Schrittweise in die Wolke

Titel

IT-Dienstleistungen - Kostendruck und sich stetig ändernde Rahmenbedingungen machen flexible und effiziente IT-Systeme immer wichtiger. Services aus der Cloud können hier eine Lösung sein, gerade wenn sie sichere und flexible Bausteine anbieten, die sich auf die individuellen Bedürfnisse der Nutzer anpassen lassen.

01. August 2012

Im Jahre 1961 hielt der an der Stanford University lehrende US-amerikanische Professor John McCarthy eine Rede am Massachusetts Institute of Technology. Obwohl der 1927 geborene Informatiker eher zu den stillen Stars gehörte, zählte er schon damals zu den genialen Vordenkern der Computerindustrie. Er prägte nicht nur den Begriff Künstliche Intelligenz und erforschte jahrzehntelang deren Grundlagen, sondern prophezeite in seinem Vortrag auch eine Entwicklung, die wir heute als Cloud Computing beschreiben.

»Wenn Computer der Art, wie ich sie befürworte, sich in der Zukunft durchsetzten«, so John McCarthy, »wird Rechenkraft eines Tages vielleicht als Versorgungsdienstleistung organisiert sein, so wie es heute das Telefonnetz ist. Die Computerversorger könnten die Grundlage einer neuen, wichtigen Industrie sein.«

Eine Zukunft, in der wir schon heute fast selbstverständlich leben: Cloud-Lösungen von Apple oder der Telekom speichern Musik, Fotos, Filmaufnahmen oder auch vertrauliche Dokumente quasi auf einer Festplatte in den Wolken. Praktisch immer und an jedem Ort können wir über unseren PC, das Smartphone oder iPad auf unsere ausgelagerten Daten zugreifen, sie bearbeiten und mit Freunden oder Kollegen untereinander austauschen.

Verschiedene Szenarien möglich

Inhabern eines Google-Mail-Account stehen die Möglichkeiten der Cloud ebenso offen wie Millionen Nutzern der mobilen sozialen Netzwerke oder den Kunden des Branchenriesen Amazon, der Anfang der 2000er-Jahre eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung des Cloud Computing spielte.

Virtuell ist Realität – im privaten wie im geschäftlichen Alltag. Die Energie- und Wasserwirtschaft bildet dabei keine Ausnahme. Viele Stadtwerke nutzen seit Jahren Rechenzentrumsdienstleistungen und sichern sich durch die Auslagerung ihrer Unternehmens-IT an vertrauensvolle Partner mit höchsten Sicherheitsstandards für den Ernstfall ab.

»Der Weg in die Cloud kann als wirtschaftliche und effektive Alternative zum klassischen Inhouse-Betrieb über eine Reihe von Szenarien vollzogen werden«, so Sebastian Rehberg, Leiter Rechenzentrumsdienste der SIV.AG, »zum Beispiel, wenn Sie darüber nachdenken, Services für Netzentgeltpreise und Bonitätsauskünfte zu nutzen oder selbst neue Services für Ihre Kunden, wie ein Customer Care Portal, anzubieten.«

fragmentierung verhindern

Wenn es um unterstützende Systeme, die betriebswirtschaftliche Standardprozesse abbilden, geht, sei der Bezug aus der Cloud durchaus sinnvoll. Das gelte besonders dann, wenn der Lebenszyklus der IT-Infrastruktur sein Ende erreicht hat oder gar ein Systemwechsel ansteht. »In diesen Fällen ist es in Zeiten knapper IT-Budgets und Investitionsmittel ratsam, über eine Migration zu einem Cloud Service nachzudenken.«

Das Thema Cloud war und ist ein strategisches Managementthema. Das wurde nicht zuletzt deutlich, als Larry Ellison, Gründer und CEO der Oracle Corporation, im Juni 2012 ankündigte, dass sein Unternehmen ab sofort bereit sei, »die umfassendste Cloud auf dem Planeten Erde« anzubieten. Die Oracle Public Cloud umfasst die Fusion Applications des Unternehmens, die als Software as a Service oder Platform as a Service (SaaS oder PaaS) angeboten werden.

Aktuell nutzen bereits mehr als 100.000 Unternehmen und 25 Millionen User die integrierten Oracle Cloud Services, die ihnen den Zugang zu Oracle Platform Services, Application Services und Social Services ermöglichen. Das gesamte Leistungsspektrum wird von Oracle verwaltet, gehostet und supportet – nicht zuletzt um zu verhindern, dass Daten und Geschäftsprozesse durch die Nutzung mehrerer voneinander getrennter Public Clouds fragmentiert werden.

Als langjähriger Oracle Platinum Partner weiß der Komplettlösungsanbieter SIV.AG um die Vorteile einer integrierten, standardbasierten Plattform. Marco Fiedler, Bereichsleiter Systeme & Service der SIV.AG, betont das ganzheitliche Umsetzungskonzept der Unternehmensgruppe: »Für uns ist Cloud Computing nur ein weiterer logischer Evolutionsschritt. Wir vollziehen gegenwärtig einen radikalen Paradigmenwechsel, der unsere Sicht auf die Welt der IT nachhaltig verändern wird und für unsere Kunden ein erhebliches Kostensenkungspotenzial in sich birgt.«

Das Unternehmen realisiert diesen Wechsel auch mit der Einführung seiner neuen Produktgeneration kVASy 5 – den Start in eine systemoffene, flexibel den individuellen Kundenbedürfnissen anpassbare Prozesswelt. Cloud Services ermöglichen gerade auch kleinen und mittleren Kunden einen unkomplizierten Einstieg – »ganz ohne aufwendige Infrastrukturanpassungen, technische Ausfallzeiten, zusätzliche Hardwareinvestitionen und zukünftige Releasewechsel«, erläutert Milan Frieberg, verantwortlich für die Geschäftsfeldentwicklung des Bereiches bei der SIV.AG.

