Schnuppertour mit Sinn

Test & Technik

Im Projekt eE-Tour Allgäu wird eine kommunikationsfähige Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge entwickelt. So unterstützt ein Bordcomputer den Fahrer bei der Navigation und berücksichtigt auch den Ladezustand.

27. Mai 2011

Fahrspaß der anderen Art findet man neuerdings im Allgäu. Die weiß-grünen Autos gehören mancherorts schon zum Bild und werden automatisch mit Elektromobilität assoziiert. Doch haben die grünen Flitzer darüber hinaus noch einen anderen Hintergrund. Im Rahmen des Förderprogramms ›IKT für Elektromobilität‹ entwickeln bis September 2011 sieben Modellprojekte Lösungen für den Aufbau einer E-Mobility-Infrastruktur. Eines dieser Projekte ist eE-Tour Allgäu. Hier helfen Touristen ganz nebenbei den Forschern zu ihren notwendigen Daten für den Pilotversuch und testen die Anwendung im alltäglichen Gebrauch.

In der Region mit typisch ländlicher Infrastruktur und einer bergigen Topographie ist für Einheimische und Gäste die individuelle Mobilität von großer Bedeutung. Mit dem Projekt sollen die Möglichkeiten der Elektromobilität im Tourismus erforscht und realisiert werden. Ein weiteres Ziel ist es, dieses Konzept zu einem Alleinstellungsmerkmal der Region werden zu lassen und die Attraktivität als Urlaubsziel zu erhöhen. Die Gäste sollen Geschmack an Elektromobilität finden und sie ausprobieren können.

Urlaubern und Einheimischen stehen eine Flotte von 40 E-Autos verschiedener Typen sowie weitere zehn Fahrzeuge in Form von Segways, E-Rollern und Vectrix zur Verfügung. Diese können derzeit über Hotels, bei zwei Tourist-Informationen, einem Autovermieter und einem Car-Sharing-Unternehmen gemietet werden. Das Tanken ist während der Projektlaufzeit umsonst.

»Einheimische gehörten ursprünglich nicht zur primären Zielgruppe. Die Anfragen aus der Region haben uns aber dazu bewogen, mit den Mobilitätspartnern zu vereinbaren, dass auch diese ein Fahrzeug mieten können«, sagt Christiaan Niemeijer, Projektmanager für den Bereich Marketing und Geschäftsmodelle bei eE-Tour Allgäu.

Die Fahrzeuge sind vor allem in den vier beteiligten Tourismuszielen Oberstaufen, Oberstorf, Bad Wörishofen und Füssen gepoolt. Die jeweiligen Partner haben Zugriff auf alle in ihrem Ort stationierten Fahrzeuge bis zu fünf Autos. Die gesamte Flotte wird über ein internetgestütztes Portal verwaltet. Hier kann der Partner Fahrzeuge reservieren und den Mietvorgang abwickeln.

»Die Resonanz von Urlaubern und Einheimischen auf die Fahrzeuge ist an unseren Standorten unterschiedlich«, berichtet Niemeijer. Zum einen haben die Hotels verschiedene Zielgruppen, die unterschiedliche Anforderungen an Mobilität in der Ferienregion stellen. »Zum anderen mussten wir feststellen, dass die Nachfrage auch vom Engagement und den Voraussetzungen der Mobilitätspartner abhängig ist.« Das Projekt sei da sehr erfolgreich, wo rund um das E-Auto weitere Events organisiert werden. »So werden etwa in Hopfen am See regelmäßig geführte Fahrten mit den Fahrzeugen veranstaltet. Darüber hinaus ist es wöchentlich möglich, einen Nachmittag Schnupperrunden mit den Autos zu drehen.« Grundsätzlich werde an allen Standorten das Angebot positiv angenommen.

Car-PC hat Reichweite im Blick

Im Projekt konnte durch Befragung und Analyse des Nutzungsverhaltens ein Ansatz für das Reichweitenproblem gefunden werden. Durch Ermittlung der benötigten Energiemenge für eine geplante Fahrstrecke unter Berücksichtigung aller Einflussfaktoren wird dem Fahrer ein Werkzeug zur Reichweitenanzeige an die Hand gegeben. Die vor kurzem entwickelte Software für den Bordcomputer oder auch Car-PC unterstützt dabei die Fahrer bei der Navigation. Er leitet aktuelle Messdaten wie den Ladezustand an eine Mobilitätszentrale weiter und erhält von dort Informationen zur Reichweitenabschätzung und Verfügbarkeit von Ladestationen – unter Berücksichtigung der gewählten Route und der Höhenprofile im Allgäu (Eco-Routing). Die technischen Daten des Fahrzeugs und die Bewegungsmuster werden gesammelt und analysiert, um das gesamte IKT-System weiter zu verbessern.

»Derzeit haben wir 18 Car-PC im Einsatz«, so Norbert Baumann, zuständig für Reichweitenprognose und Eco-Routing im Projekt. Einfache Bedienoberfläche, Informationen zum Projekt und telefonische Hilfe sind nur einige Funktionen des Car-PC. Auch geführte vordefinierte Touren aus den in Zusammenarbeit mit Merian entwickelten E-Mobilitäts-Führern sind enthalten.

Neben technischen Lösungen werden auch Geschäftsmodelle und Abrechnungssysteme entwickelt und getestet. »So kann man in einigen Orten das Fahrzeug für zwei Stunden, einen halben Tag oder einen ganzen Tag ausleihen. Manche Hotels bauen das Elektroauto auch als Bestandteil in ihre Pauschalangebote ein«, erzählt Niemeijer.

Hintergrund

Förderprogramm ›IKT für Elektromobilität‹

Seit Sommer 2009 entwickeln und erproben in sieben Modellprojekten knapp 50 Unternehmen und Forschungsinstitute informations- und kommunikationstechnisch (IKT) basierte Lösungen und Dienste für ein reibungsloses Zusammenspiel von E-Fahrzeugen, Verkehrs- und Stromnetzen. Die Ergebnisse der vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) geförderten Projekte sollen im September gezeigt werden. Ein neuer Förderschwerpunkt bis 2014 soll sich anschließen.

Erschienen in Ausgabe: 02/2011