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Sicher versorgt?

Die geplante Ostseepipeline Nord Stream 2 ist zur Sicherung der Erdgasversorgung nicht nötig, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW mitteilt. Nach Modellrechnungen des Instituts verfügen Deutschland und Europa bereits über ein gut ausgebautes Netzwerk von Pipelines und Lieferregionen.

10. Juli 2018

Das könne weiter diversifiziert und im Bedarfsfall durch Flüssiggaslieferungen ergänzt werden. Sowohl die deutsche als auch die europäische Erdgasversorgung sei damit krisenfest.

„Die Erdgasversorgung ist sicher. Dank einer gut entwickelten Infrastruktur und einer Vielfalt an Lieferländern kann und wird es keine Versorgungsengpässe geben. Selbst ein unwahrscheinlicher Totalausfall der russischen Erdgaslieferungen könnte durch alternative Bezugsquellen und Effizienzsteigerungen ausgeglichen werden. Zudem zeigen Szenarien, dass der Erdgasbedarf eher zurückgeht“, sagt DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert.

Vom europäischen Gerichtshof bemängelt

Laut dem Institur überschätzen energiewirtschaftliche Analysen oft den künftigen deutschen und europäischen Erdgasbedarf erheblich. Gründe dafür seien unter anderem, dass diese die Kosten für erneuerbare Energien zu hoch ansetzen und die Bedeutung von Klimaschutz unterschätzen.

Dies gelte insbesondere für das EU-Referenzszenario, das dem Projekt Nord Stream 2 zugrunde liegt und dessen Annahmen bereits vom Europäischen Rechnungshof bemängelt wurden.

Die Berechnungen des DIW Berlin würden zeigen, dass sowohl die erneuerbaren Energien als auch die Klimaschutzpolitik dazu führen werde, dass der Erdgasbedarf in Europa aller Voraussicht nach eher zurückgehen werde.

Politische Hintergründe

Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive sei Nord Stream 2 ebenfalls fragwürdig, so das Institut. Mehrere Analysen deuten darauf hin, dass das Projekt weit von wirtschaftlicher Rentabilität entfernt sei.

„Die Projektgesellschaft wird die zusätzlichen Kosten in einem überwiegend gesättigten europäischen Erdgasmarkt tendenziell auf die Endverbraucher umlegen. Es ist wahrscheinlich, dass politische Gründe hinter der Entscheidung für die Nord Stream 2 Pipeline stehen“, so Kemfert.

Umfrage: Deutsche sehen Erdgas als Partner der Erneuerbaren

Auch eine Forsa-Umfrage hat sich mit dem Thema Erdgasversorgung beschäftigt. Im Auftrag von Wintershall und Zukunft Erdgas befragte das Forschungsinstitut 1.001 Bundesbürger unter anderem zu Energiewende, zur Entwicklung des Erdgasmarktes und zu Lieferländern.

Demnach bezweifelt die Mehrheit der Deutschen, dass die Energiewende reibungslos verläuft. Ganze 62 Prozent fürchten Engpässe und Ausfälle, wie Wintershall weiter mitteilt.

Für die Mehrheit der Deutschen (54 Prozent) ist Erdgas der beste Partner der Erneuerbaren.  Bei Holz sind 22 Prozent dieser Meinung. Weniger als jeder Zehnte glaubt, dass die regenerativen Energien keine Ergänzung brauchen.

Wenig Vertrauen in USA als Energielieferant

Bei der Frage, wie sich der Erdgasmarkt weiter entwickelt, sind drei Viertel der Deutschen überzeugt, dass Deutschland künftig mehr oder zumindest unverändert viel Erdgas benötigt.

Als verlässlichste Energiepartner betrachten die Deutschen Norwegen (71 Prozent), Kanada (52 Prozent) und Russland (49 Prozent). Etwa jeder Fünfte (21 Prozent) sieht in den USA derzeit einen verlässlichen Energielieferanten.

Direkt gefragt, ob Deutschland und Europa ihren Erdgasbedarf über Russland oder die USA decken sollten, sprechen sich 61 Prozent der Deutschen für Pipelinegas aus Russland aus und nur 13 Prozent für Flüssiggas aus den USA.

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