Sicherheit hat Vorfahrt

Hohe Sicherheitsstandards bei Erdgasfahrzeugen gewährleistet

An innovative Antriebstechniken werden nicht nur ökonomische und ökologische Anforderungen gestellt, auch die Sicherheit muss gewährleistet sein. Für die Zulassung in Serie produzierter Erdgasfahrzeuge gelten entsprechend hohe Standards.

21. Januar 2003

Kaum ein Autofahrer verschwendet noch einen Gedanken an potenzielle Risiken, die von benzinbetriebenen Fahrzeugen ausgehen. „Diese Lern- und Gewöhnungsphase hat für die Erdgasautos gerade erst begonnen“, macht Martin Völkening vom Kompetenzzentrum Druckbehälteranlagen des TÜV Süddeutschland deutlich. „Um für Erdgasfahrzeuge die nötige Akzeptanz zu schaffen, sollte das Ziel sein, für diese Fahrzeuge mindestens die gleiche Sicherheit, wie bei den benzinbetriebenen Versionen darzustellen.“

Wenn von Gas als Antriebsart die Rede ist, muss zunächst zwischen Autogas und Erdgas unterschieden werden. Erdgas gehört zu den natürlich brennbaren organischen Rohstoffen. Bei Autogas handelt es sich dagegen um Flüssiggas, das mit Erdgas nicht kompatibel ist. Flüssiggas fällt als Nebenprodukt bei der Erdölverarbeitung an und ist damit unmittelbar abhängig von der Benzin- und Dieselproduktion. Außerdem sind Tiefgaragen für Autos mit Flüssiggas tabu: Flüssiggas ist schwerer als Luft und sammelt sich somit in Senken. Die dadurch entstehende Explosionsgefahr ist bei Erdgas nicht gegeben, denn es ist leichter als Luft und verflüchtigt sich direkt in die Atmosphäre - einer der wichtigsten Sicherheitsfaktoren bei der Verwendung von Erdgas.

Erdgas kann nur bei einem Gas-Luft-Gemisch mit einem Erdgasanteil zwischen 5 und 15 % und einer Zündquelle von mindestens 540 °C in Brand geraten. Sicherheitshalber wird dem Kraftstoff Erdgas ein Geruchsstoff zugesetzt, der bereits bei einer Konzentration von 1 % zu riechen ist.

Benzin und Diesel hingegen haben eine Selbstentzündungstemperatur von 220 bis 300 °C und brauchen nur einen Luftkonzentrationsanteil von 1 beziehungsweise 0,5 % zu erreichen, um brennen zu können. Eine Brand- oder Explosionsgefahr der Erdgastanks ist damit geringer als bei Benzin oder Diesel. Zusätzlich sorgen Sicherheitsventile im extremen Schadensfall für ein gezieltes Abblasen oder bei Hitzeeinwirkung für ein kontrolliertes Abbrennen des Erdgases. Im Freien besteht selbst beim Entweichen großer Gasmengen keine Explosionsgefahr. Erdgastanks, die bei Serienerdgasfahrzeugen unter dem Fahrzeugboden liegen, erhöhen den Sicherheitsfaktor zusätzlich.

Die gesetzlichen Auflagen für Erdgastanks sind strenger als für Benzintanks. Der TÜV begutachtet jede einzelne Komponente der Erdgasanlage sowie das komplette System nach einem lückenlosen Regelwerk. „So wird zum Beispiel das Verhalten von Fahrzeugtanks im Brandfall getestet, in anderen Versuchsreihen werden die Tanks weit über den normalen Betriebsbereich hinaus bis zum Versagen belastet“, erklärt TÜV-Experte Völkening. „Bei der Systembegutachtung wird vor allem geprüft, ob die verbauten Komponenten für den Einsatzfall geeignet und sicher verschaltet sind, und ob Brand- und Explosionsschutz gewährleistet sind.“ Die Sicherheitsprüfung des TÜV schreibt bei den Erdgastanks einen Berstdruck von 600 bar vor. Das übersteigt die allgemein auftretenden Kräfte- und Hitzebelastungen bei Unfällen um ein Vielfaches. Bei Crashtests wurde deutlich, dass die Erdgastanks der stabilste Teil des Autos sind.

Eine breit angelegte und sachgerechte Aufklärung der Autofahrer betreibt der Trägerkreis Erdgasfahrzeuge, eine gemeinsame Initiative der Gaswirtschaft, Automobil- und Mineralölindustrie, im Rahmen der Kampagne „Das Erdgasfahrzeug - sparsam, sicher, sauberer“.

Nähere Informationen zum Thema Erdgasfahrzeuge erhalten Interessierte unter: unter www.erdgasfahrzeuge.de

Erschienen in Ausgabe: 06/2002