Einfachheit als Ziel

Aber was ist eigentlich Cloud Computing? Nur ein Synonym für Hosting und andere Rechenzentrumsdienstleistungen? Marco Fiedler versteht es als IT-Philosophie zu »einer bedarfsgerechten, flexiblen und zeitlich begrenzbaren Bereitstellung und zum Betrieb definierter Standard-IT-Services entlang der gesamten Wertschöpfungskette unserer Kunden«.

Bei dem Versuch, eine einfache und verständliche Definition für Cloud Services zu finden, fühlt man sich schnell erschlagen von der Fülle unterschiedlicher Klassifizierungsansätze. »Einfach kann viel schwerer sein als komplex«, wusste schon Steve Jobs. »Man muss hart arbeiten, bis man die eigene Denkweise so rein bekommt, um etwas einfach zu halten. Aber am Ende ist es das wert, denn wenn man einmal dort angekommen ist, kann man Berge versetzen.«

Service nach Bedarf

Das Team um Marco Fiedler versuchte zur besseren Orientierung, das umfangreiche Lösungsspektrum der kVASy Cloud Services in sechs Gruppen zu unterteilen:

Die kVASy ›application cloud‹ enthält das ERP-System kVASy in seiner neuesten Version mit allen Modulen und Applikationen und bietet damit das gesamte Spektrum an Prozessunterstützung und Funktionalität. »Flexibel als Full Service« ist hier das Schlagwort: komplett als Cloud Service, dynamische Servicelevel und Laufzeiten, flexible und spontane Ressourcenzuordnung sowie Patch Management auf Anforderung.

Der Service ›secure desktop cloud‹ steht für die vollständige Auslagerung der Unternehmens-IT in die Cloud, die Minimierung der IT-Investitionen und der nahezu kompletten Auslagerung von IT-Geschäftsrisiken.

Die ›open backup cloud‹ soll als »Die Versicherung aus dem Netz« verstanden werden: Dazu gehört ein Online-Speicher zur Sicherung der Unternehmensdaten, die kontinuierliche Datensicherung in die Cloud, Servicebereitstellung im Falle eines Desasters in definierter Zeit und direkte Risikoauslagerung.

Die vierte Gruppe ›monitoring services‹ steht für »IT-Gesundheit auf einen Blick«: kVASy System Control als Service, intelligentes Monitoring der gesamten Unternehmens-IT, proaktive Fehlerbehandlung und Verbesserung der IT-Verfügbarkeit zählen dazu.

Mit der kVASy ›compliance archive cloud‹ stehen verschiedene Services zur Verfügung. Unter anderem zählt dazu eine bedarfsgerechte Dokumentenarchivierung in die Cloud, schnelles Auffinden von Dokumenten und Informationen, Daten- und Revisionssicherheit sowie Rechtskonformität.

Ein Beispiel ist der kVASy-ERB-Service für den Prozess der Eingangsrechnungsbearbeitung im Unternehmen. Der klassische papiergestützte Umlauf von Kreditorenrechnungen, die dann über die Hauspost an die Bearbeiter an teilweise unterschiedlichen Standorten verteilt werden müssen, ist hier vollständig elektronisch abgebildet und unterstützt alle erforderlichen Freigabeverfahren.

Die ›communication cloud‹ ist die Kommunikationsdrehscheibe für sämtliche Marktprozesse im Rahmen der vom Gesetzgeber und der BNetzA erlassenen Regelungen und Verordnungen wie WiM, MaBiS, GPKE oder GeLiGas. Dieser Service bietet eine Kommunikationsplattform für den verschlüsselten und rechtssicheren Nachrichtenaustausch zwischen allen Marktpartnern der Energiewirtschaft.

Steuerung via Portal

Milan Frieberg: »Wir eröffnen unseren Kunden einen einfachen, bruchstellenfreien Übergang zu kVASy 5. Sie geben selbst die Schrittfolge vor, welche kVASy Cloud Services sie einsetzen wollen. Gesteuert werden diese Services über spezielle Serviceportale, die einfach und bequem von unseren Kunden zu handhaben sind.«

Die Cloud Services werden im eigenen zertifizierten und voll redundanten Rechenzentrum des Unternehmens betrieben, »bei vollständiger Kostentransparenz«, erklärt Sebastian Rehberg. »Unsere definierten Service Level Agreements genügen höchsten Ansprüchen an Datensicherheit und -schutz, sodass unsere Kunden auch gegenüber dem Wirtschaftsprüfer auf der sicheren Seite sind.«

Markt im Aufwind

Zugleich biete man die Möglichkeit, die Cloud-Lösungen ein Jahr lang kostenfrei zu testen. »So können unsere Kunden danach selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang sie unsere Dienstleistungen nutzen wollen.«

Als John McCarthy 1961 das Time Sharing von Rechnerleistung oder Anwendungen als Geschäftsmodell propagierte – ganz so wie man auch die Ressourcen Strom, Wasser oder Gas als public utility zur Verfügung stellt – wird auch er nicht geahnt haben, dass der deutsche Markt für Cloud Computing 2012 die Grenze von 5Mrd.€ überschreitet. Nach einer Studie des Hightech-Verbandes BITKOM steigt das Potenzial bis 2016 sogar auf rund 17Mrd.€.

Dr. Anke Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 06/2012