Schlüsselrolle bei CO2-Vermeidung

CONTRACTING - Mit Steigerungsraten von 10 bis 15 % holt Deutschland im internationalen Vergleich nach und nach auf.

06. Juni 2006

„Wir als Contracting-Anbieter operieren in einem der wenigen dynamischen Märkte mit Steigerungsraten von 10 bis 15 Prozent jährlich“, sagte Dr. Jobst Klien, Vorsitzender des Contracting Forums im Elektro(nik)verband ZVEI, auf der Hannover Messe. Die aktuelle Marktgröße liege etwa bei 1,1 Mrd. € Umsatz pro Jahr.

Das Wachstumspotenzial im Inland ist nach wie vor groß. Erreicht Frankreich etwa 40 % des Volumens im europäischen Markt, so liegt der deutsche Anteil erst bei gut 10 %. Contracting-Experte Klien ist aufgrund des Nachholbedarfs für die Zukunft optimistisch: „Die von Marktforschern bereits für das Jahr 2007 prognostizierte Umsatzgröße von etwa 1,7 Milliarden Euro sehen wir zwar noch nicht im nächsten Jahr als realistisch an, aber bei anhaltender Wachstumsrate in zwei bis drei Jahren.“

Derzeit werden nach Marktforschungserkenntnissen noch über 60 % der Umsätze mit Wärmecontracting das heißt Dampf- und Heißwasseranlagen ? erzielt. Für die meisten Projekte gelte, so Klien: „Mit der Übernahme häufig veralteter und ineffizienter Anlagen durch die Contracting-Anbieter sowie deren anschließende Modernisierung fließen erhebliche Teile der Anlageninvestitionen auch in die Kraft-Wärme-Kopplungs-Technik mit ihren bekannt hohen Wirkungsgraden von über 80 Prozent.“

Die Nutzung hochmoderner KWK-Anlagentechnik biete nicht nur das größte Potenzial zur Effizienzsteigerung und damit zur Kostensenkung, sondern habe auch eine Schlüsselrolle bei der Reduzierung von Emissionen. „Über die klassische Lösung mit Gasturbine, Abhitzekessel und nachgeschalteter Dampfturbine oder einer Gasmotorenanlage mit Zusatzkessel hinaus können zum Beispiel moderne Kesselanlagen mit Braunkohlenstaubfeuerung und Dampfturbine ökologisch und ökonomisch eine Alternative sein“, erläuterte Klien.

Auf dem Weg zu einer Steigerung des KWK-Anteils vermisst der Contracting-Experte die Unterstützung der Politik. Das Inkrafttreten des EnWG habe nicht die vom Contracting Forum kritisierte Vorgabe des novellierten EEG zur Einbeziehung von Contracting-Lösungen in die Umlagemechanismen nach EEG beseitigt. „Damit wird das Gegenteil dessen erreicht, was politisch beabsichtigt war: über die KWK-Förderung wesentlich zur Einhaltung der Klimaschutzziele beizutragen“, kritisiert Klien. Eine Neupositionierung sollte kurzfristig mit dem Ziel erfolgen, KWK-Technik auch für Neuanlagen wirtschaftlich noch attraktiver zu machen. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 06/2006