Softwaretechnisch startbereit

Unbundling-Erweiterung zur Branchenlösung IS-U kurz vor der Auslieferung

Ob die Regulierungsbehörde zum 1.1.2005 kommt oder, wie bereits von einigen Politikern & pos;angekündigt& pos;, der Termin noch verschoben wird, ist für die IT-Branche nicht von Belang. Hier ist man gut vorbereitet. So wird SAP die neue Erweiterung IDEX-DE zu SAP IS-U ab dem 4. Quartal dieses Jahres anbieten. Diese wird den geltenden Regeln dynamisch angepasst.

11. Oktober 2004

Im siebten Jahr der Deregulierung der deutschen Energiewirtschaft finden weitreichende Änderungen der Rahmenbedingungen statt. Die Regulierungsbehörde konstituiert sich und die Unternehmensentflechtung wird weiter vorangetrieben. Für praktisch alle Unternehmen der Branche sind diese Veränderungen mit einer weitgehenden Reorganisation ihrer Unternehmensstrukturen sowie einer Redefinition ihrer Geschäftsprozesse verbunden.

Auch die Anpassung ihrer Informationstechnologie stellt die EVUs vor große Herausforderungen. Vom Marktführer SAP wird in diesem Zusammenhang eine Lösung erwartet, mit der sich die neuen Anforderungen umfassend abbilden lassen. Bereits im vergangenen Jahr hat SAP gemeinsam mit mehreren deutschen Versorgungsunternehmen das VV2@SAP-Projekt initiiert.

Daraus entstand eine Erweiterung der SAP-Lösung, die bereits den wichtigsten Marktregeln der Deregulierung in Deutschland Rechnung trägt. Darauf aufbauend entwickelt SAP ihr Lösungsspektrum für die Energieversorgungsbranche aktuell weiter. Die neue Erweiterungskomponente zu SAP IS-U trägt den Namen IDEX-GE (IDE Extended German Electricity). Sie wird ab dem vierten Quartal dieses Jahres verfügbar sein und die informationstechnische Unternehmensentflechtung in allen Varianten unterstützen. Die IDEX-GE-Komponente kann in bestehende IS-UImplementierungen problemlos eingebunden werden. Systemtechnische Voraussetzung ist dabei der Einsatz einer Version ab IS-U/CCS 4.64 (Industry Solutions - Utilities/Customer Care and Service).

Unterstützung der Ein- und der Zwei-Mandantenlösung

Da IDEX-GE direkt auf IS-U/CCS aufsetzt, ist die Installation ohne Upgrade oder Releasewechsel möglich. Die Daten aus den bestehenden Systemen werden automatisch weiter genutzt. IDEX-GE unterstützt sowohl Unternehmen, die eine Ein-Mandanten-Lösung betreiben als auch solche, deren Unbundling-Strategie eine Zwei-Mandanten-Lösung oder Systemtrennung vorsieht. Auch Holdingkonstruktionen können abgebildet werden, die sich aus der (gesellschafts)rechtlichen Unternehmensentflechtung ergeben. Mit der erweiterten SAP-Lösung lassen sich die Prozesse im deregulierten Markt - wie Lieferantenwechsel oder die Erstellung von aggregierten Netznutzungsrechnungen - vollständig automatisiert abwickeln. So werden langfristig für die EVUs Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen möglich (siehe auch Interview auf Seite 14).

Auch bei der Abdeckung zukünftiger Anforderungen wird SAP den Schutz bereits durch die Versorger getätigter IT-Investitionen gewährleisten. Durch ihre konsequente und langfristige Ausrichtung auf die Versorgungsindustrie stellt SAP die Wartung und zeitnahe Anpassung der Lösung an die geltenden Marktregeln sicher.

Die Lösung wird entsprechend den jeweils geltenden Regeln für den deutschen Strommarkt unter Berücksichtigung der Vorgaben des Regulators funktional erweitert werden. Dies trifft auch für Weiterentwicklungen zu, die nur den deutschen Strommarkt betreffen - unabhängig davon, ob diese auf Gesetzgebung oder auf für alle Unternehmen verbindlich einzuhaltenden Branchenvereinbarungen beruhen. Dabei wird SAP das System in den Bereichen, in denen die Marktregeln ausreichend definiert sind, entsprechend vorkonfigurieren.

