Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie ist immer wieder die Rede davon, dass die Energieversorger nach der Krise deutlich digitaler sein werden als davor. Doch was bedeutet dies? Ist hier die größere Verbreitung des mobilen Arbeitens gemeint? Oder die notwendige Automatisierung relevanter Geschäftsprozesse? Tickt die Zukunft nur noch digital?

Am Beispiel der Energiebeschaffung wird dies deutlich: Die Herausforderung hierbei ist es zum Beispiel, Strom und Gas mit Live-Preisen kaufen und verkaufen zu können und die dadurch erzeugten Daten mittels Schnittstellen und ohne händischem Aufwand zwischen Systemen transferieren und weiterverarbeiten zu können.

Effizienz und kostenoptimiert gelingt dies nur mit einem hohen Automatisierungsgrad. Die Argumentation, es seien auch für händische Prozesse genügend Personalkapazitäten vorhanden – gerne auch als „Eh-da-Kosten“ bezeichnet, dürfte dabei nur noch ein Übergangsmodell zu einer digitaleren Welt sein.

Digital und analog – nur auf den ersten Blick ein Gegensatz

Digitalisierte Beschaffungsprozesse ermöglichen es also, mit wenigen Mausklicks live am Markt auf Handelsbildschirmen, in Echtzeitbepreisungen von Fahrplänen oder Chartanalysen, agieren zu können. Doch was bedeutet eine schnelle, hochtransparente Energiebeschaffung für das Unternehmen? Ergibt sich hier nicht ein Risiko aufgrund der Schnelllebigkeit oder unvorhergesehenen Preisentwicklungen?

Die Antwort heißt nein – zumindest nicht, wenn die digitale Energiebeschaffung auf fundierten Beschaffungsmodellen und auf unternehmensspezifischen Beschaffungsstrategien beruht.

Und hierbei gilt: Digital ist nicht die Ultima Ratio für alles, denn Beschaffungsstrategien und -modelle können zwar digital niedergeschrieben sein und auch operativ umgesetzt werden, doch zuvor bedarf es einer individuellen Ausarbeitung und danach der kontinuierlichen Überprüfung und Anpassung der Strategie an die aktuellen Entwicklungen der Energiemärkte. Entscheidend sind die jeweiligen unternehmerischen Rahmenbedingungen. Und genau da setzt Beratung und der eng abgestimmte Dialog an.

Der Blick von außen hilft

Der Blick von außen in Form von externer Beratung hilft, um auf weitere Erfahrungswerte aus dem Markt aufzubauen und den Vorteil einer persönlichen, individuellen und maßgeschneiderten Beratung für sich nutzen zu können. Diese stellt kein Widerspruch zu einer digitalen Energiewelt dar, sondern ergänzt diese um wichtige Erfolgsfaktoren – eine smarte Kombination. Kunden der GVS schätzen dabei die Kombinationsmöglichkeit von persönlicher Beratung mit den Online-Tools in E-Point, dem digitalen Energiemarktplatz.

Schlussendlich wird ein Energieeinkäufer, Portfoliomanager oder Vertriebsmitarbeiter nur dann erfolgreich am Markt und für das Unternehmen agieren können, wenn er sich verlässlich auf Rahmenbedingungen berufen kann sowie über aktuelles Know-how des Energiemarkts verfügt.

Letzteres lässt sich ebenfalls digital abbilden: über Podcasts oder Online-Medien. Allerdings sind diese unpersönlich und lassen keinen Raum für spezifische Fragestellungen und Diskussionen.

Analoge Wissensvermittlung hingegen zeichnet sich aus durch große Flexibilitäten in Form von Seminaren, Trainings und Schulungen vor Ort. Webinare sind die ideale Kombination von digital und analog: digitale Seminare, die persönlich und live das Know-how vermitteln und Fragen und Diskussionen ermöglichen.

Digital trifft persönlich

Die zunehmende Digitalisierung in der Energiewirtschaft darf durchaus als Chance für ein marktnahes Handeln und für Prozess- und Kostenoptimierungen verstanden werden. Sie ist jedoch kein Allheilmittel, da sie keine individuellen, persönlichen Lösungen gerade in Bezug auf Beratungsleistungen zur Energiebeschaffung erbringen kann.

Dies ist kein Widerspruch, sondern öffnet die Möglichkeit digital und analog zu kombinieren, um so gemeinsam den unternehmerischen Erfolg weiter zu entwickeln. Der persönliche Kundenkontakt darf in der Gesamtdiskussion ebenfalls nicht vergessen werden. Es wäre fatal, diesen insbesondere in einem B2B-Umfeld zu digitalisieren. Unser Anspruch: „So digital wie nötig, so individuell und persönlich wie möglich“.

Dr. Sonja Baumann, Gasversorgung Süddeutschland GVS