Siemens verstärkt sich im Geschäft mit Meeresenergie

Siemens hat die Mehrheit bei der britischen Marine Current Turbines Ltd. übernommen. Das Unternehmen mit Sitz in Bristol entwickelt und baut Gezeitenturbinen. Man plane die vollständige Übernahme in den nächsten Wochen abzuschließen.

20. Februar 2012

»Wir werden die Kommerzialisierung dieser vielversprechenden Technologie weiter vorantreiben, die die planbare Energie der Gezeiten nutzt«, so Ted Scheidegger, CEO der Division Solar & Hydro im Siemens-Sektor Energy. Ziel sei es, eine führende Position in diesem Zukunftsgeschäft einzunehmen. Marine Current Turbines (MCT) hat mit ›SeaGen‹ in Strangford Lough in Nordirland bereits ein Demonstrationsprojekt in kommerziellem Maßstab erfolgreich umgesetzt. Seit November 2008 erzeugen zwei Axial-Turbinen mit einer Gesamtleistung von 1,2 MW Strom und versorgen damit rund 1.500 Haushalte. SeaGen hat bislang bereits mehr als 3 GWh elektrische Energie ins Netz eingespeist. Gemessen an der Stromerzeugung ist dies bisher das größte Gezeitenturbinenprojekt. Weitere Projekte sind in der Planungsphase: das 8-MW-Vorhaben ›Kyle Rhea‹ in Schottland und das 10-MW-Projekt ›Anglesey Skerries‹ in Wales.

Gezeitenturbinen nutzen die durch Ebbe und Flut verursachten Meeresströmungen, um mithilfe von im Wasser angebrachten Rotoren Strom zu erzeugen. Die Turbine des Typs SeaGen steht an einem Mast frei in der Strömung. Die Funktionsweise ähnelt der einer Windturbine, wobei die Rotorblätter im Meer von der Wasserströmung angetrieben werden. Das strömende Wasser hat eine um den Faktor 800 höhere Energiedichte als Wind. Zweiflügelige Rotoren drehen sich infolge des Gezeitenstroms und richten sich – dank der um 180 Grad drehbaren Blätter – optimal nach der Strömungsrichtung und -geschwindigkeit aus. Ein wesentlicher Vorteil der Gezeitenkraft ist, dass die Stromproduktion aufgrund der Gezeitenzyklen zuverlässig planbar ist.