Schaufenster der H2-Metropole

Die Ziele Hamburgs sind hoch: Die Elbmetropole soll Wasserstoff- Hauptstadt Europas werden. Um dies umzusetzen, wurden einige bedeutsame Projekte auf den Weg gebracht. Gut in die Strategie passt der Branchentreff H2Expo, der vom 25. bis 26. Oktober stattfindet.

05. September 2006

„Wir müssen jetzt konkrete Erfahrungen in der Alltagsanwendung des Wasserstoffs gewinnen“, sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee als er das ‚Nationale Innovationsprogramm Wasserstoff und Brennstoffzellen’ im April diesen Jahres vorstellte. „Deswegen werden wir jetzt, ganz ähnlich wie dies bereits in Japan und den USA geschieht, ein umfangreiches, auf zehn Jahre angelegtes Arbeits- und Marktentwicklungsprogramm für Wasserstoff und Brennstoffzellen für die mobile und stationäre Anwendung entwickeln“, versprach der Minister. Gemeinsam mit Industrie und Wissenschaft werde dies ab 2007 in konkreten Forschungs- und Entwicklungsprojekten umgesetzt.

Inklusive Industrie sollen in den kommenden zehn Jahren rund eine Mill. € investiert werden. „Der Bund stellt allein 500 Mio. € bereit“, so Tiefensee. Auch der Standort Hamburg soll dabei eine tragende Rolle spielen. Dafür spricht die Unterstützung der politischen Gremien sowie die bestehende Infrastruktur in der Hansestadt. „Wir wollen Hamburg zu einer führenden Metropole für die wirtschaftliche Nutzung von Wasserstoff machen“, sagt Hamburgs Umweltsenator Dr. Michael Freytag. Mit der Landesinitiative für Brennstoffzellen( BZ)- und Wasserstofftechnologie Hamburg wurde 2005 ein Netzwerk geschaffen, das gezielt Kooperationspartner vereinen und die nötige Unterstützung auf politischer Ebene sichern soll.

Erst kürzlich hat der Senat zudem beschlossen ein ‚Kompetenzcluster erneuerbare Energie und Brennstoffzellentechnologie’ ins Leben zu rufen. Hamburg habe ein erhebliches Interesse daran, BZ- und Wasserstoffprojekte zu realisieren und die Marktfähigkeit dieser Technologien zu fördern, betont auch Dr. Matthias Sandrock von der Landesinitiative. Die Stadt hat bisher Zuschüsse in Höhe von rund 1,4 Mio. € zu konkreten Projekten gegeben bzw. für in Realisierung befindliche Projekte in Aussicht gestellt. „Voraussichtlich werden auch künftig nicht pauschal Mittel zur Verfügung gestellt, sondern Zuschüsse zu konkreten Vorhaben mit nachweisbarem Nutzen für die Umwelt und den Standort Hamburg gegeben“, sagt Dr. Sandrock. Bundesmittel hat der Stadtstaat bisher in Höhe von rund 11 Mio. € erhalten oder sie wurden den jeweiligen Antragstellern in Aussicht gestellt.

Hamburg kann - verglichen mit anderen europäischen Metropolen - eine hohe Anzahl an konkreten Anwendungen der BZ-und Wasserstofftechnologie vorweisen:

• Seit Februar 2006 setzt die Hochbahn weitere sechs Brennstoffzellenbusse ein, die vorher in Stuttgart und Stockholm zum Einsatz kamen. Damit hat die Stadt mit insgesamt neun Bussen die weltweit größte Flotte von BZ-Bussen.

• Ein BZ-Kraftwerk Hot Module von MTU CFC Solutions produziert seit April Strom und Wärme im neuen Stadtteil HafenCity (siehe bzm 01/06)

• Im Februar haben Vattenfall Europe Hamburg und E.on Hanse gleich zwei BZ-Heizgeräte Beta 1.5 (je 1,5 kWel und 3 kWth) von European Fuel Cell ans Netz genommen.

