Software ohne Kinderkrankheit

Spezial

Strom - Seit Jahresbeginn ist in der Schweiz der Markt für Industrie und Gewerbe offen. Profitieren lässt sich von den in Deutschland gemachten Erfahrungen, auch was die Softwarelösungen betrifft.

09. Februar 2009

Alle Energieversorger und rund 5.500 Endverbraucher mit einem Jahresverbrauch über 100MWh können ihren Stromlieferanten seit Jahresbeginn frei wählen. Sie mussten ihrem bisherigen Anbieter bis Ende Oktober 2008 kündigen und eine entsprechende Meldung an ihren Netzbetreiber machen. Kunden, die diesen Termin nicht eingehalten haben, können dies jeweils bis zum 31.10. für das Folgejahr tun.

»Das ist der erste Stromkongress nach neuer Zeitrechnung«, sagte Kurt Rohrbach, Präsident des Verbandes der Schweizer Elektrizitätsunternehmen (VSE) kürzlich auf einer Veranstaltung.

»Und es funktioniert«, freute er sich. Das sei gar nicht so selbstverständlich, denn die Umstellung vom bisherigen auf das neue System sei eine ganz gewaltige Anstrengung gewesen, so der VSE-Präsident. »Diese Umstellung der Prozesse und sämtlicher technischer Abläufe sind reibungslos, ohne Pannen und vor allem mit einem äußerst gedrängten und ambitiösen Zeitprogramm realisiert worden.«

Beim Einstieg in die sogenannte neue Welt bietet es sich an, von den Erfahrungen, die in Deutschland mit Liberalisierung und Regulierung gemacht wurden, zu profitieren. Das haben sich auch die deutsche Soptim AG und die Schweizer Swisspower AG gedacht. Beide werden in Zukunft den gemeinsamen Vertrieb von Energielogistiksystemen von Soptim sowie von Beratungs- und Einführungsdienstleistungen der Swisspower anbieten.

Für Tobias Kühn, Projektleiter Energielogistik bei Soptim, ist ganz klar, dass »wir durch das hohe fachliche Know-how des Schweizer Marktes seitens swisspower, insbesondere was die Kenntnis der Marktprozesse angeht, sehr viel stärker bereichert werden, als wir es als Schweizer Unternehmen könnten«.

Unterschiedliche Datenformate

Der Kunde erhalte im Gegenzug lang erprobte Produkte, die »den ganzen Prozess der Liberalisierung in Deutschland bereits durchlebt haben und damit alle Kinderkrankheiten ausgestanden haben«. Ein Produkt, das neu konzipiert werde, könne einfach nicht die Erfahrung mitbringen, so Kühn, als eines, das »seit Jahren im Markt lebt und sich mit ihm weiterentwickelt hat«.

Im Gegensatz zu Deutschland basiert die Datenübertragung nicht wie in Deutschland auf Edifact, sondern auf dem XML-Format. Zum 01.01.2009 sei die Unterstützung des Marktstandards ebIX zwingend erforderlich, erläutert Kühn. »Dementsprechend haben wir in allen unseren Produkten diese Anforderung implementiert«, so der Projektleiter.

Hinzu kämen die Schweizer Tarifstrukturen für Netznutzung und Beistellung, die »noch nicht in gleichem Maße standardisiert sind wie in anderen Märkten«. Er leitet daraus ab, dass eine weitere Ergänzung der Soptim-Software erforderlich wird, sobald die Ausrichtung des Schweizer Marktes feststeht.

Im Gesamtpaket kann der Kunde zwischen drei Kernmodellen wählen: Business Service Providing (entspricht der Vollversorgung), zweitens ASP (beinhaltet nur eine Systemmiete, eigene Prozessbearbeitung) und der Lizenzkauf. (mn)

Erschienen in Ausgabe: 1-2/2009