Siemens startet Energiewende-Projekt im Allgäu

Siemens hat in Wildpoldsried im Allgäu das Energiewendeprojekt ›Zukunftsfähige Netze für die Integration Regenerativer Energiesysteme‹ (IREN2) gestartet. Im Rahmen des Projekts untersucht der Energiekonzern zusammen mit seinen Konsortialpartnern neuartige Netzstrukturen und deren Betriebsführung nach technischen und wirtschaftlichen Kriterien.

11. September 2014

Siemens arbeitet dabei mit der Hochschule Kempten, der RWTH Aachen, den Allgäuer Überlandwerken (AÜW) und dem IT-Unternehmen ID.KOM zusammen. Ziel ist herauszufinden, wie sich Energiesysteme mit verteilter Stromerzeugung und zusätzlichen Komponenten wie Batteriespeicher, Blockheizkraftwerke (BHKW), Biogasanlagen und Dieselgeneratoren technisch und wirtschaftlich optimieren lassen. Zudem will das Forschungskonsortium eigenen Angaben zufolge während der Projektlaufzeit von drei Jahren Microgrids – regionale, in sich geschlossene intelligente Stromverteilnetze – als Inselnetze sowie den Einsatz und Betrieb von Microgrids als so genannte topologische Kraftwerke erproben. Genutzt werden dazu die bisher installierte Smart-Grid-Infrastruktur in Wildpoldsried sowie die Ergebnisse und Erfahrungen des Ende 2013 dort erfolgreich abgeschlossenen Pilotprojekts ›Integration regenerativer Energien und Elektromobilität‹ (IRENE).

Die Pilotinstallation im Netzgebiet der AÜW in der Gemeinde Wildpoldsried diene als Basis, werde jedoch während des Projekts weiter ausgebaut, um die geplanten Konzepte umzusetzen, zu untersuchen und zu bewerten. Das im Allgäu bereits vorhandene intelligente Stromversorgungsnetz eigne sich besonders gut als Basis für weitere Untersuchungen eines zuverlässigen und stabilen Betriebs von Inselnetzen und topologischen Kraftwerken. Siemens und die Partnerunternehmen erforschen solche Netzstrukturen nach wirtschaftlichen und technischen Kriterien. Die Untersuchungen nach wirtschaftlichen Kriterien zielen vor allem auf die kostengünstigste Ausbauvariante unterschiedlicher Netzstrukturen sowie auf die Analyse verschiedener Betriebsstrategien ab. Die technischen Analysen beziehen die Wechselwirkungen zwischen den Stromerzeugern und Lasten, Mess- und Regelungstechnik, Stabilitätsuntersuchungen, die Entwicklung von Schutzkonzepten sowie die Implementierung intelligenter Netzstrukturen mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnik ein.

Schon heute ist die Menge der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen in Wildpoldsried fünfmal höher als der Eigenbedarf des Dorfes. Während der Laufzeit des zurückliegenden Projekts IRENE von Mitte 2011 bis Ende 2013 wurde daher in der Allgäuer Gemeinde ein Smart Grid geschaffen, um Stromerzeugung und -verbrauch auszubalancieren und so das Netz stabil zu halten. Dazu wurden unter anderem zwei regelbare Ortsnetztransformatoren und ein stationärer Batteriespeicher installiert. Außerdem ist das intelligente Netz dort mit einem ausgefeilten Messsystem, einer modernen Kommunikationsinfrastruktur und regenerativen dezentralen Energieerzeugern wie Photovoltaik (PV)- und Biogasanlagen ausgestattet.