und operativ regelmäßig auf neue rechtliche Vorgaben und neue betriebswirtschaftliche Entwicklungen ausrichten müssen. »Es geht jetzt nicht mehr um die Durchsetzung der letzten Anträge zur Netzentgeltgenehmigung bei den Regulierungsbehören, sondern um die Nachjustierung der für die einzelnen Bereiche erarbeiteten Maßnahmen in den verschiedenen Geschäftsbereichen«, so Ehlers.

Dazu müsse man wissen, was das Regulierungsmanagement im Kern ausmacht: Es ist für das Kosten- und Erlösmanagement unter Berücksichtigung der rechtlichen Vorgaben zur Anreizregulierung zuständig. So verhindert es, dass die Einnahmen des EVU durch Netzentgelte den von den Regulierungsbehörden vorgegebenen Er-löspfad übersteigen. Um die Einnahmen während der Anreizregulierung möglichst exakt kalkulieren zu können, muss das Regulierungsmanagement die zukünftige Entwicklung eines Versorgers in allen relevanten Kennzahlen vorhersagen können, etwa in Einnahmen, Investitionen, Abschreibungen, Aktivierungspraxis und Personalentwicklung. Dazu haben die Regulierungsmanager zu ermitteln, wie die Entwicklung bei Änderung einer oder mehrerer Kennzahlen in den nächsten zwei Regulierungsperioden bis zum Jahr 2018 verlaufen würde.

Neue Bnetza-Vorgaben

Das wird mit Hilfe von speziellen IT-Programmen erledigt, die diese Entwicklungen simulieren, wie etwa das ›STAR-Tool‹ der BET GmbH. Auf Basis dieser vergleichenden Simulationen arbeiten die Regulierungsexperten gemeinsam mit den Leitern des EVU Handlungsmaßnahmen in den genannten Kennzahlen aus.

»Neue gerichtliche Entscheidungen und neue Vorgaben der Bundesnetzagentur (BNetzA) sind auch 2009 noch zu erwarten. Das Regulierungsmanagement muss die Kennzahlen des EVU strategisch und operativ an diese neuen Bedingungen anpassen«, erklärt Ehlers. Die Bundesnetzagentur wird schließlich zu bestimmten Zeitpunkten die Einhaltung ihrer Vorgaben kontrollieren. Regelmäßige Soll-Ist-Vergleiche sind aber auch ohne neue Bestimmungen wichtig: Durch die Eingabe aktueller Daten in das Simulationstool werden die Prognosen noch exakter.

»Die Weichen müssen bei einem EVU regelmäßig neu gestellt werden, damit es nicht den Anschluss verliert«, bringt es Ehlers auf den Punkt. »Und je feiner hier nachjustiert wird, desto besser ist der Versorger aufgestellt«. <

Erschienen in Ausgabe: 1-2/2009