Services für die Immobilienbranche

Management

Die Stadtwerke Wolfenbüttel haben ihr ERP-System erweitert. Parallel zur klassischen Abrechnung von Strom, Gas und Wasser erfolgt das Abrechnen von Heiz- und Nebenkosten für die Immobilienbranche in einem neuen System. Dies soll hier weiteres Wachstum ermöglichen und Potenziale etwa beim Mieterstrom heben.

21. September 2017

Die Heiz- und Nebenkostenabrechnung ist für Immobilienbesitzer und Betreiber eine Aufgabe, die durch gesetzliche Vorgaben zunehmend anspruchsvoller geworden ist. Die Stadtwerke Wolfenbüttel bieten hier ihren Kunden seit gut zehn Jahren ihre Hilfe an.

Insgesamt habe man rund 82.000 Verträge, klassisch mit Strom, Gas, Wasser und Abwasser und Niederschlagswasser sowie Exoten – wie Stromdeputate, private Straßenbeleuchtung, Mieterstrom und die Heiz- und Nebenkostenabrechnung –, ordnet Vera Steiner, kaufmännische Geschäftsführerin der Stadtwerke, das Thema ein.

In diesem Randbereich seien inzwischen circa 500 Liegenschaften Hausverwaltungen, Wohnungseigentümergemeinschaften und Wohnungsbaugesellschaften unter Vertrag. Da die bestehende ERP-Software Spezialaufgaben jenseits des klassischen Strom- und Gasvertriebs nur unter großen Schwierigkeiten und unzureichend abbilden konnte, suchte der Versorger nach einer Lösung, die parallel zur bestehenden ERP diese Spezialaufgaben aus den Bereichen Dienstleistung und Betriebsführung besser ermöglicht.

Neue Geschäftsfelder als Potenzial

Hinzu kamen zunehmend komplexe Abrechnungsanforderungen beispielsweise durch die Heiz- und Nebenkostenverordnung oder spezielle Kundenwünsche. Außerdem signalisierte der bestehende ERP-Anbieter, in diesem Randbereich die Systemweiterentwicklung einzustellen.

Bei ihrer Recherche trafen die Niedersachsen auf Somentec Software und XAP. Nach mehreren Präsentationen – davon eine in Wolfenbüttel mit unternehmensweiter Teilnehmerrunde – erteilten die Stadtwerke Anfang Juni 2016 den Auftrag. Seit November 2016 wird das System mit Daten gefüllt. Die Abrechnungslösung XAP.heizkosten kommt parallel zur anderen ERP-Lösung zunächst für bestehende Verträge in der Verteilrechnung für Warm- und Kaltwasser, Gas und Wärme, bei Contracting, Stromdeputaten und privater Beleuchtung zum Einsatz.

Sie enthält unter anderem Funktionen zur Kostenerfassung, zum Gerätemanagement, zur Ableseorganisation und zur Liegenschaftsverwaltung. Der Abrechnungsnavigator hilft etwa, den Abrechnungszeitraum für eine Liegenschaft zu bearbeiten. Auch Verteilmaßstäbe für Grundkosten und kalte Nebenkosten lassen sich je nach Liegenschaft frei definieren und zuordnen.

Die rund 500 Nutzungseinheiten werden sukzessive bis Ende 2017 in der neuen Abrechnungslösung angelegt. Mittelfristig bietet die neue Software die Möglichkeit, künftige Geschäftsmodelle wie Mieter- und Quartierstrom, Strom für Elektromobile sowie Services rund um Smart Metering und Smart Home abrechnen zu können. »In Zeiten sinkender Margen im Strom- und Gasvertrieb wollen wir gezielt neue Geschäftsfelder erschließen«, so Steiner.

Basis für Mehr Flexibilität

Man habe das Produkt XAP nicht nur für die 500 Liegenschaften eingeführt, sondern verspreche sich davon die Bereiche Wohnungsbaugesellschaften oder Studentenwerke in Zukunft weiter auszubauen. Primäres Ziel ist die Immobilienwirtschaft. Man höre immer wieder aus der Branche, dass diese zwar bauen, entwickeln und ihre Immobilie betreiben, sich aber nicht um den Rest kümmern wollen, so Steiner. »Wir wollen Wohnungsgesellschaften und Gebäudebetreiber aller Art ansprechen und beispielsweise die Nebenkostenabrechnung anbieten.« Mieter- und Quartierstromangebote seien ebenfalls geplant.

Im Zuge des Rollouts intelligenter Messsysteme habe man auch Angebote im Smart-Home-Bereich auf dem Radar. »Auf diesen Feldern sehen wir großes Potenzial«, so Steiner, »aber wir können dort nur erfolgreich sein, wenn wir in der Lage sind, bei Prozessgestaltung und Abrechnung hochflexibel zu agieren und zu reagieren. Dafür ist nun die Basis gelegt.«

Die Niedersachsen haben sich bewusst für einen sanften Umstieg entschieden. Das heißt, die Abrechnung aller Spezialverträge wird rollierend bis Ende 2017 letztmalig im Altsystem durchgeführt. Anschließend werden die Daten etappenweise manuell nach XAP überführt. »Das hat den Vorteil, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das System intensiv kennenlernen und den bestmöglichen Lerneffekt erzielen«, so Steiner. »Da Menüs und Navigation ähnlich wie bei Microsoft-Produkten strukturiert sind, fällt der Umgang mit der neuen Software leicht.« Was sie an der neuen Software ebenfalls schätzt, ist »die Möglichkeit, kleine Anpassungen im System selbst vornehmen zu können, ohne gleich den Hersteller beauftragen zu müssen.«

»Noch mögen Services im Bereich Heizkosten- und Mieterstromabrechnung vielerorts als Randnotiz wahrgenommen werden«, so Ronald Pfitzer, Geschäftsführer der Stadtwerke Schwäbisch Hall und Somentec Software. »Mit Wolfenbüttel haben wir einen Kunden gewonnen, der unsere Auffassung teilt, dass hier große Potenziale für zusätzliche Deckungsbeiträge und Kundenbindung liegen. Deshalb haben wir unser Portfolio unter der gemeinsamen Dachmarke Sherpa-x bewusst und konsequent um passende Produkte und Dienstleistungen erweitert.« (mwi)

Erschienen in Ausgabe: 08/2017