Schweden mit Rekordpreisen

Börsenblick

Engpass Während in Deutschland und Frankreich der Stromspotmarkt weitgehend unbeeindruckt von den sehr winterlichen Temperaturen war, verzeichnete der Strommarkt in Skandinavien neue Preisspitzen:

09. April 2010

In der Preisregion Schweden sprang der Spotpreis am 22. Februar auf 505 €/MWh für die Grundlast, auf 775 €/MWh für die Spitzenlast und auf 236 €/MWh für die Last im Offpeak. Die teuerste Stunde wurde mit 1.400 €/MWh bewertet, womit die zeitgleiche Preisdifferenz zum deutschen Spotpreis über 1.300 € betrug.

Was war passiert? Sehr niedrige Temperaturen führten in Schweden zu einem rasanten Anstieg der Stromnachfrage auf 25.200 MW, die somit bis zu 4.000 MW über dem Normalwert lag. Entscheidend für den extremen Preisausschlag war jedoch ein starker Engpass auf der Angebotsseite. Zwei der zehn Kernkraftwerksreaktoren in Schweden waren seit dem letzten Jahr außer Betrieb und die Wiederaufnahme der Produktion wurde in diesem Winter von Woche zu Woche verschoben. Zusätzlich ging Mitte März ein weiterer Reaktor aufgrund von Wartungsarbeiten vom Netz und die Leistung eines anderen Kernkraftwerks musste aus Sicherheitsgründen auf 30% reduziert werden. Insgesamt standen somit lediglich 5.630 MW bzw. 61 % der installierten Kernkraftwerkskapazität von 9.302 MW zur Verfügung.

Die schlechte Angebotslage wurde durch einen außergewöhnlich niedrigen Füllstand in den skandinavischen Wasserreservoirs, die in Schweden nur zu knapp 30 % gefüllt waren, verschärft. Um die Knappheit zu mildern ordnete der schwedische Netzbetreiber die Produktion aus Reservekraftwerken an, wodurch kurzfristig 1.100 MW mehr Leistung bereit stand. Gleichzeitig importierte Schweden in allen Stunden die maximal mögliche Strommenge aus Deutschland. Üblicherweise exportiert Deutschland in den Morgen- und Abendstunden Strom nach Norden, während in den Mittagsstunden Strom aus Skandinavien bezogen wird.

Dr. Evelin Lückerath (evelin.lueckerath@statkraft.de)

Erschienen in Ausgabe: 2-3/2010