Schlummernde Potenziale

EINKAUF - Viele Kliniken nutzen die Chancen, durch gezielten Stromeinkauf ihre Kosten zu reduzieren, noch zu wenig. Dass dies jedoch sinnvoll ist, zeigt die MediClin-Gruppe.

21. Februar 2006

Die MediClin ist ein bundesweit tätiger Klinikbetreiber. Mit 30 Klinikbetrieben und sechs Pflegeeinrichtungen in elf Bundesländern verfügt man über eine Gesamtkapazität von zirka 7.700 Betten. Für die MediClin arbeiten rund 6.900 Mitarbeiter.

Seit der Liberalisierung des Strommarktes stellt der Klinikbetreiber die Bezugspreise der elektrischen Energie regelmäßig auf den Prüfstand. „Zwar ist der Anteil des Stroms an den Betriebskosten unserer Kliniken relativ gering, doch ihr Anstieg ist enorm“, sagt der für die Strombeschaffung zuständige Mitarbeiter Franz Ebert. „Oft wird das Sparpotenzial bei der Energiebeschaffung schlicht nicht erkannt oder bleibt ungenutzt“, berichtet Elmar Ruf. Der Vertriebsleiter der EGT Energiehandel GmbH kennt die Situation in den Kliniken: „Es geht um Preisvorteile von rund drei bis fünf Prozent. Die wirken sich nebenbei auch voll auf die von öffentlichen Betreibern nicht absetzbare Umsatzsteuer aus.“

Es fehle vor allem in kleineren Häusern das Know-how zur richtigen Ausschreibung und Beurteilung der Angebote. Enthält die Ausschreibung beispielsweise keine Lastprofile, so kann der Stromlieferant kein exaktes Angebot unterbreiten, beklagt Ruf. „Wir beraten und unterstützen Kliniken bei diesen Vorbereitungen“, so Ruf weiter, „schließlich geht es um einen transparenten und fairen Wettbewerb.“ Auch die Vertragsgestaltung selbst, die Laufzeit und die Berücksichtigung der voraussichtlich sinkenden Netzkostenanteile beeinflussten direkt die Chance auf Kostenminderung.

Bei der jüngsten Ausschreibung der MediClin erhielt die EGT Energiehandel den Zuschlag für die Belieferung von insgesamt 17 Standorten. Die Offenburger Klinik an der Lindenhöhe, MediClin, wird bereits seit September beliefert, die anderen Standorte folgen stufenweise. So liefert die EGT seit Jahresanfang auch Strom an die MediClin-Kliniken Dünenwald Klinik Insel Usedom, Seebad Trassenheide oder an das Neuro-orthopädische Reha-Zentrum Bad Orb - insgesamt 16 Mio. kWh pro Jahr. „Die einzelnen Kliniken sind eher mittelgroße Stromabnehmer, in der Summe ist MediClin für uns aber ein sehr großer Kunde“, sagt Sascha Korts, Projektleiter MultisiteService bei der EGT.

Multisite-Service

MediClin profitiere nicht nur von den günstigen Preisen, sondern auch vom so genannten Multisite-Service der EGT. Hierzu gehören verschiedene Dienstleistungen der EGT. Bei MediClin beispielsweise prüft die EGT die Netznutzungskosten, die für die Durchleitung des Stroms zur jeweiligen Abnahmestelle anfallen. Durch die Preisgleitklausel werden Netznutzungsänderungen transparenter für den Kunden.

Der Multisite-Service der EGT ist speziell für Unternehmen oder Institutionen konzipiert, die über viele Standorte, Filialen oder Niederlassungen verfügen. Traditionell wird jeder Standort separat beim zuständigen Stromversorger angemeldet und von diesem einzeln abgerechnet.

Dies wiederum hat für das Unternehmen einen hohen Koordinations- und Verwaltungsaufwand zur Folge, schließlich muss jede einzelne Rechnung geprüft und dem Standort zugeordnet werden.

Als weiteres Instrument zur Steuerung der Stromkosten bietet das Triberger Unternehmen die so genannte Preisgleitklausel an. Dieser optionale Vertragspassus ermöglicht dem Strombezieher, zu einem selbst gewählten Zeitpunkt die in der Regel auf ein Jahr fixierten Lieferverträge zu verlängern.

Dies kann bereits vor dem Ende des laufenden Vertragesgeschehens, beispielsweise wenn die Preise an der Strombörse besonders günstig sind. In diesem Fall erhält der Kunde die Stromlieferung im Anschlussjahr zu exakt den Preisen, die am Tag der Verlängerung gelten. So bekomme der Kunde die Chance, „direkt von den Verschiebungen an der Strombörse zu partizipieren“, erläutert Korts.

Angebot für Aktive

Die Klausel eigne sich in erster Linie für Kunden, die den Strommarkt aktiv verfolgen und die Preisentwicklung bewusst nutzen wollen, weiß der Experte. Die Preisgleitklausel beziehe sich je nach Kundenwunsch auf den reinen Energiepreis, die Entgelte für die Durchleitung durch fremde Netze oder auf beides, berichtet das Unternehmen aus dem Schwarzwald.

Erschienen in Ausgabe: 01/2006