Sicher (Erd-)Gas geben

Erdgasfahrzeuge stehen Benzinern in Fahrleistungen nicht nach

Erdgas als Kraftstoff für Fahrzeuge ist auf dem Vormarsch. Derzeit strömt in Deutschland bei rund 12.000 Fahrern Methan in den Vergaser, wenn sie Gas geben. Vorbei sind die Zeiten, in denen der alternative Kraftstoff der kleine, schwächliche Bruder des Benzins war.

14. Januar 2003

Moderne Ottomotoren, die die hohe Klopffestigkeit des Erdgases optimal ausnutzen, verweisen das Benzin im Zusatztank des Pkw auf Platz 2 bei der Leistung. Dabei liegen die Kraftstoffkosten dank einer weitgehenden Steuerbefreiung mehr als 50 % unter denen des Benzins. Im Vergleich zum Benzinmotor stößt das erdgasbetriebene Fahrzeug rund 23 % weniger CO2 sowie 80 % weniger CO und NOx aus. Letzteres vermindert die Bildung von bodennahem Ozon. Gegenüber einem Dieselfahrzeug werden Ruß und SO2 praktisch nicht ausgestoßen, so dass in der Regel die Euro IV Norm, die ab 1. Januar 2005 gültig wird, bereits heute erfüllt wird. Wegen der hohen Klopffestigkeit des Methan werden die Fahrgeräusche deutlich gemindert.

Auch die Beeinträchtigung des Kofferraums durch die Drucktanks gehört der Vergangenheit an. Bei modernen Fahrzeugen werden die Gasflaschen unter dem Fahrzeugboden angebracht. Werden die Prüfintervalle, die für Erdgasdrucktanks je nach Ausführung drei bis zehn Jahre betragen, eingehalten, ist Fahren mit Erdgas technisch genauso sicher wie mit Benzin oder Diesel. Die gesetzlichen Anforderungen für Erdgastanks sind viel strenger als für Benzintanks. Crashtests haben gezeigt, dass der Erdgastank die stabilste Komponente des Fahrzeugs ist. Die Sicherheitsprüfung des TÜV schreibt hier einen Berstdruck von 600 bar vor - das übersteigt die allgemein auftretende Belastung durch mechanische Kräfte bei Unfällen um ein Vielfaches.

Zusätzlich haben die Erdgastanks für extreme Schadensfälle Sicherheitsventile, die für ein gezieltes Abblasen oder bei Hitzeeinwirkung für das kontrollierte Abbrennen des Erdgases sorgen und damit eine Explosion verhindern. Erdgas kann auch nur bei einem Gas-Luft-Gemisch mit einem Erdgasanteil zwischen 4 und 17 % und einer Zündquelle von etwa 600 °C in Brand geraten. Dagegen entzündet sich ein Benzinanteil in Luft von nur 0,6 % bei 220 °C. Sicherheitshalber wird dem völlig ungiftigen Kraftstoff Erdgas ein Geruchsstoff zugesetzt, der bereits bei einer Konzentration von einem Prozent - und damit weit unter der Gefahrengrenze - zu riechen ist. Im Freien besteht selbst beim Entweichen großer Gasmengen keine Explosionsgefahr, weil Erdgas leichter als Luft ist und sich im Gegensatz zu Autogas sofort in die Atmosphäre verflüchtigt. Daher gibt es für Erdgasfahrzeuge auch keine gesetzlichen Beschränkungen bei der Benutzung von Tiefgaragen. Immer mehr Feuerwehren, die Polizei und auch die ADAC Straßenwacht haben Erdgasfahrzeuge im Einsatz.

Gegenwärtig gibt es bundesweit etwa 260 Tankstellen. Das entspricht einer mittleren Entfernung zwischen den Tankstellen von rund 40 km. Zugunsten eines engeren Tankstellennetzes gründeten 19 große deutsche Gasversorger die Erdgas-Mobil GmbH. Deren Ziel ist es, die Errichtung von Erdgastankstellen zu standardisieren, bundesweit zu koordinieren sowie deren Betrieb technisch zu gewährleisten. Noch bis Ende 2002 sollen Erdgaszapfsäulen an 100 weiteren Markentankstellen errichtet werden. Bis 2006 sollen zu den bestehenden 260 weitere 1.000 Tankmöglichkeiten für Erdgasfahrzeuge entstehen.

Der nach dem heutigen Wissenstand optimale Kraftstoff der Zukunft ist regenerativ - also aus Wasser erzeugter - Wasserstoff, der rückstandsfrei wieder zu Wasser verbrennt. Von diesem Zyklus sind wir technologisch jedoch noch 20 bis 50 Jahre entfernt. Die Verwendung von Erdgas stellt eine verfügbare und ökologisch sinnvolle Übergangslösung dar, die zudem durch den Aufbau des Leitungssystems zu den Tankstellen die Voraussetzung für den Transport von Wasserstoff in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts schafft.

Erschienen in Ausgabe: 05/2002