POWER TO GAS

Sektorkopplung auf dem flachen Land

Niedersachsen ist ein Schwerpunkt der Offshore- und Onshorewinderzeugung. Nun könnte das Bundesland zum Standort mehrerer Power to Gas-Anlagen im MW-Maßstab werden.

12. Februar 2019
Sektorkopplung auf dem flachen Land
(Bild: Shutterwolf/fotolia.de)

Grund ist neben der hohen Einspeisung von Strom aus Windenergieanlagen das bestehende Erdgasnetz der Fernleitungsnetzbetreiber. Mit dem Projekt Hybridge stehen Amprion und Open Grid Europe (OGE) bereit, die Sektorenkopplung auf Systemebene in Deutschland zu starten, so die Unternehmen in einer Mitteilung. Die Projektpartner planen, im Landkreis Emsland einen Elektrolyseur in der 100-MW-Klasse zu errichten und eine Wasserstoffinfrastruktur aufzubauen.

„Wir sind mit der Planung so weit, dass wir in die Genehmigungsphase eintreten können“, sagt Thomas Hüwener, Mitglied der Geschäftsführung von OGE. „Aber wir brauchen noch das ‚Go‘ aus der Politik.“

Dieses müsse nun schnell kommen damit Sektorenkopplung auf Systemebene auch einen Beitrag zum Erreichen der Pariser Klimaziele leisten könne.

Die deutschen Klimaziele, der Ausstieg aus der Kernkraft und der sich abzeichnende Kohleausstieg bedeuten eine enorme Herausforderung für das deutsche Energiesystem, heißt es. Man müsse jetzt die Voraussetzungen schaffen, damit Power-to-Gas nach 2030 im Gigawatt-Maßstab zur Verfügung steht und Sektorenkopplung auf Systemebene möglich wird.

Pilotregion Landkreis Emsland

Standort für die erste Power-to-Gas-Anlage in dieser Größenordnung, bei der Strom aus Erneuerbaren Energien über einen Elektrolyseur in grünen Wasserstoff und zum Teil weiter in grünes Methan umgewandelt wird, wird an einem Schnittpunkt zwischen dem Amprion- und dem OGE-Netz im Landkreis Emsland sein.

Dort wollen die Projektpartner neben dem Elektrolyseur in der 100-MW-Klasse eine bestehende OGE-Pipeline für den ausschließlichen Transport von Wasserstoff weiterentwickeln. Die Kosten für das Vorhaben schätzen die Partner auf 150 Mio. Euro.

Der Wasserstoff kann von Unternehmen direkt genutzt werden. Außerdem befindet sich eine Wasserstofftank- und -verladestation in der Region. Die Projektpartner führten zum Vorhaben bereits einen konstruktiven Dialog mit der Stadt Lingen und dem Landkreis Emsland. Laut Hüwener können perspektivisch auch die in der Region vorhandenen Erdgasspeicher auf Wasserstoff umgewidmet werden.

Ein Teil des bestehenden Gasnetzes kann zudem für den ausschließlichen Transport von Wasserstoff genutzt werden. Zukünftig werden laut Unternehmensangaben weitere Teile der Gasinfrastruktur für den Transport von Wasserstoff ins Ruhrgebiet und darüber hinaus umgewidmet.

„Außerdem können wir Wasserstoff in geringen Mengen zumischen oder nach Umwandlung in Methan direkt in das Erdgasnetz einspeisen“, so Thomas Hüwener.

Sektorkopplung

Das Grundkonzept der Sektorenkopplung auf Systemebene von Amprion und OGE sieht vor, die geplante Infrastruktur zur Kopplung ihrer Netze allen Marktteilnehmern diskriminierungsfrei („Third Party Access“) zur Verfügung zu stellen.

Die begrenzte Brückenkapazität zwischen Strom- und Gasinfrastruktur werden die Projektpartner nach eigenen Angaben Händlern oder Direktabnehmern in Auktionen anbieten. Die Auktionserlöse werden den Kosten gegengerechnet und entlasten so den Netzkunden.

Dieses Prinzip ist bei grenzüberschreitenden Kuppelleitungen im Stromsystem und in Gastransportkapazitäten seit Jahren europaweit etabliert, heißt es.

Regulatorischer Rahmen

„Wir wollen diese Technologie für die deutsche Volkswirtschaft erfolgreich im großtechnischen Maßstab realisieren. Wir brauchen nun die regulatorische Möglichkeit, das Projekt umzusetzen“, so Amprion und OGE. Nun sei die Politik am Zug. “Wenn die Weichen jetzt gestellt werden, kann die Anlage 2023 bereits in Betrieb gehen“, heißt es.

Tennet baut Pilotanlage im Landkreis Ammerland

Bereits vorigen Herbst kündigten Tennet, Gasunie und Thyssengas den Bau einer Power to Gas-Anlage mit 100 MW im Landkreis Ammerland südlich von Wilhelmshaven an. Hier der Beitrag zum Nachlesen.