• Mehrere Flurförderzeuge (Gabelstapler und Gepäckschlepper) sollen noch dieses Jahr in Betrieb gehen.

• Neue Projekte - wie der Bau eines brennstoffzellenbetriebenen Alsterdampfers oder das Erarbeiten eines Car-Sharing- Konzeptes mit alternativ betriebenen Fahrzeugen für Hamburger Unternehmen - sind in Vorbereitung.

Strukturpolitisch verspricht sich die Stadt durch ihr gezieltes Engagement „den Erhalt und die Schaffung von wettbewerbsfähigen Hightech-Arbeitsplätzen mit der damit verbundenen Wertschöpfung in Hamburg“. Ein konkretes Gesamt-Förderkonzept für die BZ-Technologie auf Basis der vorhandenen Einzelprojekte wird zur Zeit erarbeitet, erläutert Dr. Sandrock.

Die nächsten Milestones sind die Erweiterung der Busflotte und die Herstellung der in Hamburg produzierten Einfamilienhaus- Heizgeräte in Kleinserie. Auch für die Flurförderzeuge, die ebenfalls von einer Hamburger Firma produziert werden, ist nach der ersten Bewährungsprobe eine Kleinserienfertigung geplant.

Genau ins Konzept passt hier, die in diesem Jahr vom 25. bis zum 26. Oktober stattfindende Internationale Konferenz und Fachmesse H2Expo. Die in der Elbmetropole bereits zum sechsten Mal durchgeführte Veranstaltung diene der Stadt „als Schaufenster zur regelmäßigen Präsentation der jeweils erreichten Erfolge ihrer Brennstoffzellen- und Wasserstoffprojekte“, erläutert Dr. Sandrock die Synergien. Mit der Darstellung auf der H2Expo werde gleichzeitig um weitere Partner und Industrie-Ansiedlungen geworben.

70 Referenten aus 15 Ländern präsentieren den aktuellen Stand

Und auch die Inhalte der Konferenz der H2Expo scheinen eng mit den Zielvorstellungen der Stadt konform zu gehen. Die Schwerpunkte bilden in diesem Jahr die Themen Transport (Busse, Luft- und Schifffahrt), Infrastruktur sowie Wasserstoff in Verbindung mit der Nutzung erneuerbarer Energien. „Rund 70 Referenten aus insgesamt 15 Ländern sorgen mit hochkarätigen Vorträgen für spannende Diskussionen über den aktuellen Stand der Entwicklungen“, verspricht Projektleiter Peter Bergleiter (siehe Interviewkasten).

Einige Highlights werden in diesem Jahr zu sehen und zu hören sein. So wird beim Symposium unter anderem der Entwicklungsstand in Japan von Dr. Honda, Koordinator BZ und Wasserstoff im Büro des Ministerpräsidenten, vorgestellt. Den Stand in den Vereinigten Staaten wird Prof. Mark Williams von der University of Utah, bis vor kurzem Programmleiter Fuel Cells im US Department of Energy, präsentieren. Über die europäischen Entwicklungen informiert Dr. Tsotridis, Leiter BZ-Forschung im Institut for Energy im Forschungszentrum der europäischen Kommission. Bei den Workshops liegen die Themen- Highlights unter anderem bei neuen SOFC-Entwicklungen für die Luftfahrt, Fragen der Brenngaserzeugung und Untersuchungen der Kombinationen von SOFC mit Gasturbinen, dem Einsatz von Biobrennstoffen sowie neuen Ansätzen zur Wasserstofferzeugung und -speicherung. Interessant dürfte auch der Bericht zu Erfahrungen mit dem neuen Hybrid-Fahrzeug von Michelin sein. (mn)

Auf der H2Expo

Internationale Konferenz

Die begleitende international ausgerichtete Konferenz der H2Expo 2006 gliedert sich in Symposium und Workshops: Das Symposium am 25. Oktober gibt mit Statusberichten aus den USA, Japan und der EU einen Überblick über die technologischen Entwicklungen. Die Workshops am 26. Oktober beschäftigen sich mit den Themen Transport (Busse, Luft- und Schifffahrt), Infrastruktur und Wasserstoff in Verbindung mit erneuerbaren Energien.

