Smart ist, wer was draus macht

Digitales

Straßenlicht - Die Infrastruktur kann längst mehr, als nur die Straße auszuleuchten. Wir sprachen mit Matthias Weber von Osram Lighting Solutions über effiziente Lichtsteuerung und Verkehrsanalyse in der Smart City.

31. Juli 2018

Die Digitalisierung mache vieles möglich, was früher nicht möglich war, heißt es häufig. Das gilt auch für die Straßenbeleuchtung. Entsteht mit den neuen Möglichkeiten nicht automatisch auch mehr Komplexität?

Das ist definitiv so.

Wie geht Siteco damit um?

Wir haben hier in Traunreut ein Ausbildungszentrum, in dem wir Stadtbeleuchter, Stadtplaner und Bürgermeister informieren. Es geht um die Fortschritte bei den LEDs, um Smart City, Digitalisierung und Lichtsteuerung. In einer Halle führen wir die Lichtsteuerung vor, damit diejenigen Stadtbeleuchter, die sich damit noch nicht so auskennen, mal sehen, wie das wirklich funktioniert. Außerdem haben wir draußen unseren Smart-City-Demonstrator, mit dem wir Anwendungen zeigen, die über das Licht hinausgehen.

Was meinen Sie damit?

Es werden Dinge vorgeführt, die teilweise gar nichts mit dem Licht zu tun haben, aber trotzdem die Beleuchtungsinfrastruktur nutzen. Das sind dann beispielsweise unser Smartpack mit der Smart Cam, die wir auf der Light and Building gezeigt haben. Werden etwa Sicherheitskameras in der Stadt ausgerollt, lässt sich der bestehende Mast nutzen, um die Kamera mit der Leuchte zu verbinden. Oder um mit der Kamera als Video-Sensor Parkplätze zu überwachen und diese Informationen an Parkleitsysteme zu leiten.

Die LED-Umrüstung der Straßenbeleuchtung ist bundesweit in vollem Gang. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass Kommunen sich auch mit Videoanalyse-Software befassen. Wo ist aus Ihrer Sicht der Anreiz?

In der Regel fallen vielen Stadtverantwortlichen doch relativ schnell ein, zwei Probleme in ihrer Stadt ein, die mit solchen Technologien gelöst werden können. Zum Beispiel, um an einer bestimmten Stelle im Stadtgebiet das ständige Aufhängen von Postern zu unterbinden. Unsere Kamerasoftware erkennt diese Situation und kann automatisch einen Alarm an den Verantwortlichen der Stadt senden. Andere Kommunen, die heute die Verkehrszählung über Magnetschleifen durchführen, interessierten sich für die Verkehrszählung am Mast. Für das Smartpack mit Kamera gibt es Softwaretools, die den Verkehr automatisch durch eine Bildanalyse zählen.

Wartung von Bestandsanlagen ist eine Sache, Parkraum-Bewirtschaftung oder Verkehrsüberwachung eine andere. Wo sind diese Themen eigentlich in Zukunft angesiedelt?

Normalerweise ist es so, dass der Beleuchtungs-Verantwortliche sich als Ratgeber seiner Gemeinde ins Spiel bringt. Er berät, wie man den Leuchten-Standort nutzt, um solche Technologien darin zu implementieren. Das heißt, der klassische Beleuchter ist da eher in der Beratungsfunktion. Nutzer sind aber häufig ganz andere Abteilungen in der Kommune.

Zum Beispiel das Ordnungsamt, das wissen möchte, wo ein Parkplatz länger als erlaubt belegt ist. Oder wenn jemand auf der Bushaltestelle länger als erlaubt steht. Die Systeme werden dann eben so eingerichtet, dass automatische Alarme von der Software an das Ordnungsamt geschickt werden und das Ordnungsamt Nutzer dieser Installation wird; also die Software-Zugänge bekommt, um sich einzuloggen.

Wie ist der Stand der Technik beim Lichtmanagement? Es wird häufig gleichgesetzt mit Komfort-Funktionen. Für Kommunen zählen vor allem die wirtschaftlichen Vorteile, die sie mit einer Anschaffung erzielen.

Es ist so, dass wir zwei Produktgruppen dafür anbieten. Das eine ist die Leuchtengruppe Plus, das zweite ist die Leuchtengruppe Premium.

Mit der Plus-Leuchte bekommt der Kunde von uns eine fest eingestellte Dimmung, die er einmalig einstellt oder später mit der sogenannten Service-Box noch ändern kann. Premium-Leuchten sind mit einer Fernsteuerung ausgestattet. Das heißt, mit denen kann ich vom Schreibtisch aus softwaregestützt meine Leuchten einstellen. Dort ist der Stand der Technik, dass man sowohl für Leuchtengruppen, als auch für Einzelleuchten das Beleuchtungsniveau einstellen kann, und zwar sowohl spontan auf Knopfdruck als auch kalenderbasiert.

Energiekosten spare ich natürlich dann am stärksten ein, je länger die Leuchte gedimmt oder ausgeschaltet ist. An der Hauptverkehrsstraße, wo sie ständig an und ausgehen würde, ist die Energieeinsparung geringer, als an dem Regionalbahnhof, an dem ich nachts fünf Stunden ausschalten kann und nur bei Bewegung wieder einschalte. hd

VITA

Matthias Weber arbeitet seit Januar 2016 als Business Development Manager bei Osram Lighting Solutions.

Hier bringt er seine 20-jährige Berufserfahrung aus Telekommunikation und Automatisierung ein.

Erschienen in Ausgabe: 06/2018

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