Scharfe Kritik vom Biogasrat

Vorstand und Geschäftsführung des Industrieverbandes Biogasrat - dezentrale Energien haben am 19. Februar scharfe Kritik an der Energiepolitik der Bundesregierung geübt.

20. Februar 2014

Anton Daubner, Vorsitzender des Biogasrat bemängelt, dass die Bundesregierung fast ausschließlich auf den noch schnelleren Ausbau von Wind- und Sonnenenergie setze und zugleich die einzige erneuerbare Energie, die die Defizite der fluktuierenden ausgleichen kann, nämlich Biogas- und Biomethan, fast vollständig ausbremse. Diese Energieträger seien vor allem für den Kraft-Wärme-Sektor wichtig.

Der Biogasrat kritisiert vor allem die 100-MW-Grenze für Biomasse-Anlagen. »Das reicht vielleicht für kleine bayrische Gülleanlagen, die wichtig für den Boden- und Grundwasserschutz sind, aber nicht für eine Strom-und Wärmeversorgung im industriellen Maßstab«, so Anton Daubner. Und Geschäftsführer Reinhard Schultz ergänzt: »Die Bundesregierung will bis zum Jahr 2020 25 Prozent der Stromversorgung auf Basis von Kraft-Wärme-Kopplung, entzieht aber bereits bestehenden KWK-Anlagen rückwirkend die bislang garantierte Möglichkeit, nach Auslaufen der 10 Jahre KWK-Förderung weitere 10 Jahre ins EEG zu wechseln und statt Erdgas Biogas und Biomethan einzusetzen. Damit werden viele KWK-Anlagen wirtschaftlich notleidend und viele Biomethaneinspeiseanlagen werden in Konkurs gehen. Das motiviert kein Stadtwerk und keinen privaten Investor, sein Gelds in KWK-Technologie zu stecken. Der Biogasrat geht davon aus, dass diese Konsequenzen bislang von Teilen der Politik nicht durchschaut worden sind.«

Der Biogasrat weist auf Forschungsergebnisse von Prof. Dr .Georg Erdmann von der FU Berlin hin. Dieser habe ausgerechnet, dass wegen der geringen Verfügbarkeit und des hohen Absicherungsaufwandes Photovoltaik die mit Abstand teuerste erneuerbare Energie ist und bleibt, gefolgt von Offshore Wind. Am günstigsten seien Windkraftanlagen an Land, obwohl auch sie abgesichert werden müssen. Aber Biogas- und Biomethan bewegten sich in einem guten Mittelfeld, stünden ständig zur Verfügung, sind flexibel einsetzbar und damit ideal für Systemdienstleistungen. Anton Daubner unterstreicht, dass die Biomethanbranche in der Lage sei, innerhalb von 5 Jahren ihre Kosteneffizienz um 30 % zu steigern.

In Deutschland sind 40.000 Menschen in der Wertschöpfungskette Biogas und Biomethan beschäftigt. »Die Biogas- und Biomethantechnologie ist High-Tech, nach der die ganze Welt fragt. Wir exportieren inzwischen in 120 Länder der Welt. Wenn Deutschland diese Erfolgstechnologie einstampft, ist sie im Ausland nicht mehr verkaufbar. Dann haben wir den ökologischen Transrapid und andere Industrienationen machen das Geschäft«, fürchtet Reinhard Schultz. Zudem herrsche in Deutschland kein Mangel an Flächen für den Anbau von Bioenergiepflanzen. »Natürlich gibt es regionale Verwerfungen, wo Massentierhaltung und Biogaswirtschaft zusammen für eine sehr hohe Mausdichte sorgen. Das ist Ergebnis einer falschen Förderung, die ab 2012 eingestellt wurde«, unterstreicht Anton Daubner, der im Hauptberuf Geschäftsführer von Agri Capital, Europas größten Betreiber von Biogasanlagen ist. »Wir wollen schrittweise die großen Potenziale an biologisch-organischen Reststoffen ausschöpfen, die bis zu 8 Mrd.m3 Biomethan im Jahr ausmachen können. Aber das schaffen wir nicht über Nacht.«

Der Biogasrat fordert Bundesregierung, Bundestag und Bundesländer auf, die Energiewende konsequent zu Ende zu denken. Im Hinblick auf das EEG erwarte man absoluten Vertrauens- und Bestandsschutz für KWK-Anlagen und Biomethaneinspeiseanlagen. Darüber hinaus seien ein jährlicher Zuwachs von 500 MW Stromerzeugung aus Biogas- und Biomethan aus nachwachsenden Rohstoffen und eine Freigabe der Verstromung von Reststoffen zwingend erforderlich. Im Mittelpunkt soll die Einspeisung von Biogas in das Erdgasnetz stehen. Der dafür erforderliche Aufbereitungsaufwand soll wie bisher zusätzlich vergütet werden.