„Wichtige Nahtstelle“

bzm: Die H2 Expo entwickelt sich immer mehr zum Kongress mit begleitender Ausstellung. Was sind die Hintergründe des Messekonzeptes? Bis zur kommerziellen Anwendung der Wasserstoff- und Brennstoffzellen- Technologie sind weitere Forschungsarbeiten notwendig. Umso wichtiger ist es, Herstellern, Anwendern und Entwicklern dieser zukunftsweisenden Technologie ein beständiges Forum zu bieten. Mit dieser Verknüpfung von begleitender wissenschaftlicher Konferenz und Fachausstellung ist die H2Expo eine wichtige Nahtstelle zwischen Forschung und Entwicklung auf der einen sowie der Industrie auf der anderen Seite.

bzm: Was sind Alleinstellungsmerkmale gegenüber anderen Veranstaltungen? Die H2Expo ist eine der wichtigsten Informationsplattformen und Branchentreff für die internationale Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Gemeinschaft. Zudem findet sie in einer der führenden Metropolen für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie statt. Vor allem unsere Cluster Transport und erneuerbare Energien bieten beste Voraussetzungen für die Branche, denn hier in Hamburg laufen mehrere zukunftsweisende Projekte, die für die Anwendung der Technologie beispielhaft sind.

bzm: Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der Veranstaltung? Bereits drei Monate vor der H2Expo haben wir mit 34 Ausstellern den Stand der Vorveranstaltung übertroffen, was uns natürlich sehr freut. Auch bei den Besucherzahlen rechnen wir mit einer positiven Entwicklung. 2005 zählten wir rund 1.400 Besucher.

bzm: Was sind aus Ihrer Sicht in diesem Jahr Schwerpunkte und Highlights, die Sie Ihren Besuchern bieten werden? Um die beiden Brennstoffzellen- Mobile, die wir in diesem Jahr zeigen, so richtig in Szene setzen zu können, haben wir dafür auf der Ausstellung eine Rennstrecke gebaut. ‚Schluckspecht III’ ist hier erstmals zu sehen, mit ‚Fortis Saxonia’ können die Besucher sogar selber ein paar Runden drehen. Ein Beispiel für die Anwendbarkeit der innovativen Technologie ist der brennstoffzellenbetriebene Motorsegelflieger Hyfly, den Extra Energy präsentiert. Darüber hinaus wird die 7,50 m lange ‚H2Yacht’ erstmals der Branche vorgestellt. Als weiteres Novum ist in diesem Jahr auch der Ausstellungsbereich Science@H2Expo gut angenommen worden. Hier haben Forschungsinstitute und Universitäten die Gelegenheit, ihre neuesten Projekte und Ergebnisse vorzustellen und Kontakte zur Wirtschaft zu knüpfen. Dadurch wollen wir die Schaffung von Synergien unterstützen und die Wettbewerbsfähigkeit fördern.

bzm: Wie sehen Sie die Bedeutung der Veranstaltung im internationalen Kontext? Die Unterstützung der H2Expo durch internationale Verbände wie die ASME, die American Society of Mechanical Engineers und The National Hydrogen Association zeigt die wachsende Bedeutung unserer Veranstaltung. Auch der gestiegene Auslandsanteil der Referenten unserer Konferenz spiegelt die Internationalisierung der H2Expo wider. Rund 64 Prozent dieser Experten kommen aus dem Ausland. Hamburg wird auch hier zum Tor zur Welt.

Erschienen in Ausgabe: 03/2006