Reine Förderung ist nicht nachhaltig

Dienstleistung - Mit ferngesteuertem Anlagenmanagement sind laut german contract Jahresnutzungsgrade von bis zu 100% möglich.

25. Mai 2010

»Auf dem Markt für Gebäudeeffizienz gibt es heute viele intelligente Lösungen, aber auch noch viel Ignoranz«, hat Roland Gilges ausgemacht. So könne bereits die Reduzierung der Raumtemperatur um ein Grad die Energiekosten um 6% verringern, berichtet der Vertriebsleiter der gc Wärmedienste GmbH (german contract).

Das 2005 als Tochtergesellschaft der Stadtwerke Neuss gegründete Unternehmen hat bis heute über 2.000 Anlagen zur Wärmeerzeugung und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) mit einer Gesamtleistung von mehr als 69MW für Unternehmen, Institutionen und Organisationen unterschiedlicher Branchen realisiert.

Im Rahmen seiner Nachhaltigkeitskampagne rief german contract verschiedene Zielgruppen dazu auf, sich mit besonders umwelt- und klimaschonenden Projekten um den ›UmWeltmeister‹-Award zu bewerben.

Jahresnutzungsgrad: plus 13%

Die Gewinner sind kürzlich auf der Zugspitze prämiert worden (siehe Kasten). In der Kategorie Wohnungswirtschaft war die Wohnungsgesellschaft Ruhrgebiet in Duisburg der Sieger. Bei einem Neubau mit 14 Mietwohnungen und drei Gewerbeobjekte wurde bereits in der Planungsphase eine regenerative Wärmeerzeugung mittels Pelletskessel (Heizleistung 95kW) eingeplant. Der Jahresnutzungsgrad – und damit das Verhältnis von abgegebener Nutzwärme zu eingesetzter Primärenergie – liegt bei 80%.

Die energiewirtschaftliche Sanierung der Parkresidenz Rahlstedt gewann den Wettbewerb in der Kategorie Hotels. Die Versorgung des Objekts erfolgte zuvor durch zwei Gaskessel mit je 690kW Wärmeleistung. Der Jahresnutzungsgrad erreichte lediglich 65%. Im Mittelpunkt der Contracting-Lösung steht ein Blockheizkraftwerk (BHKW) mit 50kW elektrischer Leistung und 85kW Wärmeleistung.

Zusätzlich optimierte gc die Kesselfahrweise; so kommt ein Kessel jetzt nur noch Stand-by an extremen Kältetagen zum Einsatz. Durch diese Optimierungen stieg der Jahresnutzungsgrad auf 78% (Garantiewert). Bei einem angenommenen Gaspreis von 45€/MWh sank der Wärmepreis so von zuvor 76,92 auf 46,73€ pro Megawattstunde ab.

Individuelle Berechnungen

Wie der gc-Vertriebsleiter betont, sind die Nutzungsgrade stark abhängig sowohl von der installierten Technologie (Einsatz von Brennwerttechnik, Wärmepumpen oder Blockheizkraftwerk) als auch von der Beheizungsart, die aus Heizkörpern, Fußbodenheizung bis hin zu Luft-erhitzern bestehen kann. »Wir führen grundsätzlich bei jedem Kunden eine individuelle Berechnung für die optimale Kombination durch. Wenn wir die Möglichkeit haben, bereits in der Planungsphase eines Gebäudes mitwirken zu können, ist in Neubauprojekten auch ein Jahresnutzungsgrad von bis zu 100 Prozent möglich«, erläutert Gilges.

Um die Effizienz der Anlagen so hoch wie möglich zu halten, schalten sich die gc-Experten per GSM-Modul auf die Regelungstechnik der Wärmeerzeuger auf. Von hier aus werden Zählerstände der Primärseite an Gas- und Ölzählern oder der individuelle Pelletsverbrauch bei einer Pelletsverfeuerungsanlage abgelesen, mit dem Wärmemengenzähler auf der Sekundärseite hinter dem Wärmeerzeuger, verglichen und die aktuelle Effizienz berechnet. Wie Gilges berichtet, führt gc je nach Ergebnis »Optimierungsmaßnahmen durch – beispielsweise die Anpassung von Heizkurve, Vor- und Rücklauftemperaturen, Heiz- und Absenkzeiten oder der Steuerung und Ladung der Pufferspeicher«.

Die Fernsteuerung und das damit verbundene Nutzungsgradmanagement mache besonders bei größeren Anlagen Sinn, da durch das »kontinuierliche Management der Wärmeerzeugungsanlagen der Energieverbrauch gerade in den Übergangszeiten im Frühjahr und Herbst stark optimiert werden kann«. Die Mehrkosten rechneten sich bereits ab einer Anlagengröße von 50kW Kesselleistung, betont der Vertriebsleiter.

Mit der geschäftlichen Entwicklung ist er rundum zufrieden: »Das Geschäft und damit auch das Unternehmen entwickelt sich kontinuierlich positiv.« Insgesamt steige sowohl die Nachfrage als auch die Sensibilität, nachhaltig Energie und damit Kosten zu sparen. Insbesondere würden regenerative Energien und KWK-Anlagen nachgefragt.

Dabei hat für ihn die Förderung per EEG und KWKG keine große Bedeutung: »Wir achten stets darauf, dass sich die eingesetzten Technologien nachhaltig rechnen und ihr Einsatz langfristig sinnvoll ist. Jede Technologie, die sich ausschließlich durch Förderungen rechnet, ist nachhaltig nicht sinnvoll.« Dagegen hält Gilges den Stopp des Impulsprogramms für den falschen Weg. »Viel sinnvoller ist die kontinuierliche Reduktion der Förderbeträge«, sagt der Experte. (mn)

Effizienzpreis

Umweltmeister

2009 hat german contract auf der Zugspitze seine Nachhaltigkeitskampagne ins Leben gerufen. Rund ein Jahr später wurden dort die Gewinner des ›UmWeltmeister-Award‹ prämiert. Als Sieger waren dabei: die Hamburger Park-residenz Rahlstedt als Gewinner der Kategorie ›Gastgewerbe‹, für den Bereich ›Wohnungswirtschaft‹ die Wohnungsgesellschaft Ruhrgebiet, in der Klasse ›Fachhandwerksbetrieb‹ die Neusser Stamos GmbH sowie die Lechner Projectbau GmbH mit dem Preis in der Kategorie ›Neubau‹.

Erschienen in Ausgabe: 05/2010