Regenerative Großkraftwerke auf See

Die Offshore-Windenergie-Branche fordert von der zukünftigen Bundesregierung Planungs- und Investitionssicherheit für den weiteren Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland.

21. November 2013

»Offshore-Windenergie ist ein unverzichtbarer Baustein der Energiewende. Die neue Bundesregierung muss daher kurzfristig klare Rahmenbedingungen schaffen, um auf Industrieseite finale Investitionsentscheidungen für die in den Koalitionsverhandlungen als Ausbaupfad vorgesehenen 6,5 Gigawatt Offshore-Windparks bis 2020 auszulösen«, sagte Thorsten Herdan, Vizepräsident der Stiftung Offshore Windenergie und Geschäftsführer VDMA Power Systems, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz am 20. November im Rahmen der EWEA Offshore 2013.

Eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) belege diese Bedeutung der Offshore-Windenergie: Aufgrund der sehr guten Kraftwerkseigenschaften sei Offshore-Windenergie im künftigen Energiesystem ein Garant für Versorgungssicherheit, Systemqualität und günstige Gesamtkosten. Windenergieanlagen auf dem Meer könnten zu fast jeder Stunde eines Jahres Strom liefern und vergleichbar hohe Betriebsstunden wie konventionelle Kraftwerke erreichen. Offshore-Anlagen produzieren an rund 340 Tagen im Jahr und ihre Stromerträge lassen sich gut vorhersagen. Die Anlagen könnten Regelleistung deutlich besser bereitstellen als andere fluktuierende erneuerbare Energien und so einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung des Stromsystems leisten, so die Studie.

Neben ihrer energiewirtschaftlichen Vorteile habe die Offshore-Windenergie inzwischen auch erhebliche volkswirtschaftliche Bedeutung erlangt. »In ganz Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren eine vorwiegend mittelständisch geprägte Offshore-Industrie mit etwa 18.000 Arbeitsplätzen und einem Umsatz von insgesamt rund sechs Milliarden Euro entwickelt. Momentan steht die Branche allerdings vor leeren Auftragsbüchern, weil die fehlende Klarheit über die zukünftigen politischen Rahmenbedingungen Investitionsentscheidungen derzeit nahezu unmöglich macht«, sagte Norbert Giese, Vizepräsident Offshore Development REpower und stellvertretender Vorsitzender der Windenergie Agentur Bremerhaven.

Um bereits eingetretene Verzögerungen beim Ausbau der Offshore-Windenergie aufholen zu können, fordert die Branche schnellstmöglich klare gesetzliche Grundlagen. »Die EEG-Vergütung sollte den Betreibern von Offshore-Parks zeitgleich mit der verbindlichen Zuweisung ihrer Anbindungskapazität zugesichert werden. Dadurch erhalten Investoren Klarheit darüber, dass sie bei der Inbetriebnahme des Windparks jene Vergütung erhalten, auf der die langjährigen Planungs- und Realisierungsphasen beruhen. Nur so ist es möglich, dass das in den Koalitionsverhandlungen derzeit diskutierte Ziel von 6,5 Gigawatt auch tatsächlich erreicht werden kann«, sagte Georg Friedrichs, Vattenfall Vice President Offshore Wind Developement.

Offshore-Windparks seien durch einen langen Planungs- und Realisierungszeitraum gekennzeichnet. Als ›regenerative Großkraftwerke auf See‹ können vom ersten Genehmigungsverfahren über die Finanzierung und Planung bis zum ersten eingespeisten Strom bis zu zehn Jahre vergehen. Ein konsequenter Ausbau der Offshore-Windenergie könne zudem die Kosten für Strom aus Offshore-Windenergie in den nächsten zehn Jahren um rund ein Drittel senken, zeigt eine aktuelle Studie von Prognos und Fichtner.