Schwedischer Spotmarkt in Aufruhr

HOCHPREISE Selten zuvor erlebten Händler auf dem schwedischen Spotmarkt eine derartige Preisentwicklung.

14. November 2006

Von Anfang Juli bis Ende August kletterte der Preis für eine Tageslieferung Strom um rund 37 €/ MWh auf rund 82 €/MWh - das entspricht einem Anstieg von 82 %. Was war passiert?

In Schweden hatte es über mehrere Wochen so wenig geregnet, dass die wichtigste Säule der Stromproduktion des Landes erschüttert worden ist: die Energiegewinnung aus Wasserkraft. Wenige Wochen später bekam auch der zweite Pfeiler der schwedischen Stromproduktion Probleme. Zwei Blöcke des Kernkraftwerks Forsmark mussten aufgrund technischer Probleme abgeschaltet werden, ebenso wie zwei weitere Blöcke einer technisch ähnlichen Anlage.

Beides zusammen ließ das Angebot derart verknappen, dass der Spotpreis seit den Ereignissen im Sommer kontinuierlich anstieg und zurzeit - rund dreieinhalb Monate später - mit rund 55 €/MWh (Wochenmittel) immer noch deutlich über dem bisherigen Jahresmittel von 49,8 €/MWh notiert. Demgegenüber vervierfachte sich der Spotpreis an der deutschen Strombörse EEX innerhalb einer Woche und kehrte in der darauf folgenden Woche annähernd wieder auf das vorherige Niveau zurück.

Der Unterschied zwischen den beiden Preisentwicklungen geht erstens auf eine geringe Temperaturabhängigkeit der schwedischen Stromnachfrage im Sommer zurück. Zweitens ist Schweden im Gegensatz zu Deutschland nicht von Strommärkten umgeben, auf denen zeitgleich hitzebedingte Nachfragespitzen auftreten. Ein wesentlicher Grund liegt jedoch auf der Angebotsseite: In Schweden stammt die erzeugte elektrische Energie lediglich aus zwei Hauptquellen - der Kernenergie (43 %) und der Wasserkraft (50 %). Wird das Wasser in den Reservoirs in der zweiten Hälfte der Auffüllphase knapp, lässt sich das bis zur Entnahmesaison im Winter kaum mehr durch Niederschläge ausgleichen. Demnach bleibt abzuwarten, ob den schwedischen Stromhändlern im kommenden Winter, wenn die Stromnachfrage kältebedingt ansteigt, ähnliche Preisentwicklungen auf dem Spotmarkt erneut bevorstehen.

Dr. Stephan Illerhaus (stephan.illerhaus@statkraft.de)

Erschienen in Ausgabe: 11/2006