Management

Software für die Verkehrsaufwendung

Damit, dass der Kunde an die Ladesäule fährt, ist es nicht getan. Er braucht eine Rechnung von seinem Stadtwerk, vielleicht einen neuen Tarif. Das Abrechnungssystem sollte darauf vorbereitet sein.

06. September 2018

Die Elektromobilität ist für Stadtwerke Aufgabe und Chance zugleich. Um sich als Ansprechpartner für die eigenen Endkunden zu profilieren, gilt es unter anderem eine weitreichendere Ladeinfrastruktur zu etablieren, ist sich der Herner IT-Anbieter Rku.it sicher. Die damit steigende Zahl der Ladepunkte und der höhere Ladestromverbrauch sind demnach in die Systemlandschaft zu integrieren.

Notwendig sei außerdem ein einheitliches Abrechnungssystem, das einen einfachen und transparenten Zugang zu Stromladesäulen vorhält – deutschlandweit und mit einer Kundenkarte. »Diese Herausforderungen und neuen Aufgaben haben wir in unserem Innovationsmanagement aufgegriffen und vorangetrieben«, erläutert Timo Dell, Leiter neue Geschäftsfelder bei rku.it.

Dazu ist das Unternehmen eine Kooperation mit der Smartlab Innovationsgesellschaft eingegangen. Seit Herbst 2017 arbeiten die Partner gemeinsam in einem Leuchtturmprojekt an dem Thema. Rku.it entwickelte im Rahmen des Projektes die Schnittstelle zu SAP for Utilities (SAP IS-U).

»Die Schnittstelle bildet die Grundlage für die Tarifierung und Fakturierung im SAP IS-U«, erläutert Falko Eßer, Innovationsmanager bei Rku.it. Eine Entwicklung solcher Schnittstellen sei durch die heutigen Möglichkeiten nicht so schwierig. »Die Herausforderung besteht aber darin, die Schnittstelle sicher, robust und wartbar aufzubauen.

Dafür mussten wir Sicherheits-, Wartungs- und Weiterentwicklungskonzepte erarbeiten sowie Skalierungsszenarien simulieren.« Damit stelle man eine langfristig ausgerichtete Lösung für EVU zur Verfügung, die in der Lage sei, Massendaten zu bearbeiten.

Zusatztarife anbieten

Ziel des Projektes ist es, die Abrechnung der Ladevorgänge von Elektrofahrzeugen im SAP IS-U abzubilden. Dadurch werden alle rechnungsrelevanten Daten der Endkunden in einem, dem zentralen, Abrechnungssystem des Stadtwerks hinterlegt.

»Bei dem gemeinsamen Projekt mit Smartlab erarbeiten wir ein Standard-Template, das wir unseren gemeinsamen Kunden anbieten werden«, so Eßer. Das Template setze auf der entwickelten Schnittstelle auf, »die kurz gesagt die Ladedaten von Smartlab mit dem SAP IS-U des Kunden verknüpft«. Solche Ladedaten sind etwa die Karten-ID, Ladesäulen-ID, Lademenge, Ladezeit und Standzeit.

Auf Basis der gemeinsamen Entwicklung können beispielsweise monatliche Rechnungen der Ladevorgänge im SAP IS-U generiert und für den Endkunden bereitgestellt werden, erklärt Eßer. Die Rechnungen können per Mail versendet, über das Kundenportal oder eine App der Stadtwerke eingesehen werden. »Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, die Ladedaten grafisch in einem Dashboard für den Endkunden zur Verfügung zu stellen.«

Energieversorger könnten mit der Lösung ihren Endkunden Zusatztarife für das Aufladen von Elektrofahrzeugen anbieten und diese über ihr bereits vorhandenes Abrechnungssystem abrechnen. Die Verrechnung mit dem Provider übernimmt Smartlab.

»Durch die Kooperation mit dem führenden Marktpartner Smartlab können unsere Kunden ihre Ladenetze schneller und flächendeckender ausbauen«, so Carsten Frieg, Teamleiter Beratung bei Rku.it. Sie hätten mit ›Ladenetz‹ Zugriff auf eines der größten Ladeinfrastrukturnetzwerke in Deutschland. In dem Verbund sind über 140 Stadtwerke. Insgesamt betreiben die Partner rund 2.000 Ladepunkte. Zudem kommen laut Smartlab rund 13.000 weitere Ladepunkte hinzu, die Kunden dank Roaming-Kooperationen mit anderen Infrastrukturanbietern nutzen können.

Die Vorteile der Abrechnungslösung für das Stadtwerk liegen auf der Hand, wie Eßer aufzeigt: Es braucht kein zusätzliches Abrechnungssystem für die Abrechnung von Elektrofahrzeugen und hat damit keine doppelte Datenhaltung, Synchronisationsprobleme und Unterschiede in den Stammdaten. Der Endkunde andererseits hat nur ein Kundenportal für die Services seines Stadtwerkes. »Die neue Abrechnungslösung ist vollständig in die SAP-Systeme sowie Kundenportale integrierbar«, so Dr. Mark Steffen Walcher, Geschäftsführer Smartlab.

Aktuell muss der Versorger Mitglied von Ladenetz sein. »Für andere Ladeinfrastrukturanbieter könnten die Logiken aus den Modulen Datenspeicherung, Tarifierung und Fakturierung übernommen werden, sodass lediglich die Schnittstelle auf das System des Ladeinfrastrukturanbieters angepasst werden muss«, so Eßer. mwi/hd

Wissen kompakt

Den 100.000 zusätzlichen Ladepunkten, die in Deutschland bis 2020 errichtet werden sollen, stehen Mitte 2018 rund 7.000 Normalladestationen und 1.600 Schnellladepunkte gegenüber. Dreiviertel der Energieversorger haben Ladesäulen installiert, etwa die Hälfte maximal fünf. Das geht aus einer Studie von PwC hervor.

Der Aufbau von Ladeinfrastruktur in größerem Umfang ist unter den derzeitigen Bedingungen oft nicht rentabel, so die Berater. Sie raten unter anderem zu einem pragmatischeren Einsatz der Fördermittel. So könnten die Ziele der Bundesregierung erreichbar werden.

(Quelle: PwC )

Erschienen in Ausgabe: 06/2018

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