Schnelle Kompetenz vor Ort

Technik

Netze - Mit IT-gestützter Ressourcenplanung optimieren Versorger Betrieb, Instandhaltung und Störungen ihrer Versorgungsnetze. Neue Lösungen laufen in Hamburg und Darmstadt.

14. April 2009

Die intelligente und effiziente Steuerung von Personal, Werkzeug und Material in allen Versorgungsnetzen ist das Ziel eines jeden Versorgers. Das IT-gestütze Workforce Management hilft dabei. Jeder Vorgang etwa im Netzausbau – von der Bauanfrage bis hin zur Durchführung und Wartung – kann so als elektronische Projektakte beim Netzbetreiber bearbeitet werden.

Für eine schnelle Reaktion auf eingehende Störungsmeldungen von Kunden ist seit Kurzem etwa eine leistungsfähige Workforce-Management-Lösung bei der Hamburger Vattenfall Europe Distribution im Einsatz. Über das von der Vattenfall Europe Information Services entwickelte IT-System ›PowerWork‹ werden den Mitarbeitern via UMTS aktuelle Serviceeinsätze auf ihre mobilen Endgeräte übertragen. Bereits schon zu Arbeitsbeginn können sie ohne Leerfahrt direkt zu ihrem ersten Einsatzort aufbrechen. Alle relevanten Betriebsmitteldaten sind auf den lokalen Festplatten der mobilen Clients gespeichert. Ein täglicher Differenzabgleich mit dem SAP-System sorgt für die notwendige Aktualität der Betriebsmitteldaten. Die webbasierte Lösung unterstützt den kompletten Serviceeinsatz von der Aufnahme der Aufträge über die Planung und Steuerung der Mitarbeiter bis zur Routenplanung und Rückmeldung der bearbeiteten Außendienstaufträge im System.

Routenoptimierte Tagestour

Zu Jahresbeginn wurde das vorgegebene Auftragsvolumen der geplanten Instandhaltungsarbeiten aus dem SAP-System in den Auftragspool des ›PowerWork‹ übertragen. Aus diesem Pool stellen die Arbeitsplaner routenoptimierte Tagestouren für die Außendienstmitarbeiter zusammen.

Neben der geografischen Nähe zur Störungsstelle hält das System auch Informationen zu den Mitarbeiterqualifikationen und der benötigten Ausrüstung an Bord bereit. Nach Auswahl des Technikers werden diesem dann alle notwendigen Daten zum Auftrag mobil zur Verfügung gestellt. Auf dem Display seines mobilen Endgerätes leuchten neben Kundeninformationen die Art der Störung sowie die zu bearbeitende Spannungs-ebene auf. So soll sichergestellt werden, dass die Arbeiten nur von entsprechend qualifizierten Mitarbeitern ausgeführt werden.

Größtmögliche Netztransparenz hat auch der größte Energiedienstleister im Rhein-Main-Neckar-Raum – die HEAG Südhessische Energie AG (HSE) – im Blick. Um den Netzbetrieb weiter zu optimieren, stehen erstmals im Leitsystem die Geoinformationssystem(GIS)-Daten auch der Querverbundleitstelle zur Verfügung. Bei Störfällen oder Baumaßnahmen kann das Leitstellenpersonal die Netzdaten in der gleichen Darstellung betrachten wie die Techniker vor Ort am MobileViewer.

Möglich wird dies durch die neue GIS-Lösung ›G!nius‹ aus dem Hause Intergraph, die seit Sommer vergangenen Jahres in Darmstadt im Produktivbetrieb läuft. Das System löst die drei Altsysteme ab, die schon vor der im Jahr 2003 erfolgten HSE-Fusion aus HEAG Versorgungs-AG und der Südhessischen Gas und Wasser AG im Einsatz waren. Die Datenhaltung war uneinheitlich und die Systeme untereinander nicht kompatibel. Aus diesem Grunde hat die HSE ihre Netzinformationssysteme vereinheitlicht und auf den aktuellen technischen Stand gebracht. Diese Lösung deckt die Anforderungen der Sparten Strom, Gas, Wasser, Telekommunikation und zukünftig auch der Sparte Fernwärme ab. Die Daten und Informationen stehen über 400 Konzern-Mitarbeitern aus den netzrelevanten Bereichen für unterschiedlichste Aufgaben zur Verfügung. »Wir können nun detailliertere und komplexere Daten erfassen und verwalten. So wird jetzt auch die Netztopologie mit allen Schaltzuständen im GIS dokumentiert. Auf dieser Basis können Auswertungen, die wir etwa für die Bundesnetzagentur erstellen müssen, sowie weiterführende Anwendungen, wie zum Beispiel der Netzberechnungen, erstellt werden«, betont Gerhard Regenbogen, Leiter Netzinformationssysteme bei der für den Netzbetrieb zuständigen HSE-Tochtergesellschaft Verteilnetzbetreiber (VNB) Rhein-Main-Neckar.

Um auch zukünftig die Prozesse der Instandhaltung und Störungsbeseitigung weiter zu verbessern und den Anforderungen der Bundesnetzagentur gerecht zu werden, steht das neue Netzinformationssystem der HSE offen für weitere Funktionen. (ds)

Studie

Effizienz im Netz

Wie kann eine intelligente Auftrags- und Einsatzsteuerung die Effizienz im Netzbetrieb steigern? Inwieweit können durch eine zentrale Arbeitsaufbereitung Netzbau und -instandhaltung besser gesteuert und Kosten genauer erfasst werden? Wer sind die führenden Anbieter von Workforce-Management-Lösungen und wie entwickelt sich der Wettbewerb um Kunden?

Mit den Antworten auf diese Fragen beschäftigt sich derzeit ein Marktforschungsinstitut. Dessen Studienresultate greift ›e in einer der kommenden Ausgaben auf.

Erschienen in Ausgabe: 04/2009