Ebenfalls wird das IT-Unternehmen entsprechende Support- und Wartungsleistungen für alle bestehenden und künftig hinzukommenden Funktionen anbieten. Im Rahmen der Weiterentwicklung ihrer Lösungen für die Energieversorgungsbranche strebt SAP eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem Regulator, mit den Branchenverbänden sowie mit der Vertretung der Anwender an. Dies gewährleiste, dass die künftigen Vorgaben der Regulierungsbehörde für die Energieversorger softwaretechnisch zeitnah und kostengünstig umgesetzt werden, betont SAP.

„Langfristig werden die EVUs profitieren“

Interview zur SAP-Strategie im Bereich Unbundling

Dr. Bernd Brandl, Leiter des Geschäftsbereichs Utilities & Telecommunications bei SAP Deutschland, gibt Auskunft über die Folgen des Unbundling für EVUs sowie die neue SAP-Lösung für die Liberalisierung im Energiemarkt.

ES: Wie ist SAP auf das Thema & pos;Unbundling& pos; vorbereitet?

Unsere Software wird bereits seit mehreren Jahren in Ländern eingesetzt, die ihre Märkte schon dereguliert haben: In den USA und Neuseeland beispielsweise haben wir seit 1998 entsprechende Module aus unserem Branchenportfolio & pos;SAP for Utilities& pos; eingeführt, die alle dortigen Deregulierungs-Anforderungen abbilden können. Wir verfügen also über langjährige Erfahrung mit der Trennung von Erzeugung, Netz und Vertrieb. Aber natürlich haben wir bei der Entwicklung unserer Lösung für den deutschen Energiemarkt - IDEXGE - den Besonderheiten der lokalen Versorgungsindustrie Rechnung getragen. In Deutschland wird beispielsweise auch weiterhin die Möglichkeit bestehen, Netz und Vertrieb unter dem Dach einer Holding zu führen. Auch die vielfältigen Strukturen bei Energieversorgern hierzulande zwingen uns, die Software besonders flexibel zu gestalten, so dass die Unternehmen ihre individuellen Prozesse abbilden können.

ES: Inwieweit ist IDEX-GE in der Lage, die Deregulierung abzubilden?

Der grobe Rahmen der Deregulierungsanforderungen in Deutschland ist ja mittlerweile bekannt - auch wenn der Regulierer seine Arbeit erst im nächsten Jahr aufnehmen wird. Der EVUMarkt selbst hat schon bestimmt, wie Prozesse ablaufen sollen und wie kommuniziert werden soll. Die detaillierte Ausgestaltung der neuen Geschäftsprozesse ist dabei im Sektor Strom deutlich weiter vorangeschritten als in der Gasversorgung. Funktionen für die Anforderungen durch die Deregulierung werden wir mit IDEX-GE durch vorkonfigurierte Prozesse zur Verfügung stellen. Die erste Auslieferung unserer IDEX-GE-Lösung wird im vierten Quartal 2004 erfolgen. Die Erweiterung ist für unsere Kunden mit einem nur geringen Implementierungsaufwand verbunden, da die Software in bestehende ERP-, CRM- und SCM-Lösungen problemlos eingebunden werden kann.

ES: Wie wird es weitergehen? Rechnen Sie mit Änderungen der Vorgaben?

Wir gehen davon aus, dass es in den nächsten zwei bis drei Jahren keine massiven Änderungen an den bereits bekannten Vorschlägen zur Deregulierung des Strommarktes geben wird. Allenfalls wird es sich um Detailänderungen handeln. Darauf können wir mit IDEX-GE in jedem Fall schnell reagieren. Eine rasche Verständigung über ein einfaches Netzzugangsmodell für Gas ist wünschenswert. Danach können auch hier die Regeln genau ausgearbeitet und mit Softwarelösungen unterstützt werden. Derzeit beobachten wir die Marktentwicklung der Gasindustrie gemeinsam mit unseren Kunden sehr aufmerksam.

ES: Und wie schätzen Sie die wirtschaftlichen Konsequenzen für die Energieversorgungsunternehmen ein?

Die Schaffung paralleler Infrastrukturen für Netz und Vertrieb treibt zwangsläufig die Kosten der EVUs in die Höhe - auch erhöhte Ausgaben für die Anpassung der Organisationsstruktur und der IT müssen die Energieversorger einkalkulieren. Langfristig wird es jedoch zu einer Effizienzsteigerung kommen, da die Unternehmen nun transparenter werden. Durch die Aufspaltung der Unternehmen verloren gegangene Synergieeffekte lassen sich mit IDEXGE wieder etwas auffangen. Konsequentes Umsetzen des Unbundling stärkt zudem die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Energiewirtschaft. Die Unternehmen werden sich also zwangsläufig mehr als zuvor auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Erschienen in Ausgabe: 10/2004