Schlafender Gigant der Erneuerbaren

ERZEUGUNG Die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls war der Start für eine Reformierung der russischen Energielandschaft. Im Fokus der Strategie 2020 steht die dezentrale Versorgung.

01. Juni 2007

Dank der guten Wirtschaftskonjunktur wächst der Strombedarf in Russland deutlich schneller als vor Jahren erwartet. Die geringe Energieeffizienz der russischen Wirtschaft trägt das Übrige zum starken Anstieg des Konsums bei. So wurde 2006 nach Angaben des Wirtschaftsministeriums 3,7 % mehr Strom verbraucht als 2005.

Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nahm im gleichen Zeitraum um 6,7 % zu. Auf einen solchen Ansturm ist der Stromsektor jedoch kaum vorbereitet. 15 Jahre lang wurde kaum in neue Kraftwerke investiert und nur wenig modernisiert. Reserven für mehr Stromproduktion gibt es kaum.

Der hohe Anteil von knappem und teuer werdendem Erdgas erweist sich zunehmend als ein Riesenproblem. Fertiggestellte und effektive erdgasbefeuerte Kraftwerke kommen nicht richtig ins Laufen, weil sie nicht genügend Erdgaszuteilungen bekommen.

Prognosen zufolge wird der Stromverbrauch von 990 Mrd. kWh im Jahr 2006 auf 1.710 Mrd. bis 2.000 Mrd. kWh im Jahr 2020 zunehmen. Das derzeitige Augenmerk der Energiepolitik liegt auf der weiteren Erschließung der riesigen Erdöl-, Erdgas- und Kohlevorräte. Die Regierung beabsichtigt den Aufbau eines einheitlichen Förder- und Transportsystems in Ostsibirien und im Fernen Osten.

Im Bereich der erneuerbaren Energien schätzt das russische Ministerium für Industrie und Energiewirtschaft das technische Potenzial auf 5 Mrd. Steinkohleeinheiten pro Jahr. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet in Russland ist die Deutsche Energieagentur GmbH (dena).

Die Hoffnungen gehen dahin, dass das gegenwärtig debattierte Energiegesetz für einen Schub der erneuerbaren Energien auf regionaler Ebene sorgen wird. Denn Russland setzt auf den Bau von Inselnetzen, die besonders in bevölkerungsarmen Gebieten die Energieversorgung kostengünstig sichern sollen.

Als Vorreiter im Bereich der erneuerbaren Energien könnte Deutschland hier seinen Teil beitragen. Laut der Internationalen Energieagentur IEA verfügt der »schlafende Gigant der erneuerbaren Energien« Russland über ein Potenzial, das rund 30 % des heutigen Energiebedarfs decken könnte.

BIOMASSE: GRÖSSTES POTENZIAL

Der wichtigste ›grüne‹ Energieträger ist derzeit die Wasserkraft mit einem Anteil von rund 19 % an der Stromerzeugung. Diese Erzeugungsform soll bis zum Jahr 2020 um 30 % ansteigen.

Beste Aussichten werden der Biomasse zugeschrieben. Hintergrund: Russland vereint rund ein Viertel aller Waldbestände der Welt und kann nach Expertenmeinung zum größten Exporteur von Holzspan und Pellets nach Europa werden. Zwar erhöht sich die Anzahl der Pelletieranlagen stetig, jedoch werden sie noch viel zu wenig genutzt.

Ein Projekt findet derzeit in der Region Swerdlowsk statt, die beim Ausbau regenerativer Energien künftig mit der dena zusammenarbeitet. Das zweitwichtigste Industriegebiet Russlands will mit dena-Hilfe den CO2-Ausstoß senken und die großen Ressourcen an Restholz und Holzabfällen stärker zur Energiegewinnung nutzen.

AUSBAU DER GEOTHERMIE

Auch die Geothermie ist stark ausbaufähig, denn praktisch überall in Russland gibt es Vorkommen unterirdischer Wärme mit einer Temperatur von 30 bis 200 °C. In einigen Regionen kann die geothermale Energie- und Wärmeversorgung 50 bis 90 % des Gesamtverbrauchs decken. So sind beispielsweise die Halbinsel Kamtschatka und die Kurilen-Inseln imstande, geothermale Kraftwerke in einer Größenordnung von 1.000 MW bereitzustellen.

Im Bereich der Windenergie spielen die riesigen Flächen Russlands eine wichtige Rolle. Die besten Wind-Standorte sind die Küstenregionen sowie weite Teile der Steppe und die Gebirge. Die dena plant derzeit mit dem Stromkonzern RAO UES einen Windpark im nordsibirischen Tiksi mit 6 MW.

Ein interessanter Markt also. Für Firmen ist eine Messebeteiligung häufig der erste Schritt, um in diesen Markt hineinzukommen. Eine Möglichkeit bietet sich im November mit der Embiz Moscow.

MesseEmbiz Moscow 2007

OWP Ost-West-Partner wird vom 27. bis 29. November 2007 den Relaunch der bisherigen ›Save Energy‹ - jahrelang Wegbereiter für Firmen aus dem Bereich der Energiespartechnik - vollziehen. Diese wird unter dem Namen Embiz Moscow 2007 neu ausgerichtet. Das Augenmerk gilt dabei nicht nur mehr der Energiespartechnik, sondern der gesamten Palette zukunftsweisender Technologien, gepaart mit einer Konferenz, die - laut Veranstalter - in diesem Segment in Russland einzigartig sein wird. Parallel findet die Messe Interlight statt.

Erschienen in Ausgabe: 06/2007