Regionales Feuerungsgut

Kraftwerk Angesichts steigender Preise für fossile Brennstoffe gilt Biomasse zunehmend als Alternative. Aktuelle Projekte belegen dies.

18. August 2008

Eine Konstante im anziehenden Energiepreismarkt setzen sich immer mehr Versorger und Industriebetriebe. Zunehmend greifen sie auf lokal verfügbares Feuerungsgut, den Energieträger Biomasse, und die damit verbundenen kurzen Anfahrtswege zurück. Insbesondere der klimaneutrale Heizstoff Holz hat laut Dr. Dieter Brechmann, Geschäftsführer von Sennergie, großes Potenzial. Die Auftragsbücher des Bielefelder Plan- und Betreiberunternehmens von Holzkraftwerken zeugen davon: In Kooperation mit den Stadtwerken Bielefeld errichtet Sennergie derzeit ein Holzkraftwerk auf Kraft-Wärme-Kopplungs(KWK)- Basis in Bielefeld. Die Kohlekessel werden für rund 8 Mio. € ersetzt und in Folge rund 17.000 t CO2/a weniger ausgestoßen.

Der Holzmarkt ist stark fragmentiert – »viele Forstbesitzer können nur kleine Mengen an Holz anbieten«, so Brechmann über die grundsätzliche Herausforderung der Brennstoffversorgung mit Holz. Das Kraftwerk, das ab Ende nächsten Jahres 5,5 MWth und 1,2 MWel erzeugen soll, greift durch die Kooperation mit Sennergie auf ein eng geknüpftes Netzwerk von regional ansässigen Forstbesitzern, deren Holz maximal aus einem Umkreis von 70 km kommen wird, zurück. Eine dauerhaft sichere, kostengünstige Brennstoffbelieferung soll dadurch zum Garant werden. »Diese ortsnahe Versorgung stärkt zudem die regionalen Wirtschaftskreisläufe«, betont der Geschäftsbereichsleiter Erzeugung der Stadt werke Bielefeld, Dr. Ingo Kröpke.

Die gleiche Prämisse gilt für das Biomasse-Heizkraftwerk im Industriepark Wittgenstein, dessen Grundstein Ende Juni die RWE Innogy Cogen legte: »Mit dem Bau der Anlage gelingt es uns, die Wertschöpfung aus der Forstwirtschaft in der Region zu halten«, erläutert Paul Breuer, Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein. Waldbesitzer erschließen hier einen neuen Absatzmarkt für nicht genutztes Holz. Das Heizkraftwerk soll ab Herbst nächsten Jahres 30 MWth und 8 MWel erzeugen. Es verwertet im Jahr 90.000 t Forstbiomasse beziehungsweise Waldrestholz, Landschaftspflegeholz und Straßenbegleitgrün.

»Die CO2-Einsparung liegt verglichen zu einer konventionellen Anlage mit einer Betriebsdauer von 25 Jahren bei 1,2 Millionen Tonnen«, schätzt der Geschäftsführer der RWE-Innogy-Tochter Stephan Lohr. Zudem können durch KWK Wirkungsgrade von bis zu 70 % erreicht werden. Im Oktober soll der Kesselstahlbau beginnen.

Etwas weiter vorangeschritten ist der Bau des neuen Holzheizkraftwerkes Hövelhof, an dessen Betrieb die Bioenergie-Experten der Sennergie und die Unternehmerfamilie Henrichsmeyer beteiligt sind. Die zentrale Turbine (siehe Bild) lieferte bereits ein Spezialtransporter aus Italien, der Heizkessel kam aus Österreich. Das 6 Mio. € teure Kraftwerk hat seinen Brennstoff ebenso direkt vor der Kesseltür. Die Energiequelle ist Restholz, das zu 80 % aus den vor Ort ansässigen Geha-Möbelwerken und dem Möbelteile-Hersteller formaplan stammt. Der Fokus der Erzeugung soll auf der Wärmeproduktion liegen: 7 MWth und 1 MWel nutzen nach Fertigstellung ausschließlich industrielle Abnehmer.

Stabilisierte Energiekosten

Brechmann unterstreicht die Umweltverträglichkeit der Anlage: »Die Emissionen machen weniger als ein Viertel der gesetzlichen Grenzwerte aus.« Im Vergleich zu einem herkömmlichen Gaskraftwerk mit gleicher Leistung spare die Anlage rund 10.000 t CO2/a ein. Rolf Henrichsmeyer, Geschäftsführer der formaplan, bestätigt die Bedeutung des Brennstoffes Holz: »Mit dem deutlich unter den Gaspreisen liegenden Wärmepreis können wir unsere Energiekosten stabilisieren und weitere Preiserhöhungen am Energiemarkt abfedern.«

Diesen Vorzug hat die Mainova früh erkannt. Im Dezember 2004 starteten sie und ihr Recyclingpartner WISA den Betrieb des Biomasse-Kraftwerkes Fechenheim. Die substituierte Erdgasmenge beträgt seitdem 1 Mio. m3. Der Ausstoß von 250.000 t CO2 blieb so der Umwelt erspart. Durch die Verbrennung von Holzabfällen und Grünschnitt speist die Anlage bislang rund 228 Mio. kWh Ökostrom ein. (ds)

Erschienen in Ausgabe: 7-8/2008