Selbst ist der Mann

Editorial

»Die Energiewende ist nicht nur ein Generationen-, sie ist auch ein Gemeinschaftsprojekt.«

11. September 2013

Geht es Ihnen auch manchmal so, dass Sie das Wort Energiewende nicht mehr hören können? Es scheint zu einem Schlagwort zu verkommen, fast jedem Energie-Thema wird dieser Stempel aufgedrückt. Letztendlich betrifft es ja auch fast alle Bereiche der Energiewirtschaft in irgendeiner Form. Geht doch die Aufgabe mit einem tiefgreifenden Systemwandel einher. Smart Energy ist dafür ein zentraler Baustein. Außerdem sollte die Diskussion über das Für und Wider von Kapazitätsmärkten und die Renatbilitätsfrage der Kraftwerke dringend zu Ende geführt werden.

»Die Energiewende ist ein Generationenprojekt«, wie BDEW-Chefin Hildegard Müller treffend formulierte. Es ist ja nicht so, dass nichts passiert. Im Gegenteil: Mit viel Engagement werden Projekte angestoßen und realisiert, es gibt viele gute Konzepte und Ideen. Doch was fehlt, ist eine zukunftsgerichtete Gesamtstrategie, wie auch Marcel Münz von PA Consulting anmahnt, da die Energiewende viel Stückwerk biete. Das Ziel ist vorgegeben, nur wie dieses erreicht werden soll, darin besteht keine Einigkeit. Vielleicht ist das mit ein Grund, dass momentan viele das Gefühl haben, der Motor stottert.

Dass die Energiewende richtig und wichtig ist, darin sind sich auch die Verbraucher einig, wie eine aktuelle Umfrage des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen zeigte. Doch es gilt, die Kosten dafür in den Griff zu bekommen und Investoren durch ein politisches Hin- und Her nicht unnötig zu verschrecken.

Hinzu kommt das Warten auf die Wahlergebnisse. Doch egal, wie die Wahl ausgehen mag – entscheidend ist, dass es nicht nach der Wahl so weitergeht wie vor der Wahl. Wichtig wäre es, unabhängig von Verbands- oder Parteiinteressen eine Strategie für ein funktionsfähiges Energiesystem zu entwickeln, in der alle Player ihre Rolle ausfüllen können. Die Energiewende ist nicht nur ein Generationen-, sie ist auch ein Gemeinschaftsprojekt. Nur wenn alle Beteiligten anfangen, wie eine »Energiewende-Partei« zu denken und Dinge selbst anstoßen und in Angriff nehmen, kann sie gelingen. Die Vorgaben der Politik sind eine Sache. Dass diese stabil und verlässlich sein müssen, eine weitere. Aber was die Energiebranche in diesem vorgegebenen Rahmen an neuen Ideen und Projekten realisiert, bleibt ihr selbst überlassen. Energieversorger wie die Stadtwerke Wunsiedel und die EWE haben diese Herausforderung längst angenommen – trotz sich ständig ändernder politischer Vorgaben auf höchster Ebene.

Erschienen in Ausgabe: 07/2013